10 Bilder aus dem Preußenstadion

1. Spieltag: SC Preußen 06 Münster – F.C. Hansa Rostock 1:1 (1:0)
16. Oktober 2015.
3. Liga, Deutschland.
Preußenstadion, Münster.
9.411 Zuschauer.

Während wir auf dem Weg zum Stadion sind, erhalten wir die Nachricht, dass sich der Anpfiff um eine Viertelstunde verzögern wird, weil viele Gästefans noch in und um Münster im Stau stecken. Was eine nette Geste seitens der Veranstalter ist, passt uns heute gar nicht in den Kram. Wir müssen nämlich die Bahn nach Duisburg um 21:10 Uhr erreichen, um dort in unseren Nachtzug nach Basel zu steigen. Kurz nachgerechnet: Anpfiff 19:15 Uhr, zweimal 45 Minuten, Halbzeit, Pyrounterbrechung einplanen, 3 im Sinn. Mist, wir werden etwa in der 65. Minute das Stadion verlassen müssen.

Wir haben noch nie, unter keinen Umständen, bei keinem noch so schlechten Spiel ein Stadion vor Abpfiff verlassen. Und wir reisen viel mit Hansa. Dass es nun gerade heute beim Auftaktspiel unserer Europapokalwoche so weit kommt, wo wir den besten Club der Welt sehen, ist besonders bitter.

Das Spiel startet wie versprochen relativ pünktlich gegen 19:15 Uhr. Es sind etwa 10 Grad, es scheint seit mehreren Wochen zu regnen, der Gästeblock hat kein Dach. Das ist Fußball für Liebhaber. Sehr lieb haben muss man auch eine der beiden Mannschaften, denn ansonsten hat man keinen Spaß an diesem Spiel.

Es gibt auf beiden Seiten wenig ernsthaften Druck auf das Tor, die meisten Angriffe verlaufen sich irgendwo im Mittelfeld. Wie aus dem Nichts verteilt der Schiedsrichter eine rote Karte an einen Münsteraner für ein Allerweltsfoul, was in der Folge aber keine Auswirkungen auf die Spannung hat, die wegen des Regens in der Kabine geblieben ist.

Nur 10 Minuten nach dem Platzverweis steht es plötzlich 1:0 für Preußen Münster. Wie dieses Tor fallen könnte, ist allen Personen im Stadion vollkommen schleierhaft, inklusive der fünf Rostocker Spieler, die von Kara stehen gelassen wurden wie Zuschauer, die ziemlich verblüfft darüber wirken, dass sie plötzlich auf dem Rasen stehen. Ein Pass auf Hoffmann in die Zentrale, dieser hält den Fuß hin, Torschrei, Jubel, 1:0.

Den Rest der ersten Halbzeit hätten wir uns auch sparen können, denn es gibt weder einen weiteren Torschuss noch eine Aktion, an die ich mich erinnern würde.

In der Halbzeit wird zum zweiten Mal an diesem Tag der Rasen gekreidet, was allerdings auch eher symbolischen Charakter zu haben scheint. Wir hoffen aufgrund des Regens und der Zeit, die wir nicht mehr haben, dass heute fünf statt fünfzehn Minuten Pause ausreichen und haben schon etwas Hoffnung als die Rostocker Mannschaft nach zehn Minuten zurück auf dem Platz ist. Die Preußen und die Schiedsrichter scheint das weniger zu interessieren. Die sitzen währenddessen wahrscheinlich noch in ihren Kabinen und trinken ihren Halbzeittee.

Die zweite Halbzeit beginnt mit einer netten Pyroshow der Gastgeber. Beide getrennt voneinander stehende Fanlager brennen ein paar Bengalos und Blinker ab, in der Mitte dazwischen steigen Raketen in den Himmel. Kann man mal machen. Warum deswegen das Spiel unterbrochen werden muss, können wir nicht nachvollziehen, denn es gibt weder eine Rauchentwicklung noch irgendwas, das Richtung Spielfeld fliegt. Dass die beiden Blöcke deshalb im nächsten Heimspiel gesperrt werden, ist lächerlich.

Irgendwann fällt wie aus dem Nichts ein Tor für Hansa. Dann kommt die 65. Minute und wir müssen uns schweren Herzens von unseren Blocknachbarn und dem Spiel verabschieden. Bis dahin ist das Spiel weiterhin eher arm an Torschüssen. Und Spielfluss. Und Spannung.

Wir finden das bestellte Taxi und erfahren unterwegs, dass das Spiel ein weiteres Mal wegen Pyrotechnik unterbrochen werden muss. Die Mannschaften wurden wohl sogar kurzzeitig in die Kabinen geschickt. Es ist ja auch kalt und nass heute in Münster. Es bleibt am Ende beim 1:1, wir sollen nichts weiter verpassen, was uns allerdings nicht darüber hinweg tröstet, dass wir in der 65. Minute das Stadion verlassen mussten.

Die Bahn Richtung Düsseldorf steht schon bereit und es geht pünktlich um 21:10 Uhr los. Drinnen werden Zeugen einer Livevorführung von „Brennpunkt Westfalen“. Eine sonnenbankgebräunte, blondgefärbte Schönheit mit Leopardenjäckchen und Handy gibt das Stück: „Is‘ ja voll korrekt von ihm, dass er mich nicht schlagen wollte, aber er ist trotzdem eine Missgeburt, weil er gleich die Polizei gerufen hat.“ Die Aufführung dauert von Münster bis Duisburg und ich bin meinen Eltern ein weiteres Mal dankbar, dass sie niemals darüber nachgedacht haben, der Arbeit wegen in den Pott zu ziehen. Leomuster und Solariumsbräune würde mir auch nicht stehen. Blond schon gar nicht.

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