Blind Booking nach Mailand – ein Erfahrungsbericht

Weil ich – aus Gründen – Ende Mai eher spontan zweieinhalb Wochen Urlaub habe, niemanden finden konnte, der ebenso spontan mit mir verreist und mich auch nicht auf ein Ziel in der Nähe festlegen konnte, habe ich den Zufall entscheiden lassen und das Blind Booking von Eurowings ausprobiert.

Blind Booking

Das Blind Booking funktioniert ziemlich unkompliziert. Auf der Homepage von Eurowings wähle ich meinen Startflughafen (Hamburg) und eine Kategorie aus. Ab Hamburg gibt es die Kategorien Party, Kultur, Shopping, Wandern & Natur und Sonne & Strand. Alle Kategorien kosten 33 Euro pro Richtung, Sonne & Strand 49,99 Euro.

Ich wähle Kultur, weil ich die Ziele am interessantesten finde: Budapest, Dresden, Genf, Mailand, Manchester, Paris, Pisa, Prag, Stuttgart und Wien. Ich habe die Möglichkeit, mehrere Ziele auszuschließen, die mich nicht interessieren. Pro Stadt kostet das 5 Euro. Weil ich auf jeden Fall ins Ausland möchte, schließe ich Dresden und Stuttgart aus.

Blind Booking

Blind Booking bei Eurowings

Im nächsten Schritt wähle ich die Reisedaten (17. bis 19.05.2016) und die Anzahl der Reisenden (1 Erwachsener) aus. Nun könnte ich noch Gepäck dazu buchen für 14,99 Euro (bis 23 kg) bzw. 64,99 Euro (bis 32 kg) pro Richtung, verzichte aber, da mir für zwei Nächte ein Rucksack im Handgepäck vollkommen ausreicht.

Nachdem ich meine persönlichen Daten übermittelt und den Preis von 76 Euro gezahlt habe, erfahre ich mein Ziel: es geht nach Mailand! Jackpot, denn das ist eine von drei möglichen Städten, die ich noch nicht gesehen habe. Ein bisschen schade ist leider, dass ich erst Dienstagabend hin- und Donnerstagmorgen wieder zurückfliege. Dadurch habe ich nur noch einen Tag Zeit für die Stadt. Leider kann die Uhrzeit nicht eingegrenzt werden.

Flüge Hamburg – Mailand und Mailand – Hamburg im Blind Booking Tarif: 66 Euro + Ausschluss der Ziele Dresden und Stuttgart: 10 Euro = 76 Euro

Flughafentransfer

Der Flughafen Mailand Malpensa liegt etwa 50 Kilometer nordwestlich von Mailand, wird aber über regelmäßige Zugverbindungen und Shuttle Busse an die Stadt angebunden. Vor Ort kaufe ich in der Ankunfthalle von Terminal 1 ein Ticket für 14 Euro, mit dem ich mit dem Bus vom Flughafen zum Centrale (Hauptbahnhof) und zu gegebener Zeit von dort zurück nach Malpensa fahren kann. Es gibt verschiedene Anbieter, der Preis ist bei allen der gleiche, etwa alle 20 Minuten ist Abfahrt. Die Fahrt dauert etwa 50 bis 60 Minuten. Am Terminal 2 wird ebenfalls gehalten.

Busfahrten Malpensa – Centrale und Centrale – Malpensa: 14 Euro

Unterkunft

Über Booking.com habe ich vorab mit dem B&B Best Hostel eine günstige, sehr angenehme und zentral gelegene Unterkunft gefunden. Ich zahle 38 Euro für zwei Nächte im 4er Frauenschlafsaal inkl. Frühstück. Vor Ort kommen nochmal vier Euro Touristeuer (zwei Euro pro Nacht) dazu.

Das Hostel ist direkt am Piazzale Loreto gelegen, der von den Metrolinien M1 (rot) und M2 (grün) angefahren wird, und zu Fuß in zehn Minuten vom Centrale (Hauptbahnhof) erreicht werden kann. Obwohl am Abend viel Betrieb ist, werde ich freundlich empfangen, man nimmt sich Zeit, mir alles zu zeigen und ein paar Tipps für die Stadt zu geben. Es gibt vier Bäder, von denen drei sehr  groß sind und über ein Fenster mit einem guten Blick über die Stadt verfügen. Jedes Mal, wenn ich ein Bad benutze, habe ich das Gefühl, dass kurz vorher geputzt worden ist. Das Hostel hat sich seine fabelhafte Bewertung auf Booking.com redlich verdient.

2 Übernachtungen inkl. Frühstück: 38 Euro + Touristeuer: 4 Euro = 42 Euro

24 Stunden ÖPNV

Obwohl ich erst gegen 22:30 Uhr eingecheckt habe, bin ich gespannt auf die Stadt und mache mich gleich mit der Metro auf den Weg zum Dom. Am Automaten bezahle ich 4,50 Euro für ein 24-Stunden-Ticket, mit dem ich die Metro, die Straßenbahn und alle Busse nutzen kann.

24-Stunden-Ticket: 4,50 Euro

Il Duomo I

Mit der Linie M1 fahre ich in elf Minuten von Loreto bis Duomo und stehe schließlich direkt vor dem angestrahlten Dom auf dessen Vorplatz. Ich schaue mich ein wenig um, schieße das eine oder andere Foto und genieße die Freiheit, mal eben so nach Mailand reisen zu können, wenn ich gerade Lust darauf verspüre.

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Selfie am Dom: 0 Euro

Weil ich riesigen Hunger habe, nicht genau weiß, wann die letzte Metro zurück nach Loreto fährt und auf die Schnelle nichts anderes finde, begehe ich DIE kulinarische Todsünde schlechthin: Ich esse einen Burger bei Mc Donald’s. [Bitte stellt euch an dieser Stelle einen dramatischen Einspieler á la „Bam Bam Baaaaaam“ vor.]

Selfie am Dom: 0 Euro + Burger: 4,50 Euro = 4,50 Euro

Il Duomo II

Am nächsten Morgen geht es direkt wieder zum Dom, denn jetzt will ich auch rein. Statt an der Hauptkasse eine halbe Stunde anzustehen, kann ich an einer Kasse neben dem Dom einen „Duomo Pass B“ für 11 Euro erwerben. Damit kann ich in den Dom, ins Museum (das heute leider geschlossen ist), in die Kirche St. Gottardo in Corte, in die Archeological Area und zu Fuß auf die Domterrassen. Für vier Euro mehr hätte ich den Pass A bekommen können, der eine Fahrstuhlfahrt beinhaltet, aber wir wollen es mal nicht übertreiben. So alt, dass ich die 200 Stufen nicht schaffe, bin ich nun auch noch nicht.

Trotz eines für meinen Geschmack normal, für den der Wachen aber gerade an der Grenze zu öbszön ausgeschnitteten Shirts, darf ich den Dom besichtigen. Von innen ist er vor allem groß und weiß mit seinen zahlreichen bunten Fenstern, den Säulen, Gemälden, Steinhauereien und der riesigen Orgel sehr zu gefallen.

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Altar des Mailänder Doms

In der Archeological Area gibt es – Überraschung – vor allem alte Steine und ehemalige Fundamente zu sehen. Für einen uninteressierten Laien eher so semi-spektakulär.

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Domterrassen

Viel, viel spannender sind für mich die Terrassen, deren Weg durch die vielen Streben und Balken führt, die so charakteristisch für den Dom sind. Beim Anblick dieser beeindruckenden Baukunst wird einmal mehr deutlich, dass Leonardo da Vinci und Co. ziemliche Freaks gewesen sein müssen.

Duomo Pass B: 11 Euro

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Blick auf Mailand

Zwischendurchstärkung

Nachdem ich mich sehr lange im, am, unterm und auf dem Dom aufgehalten habe, mache ich mich auf die Suche nach einer Kirche, die mir die Dame aus dem Hostel empfohlen hat. Zur Erinnerung an eine mittelalterliche Seuche und daran, dass das Leben kurz ist, soll in deren Inneren ziemlich alles mit echten Menschenknochen verkleidet sein. Leider finde ich diese Kirche nich, obwohl sie sie mir auf dem Stadtplan markiert hatte.

Stattdessen finde ich einen kleinen Supermarkt, in dem an einer Frischetheke Mittagssnacks verkauft werden. Ich stärke mich mit einer kleinen Portion Lasagne, ein paar frittierten Oliven und einer Flasche Wasser und mache im Park nebenan eine kleine Pause.

Verpflegung: 7 Euro

Galleria Vittorio Emanuele II und Via Monte Napoleone

Direkt am Domplatz ist die Galleria Vittorio Emanuele II zu finden, in der Prada gegenüber von Prada gegenüber von Versace gegenüber von Louis Vuitton liegt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich es mir leisten könnte, hier auch nur ein Taschentuch zu erstehen, erfreue mich aber an der luftigen Architektur der Galerie und der bunten Gestaltung des Fußbodens.

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Galleria Vittorio Emanuele II

An der Scala und ein paar Frauen mit Modelmaßen und -outfit vorbei komme ich nach kurzem Fußmarsch in die Via Monte Napoleone, wo sich das Schaulaufen der Schönen und Reichen zwischen zahlreichen weiteren Designerläden fortsetzt. An jeder Tür steht ein großer, böse schauender Mann, der jedem, dessen Brieftasche nicht groß genug ist, mit Blicken signalisiert, dass es am gesündesten ist, wenn man ohne großes Aufsehen weiter geht. Das mache ich auch.

Reiche Leute begaffen: 0 Euro

Castello Sforzesco und Parco Sempione

Das Castello Sforzesco ist ein Schloss mit einigen Museen, dessen Innenhof kostenlos zu besichtigen ist. Ich drehe eine kleine Runde und schaue mich ein wenig um, verlasse die Anlage aber schnell wieder, weil ich keine Lust habe, in ein Museum zu gehen. Dafür ist das Wetter zu schön und die Stadt noch zu unerforscht.

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Castello Sforzesco

Hinter dem Castello liegt ein netter kleiner Park mit einem See, Enten und Schildkröten. Mir fällt auf, dass hier viele Leute sitzen, die allein oder kleinen Gruppen Italienisch lernen. Ich spaziere einmal um den See und gehe in nördliche Richtung weiter.

Nicht ins Museum gehen: 0 Euro

Arena Civica Gianni Brera

Am nördlichen Rand des Parco Sempione befindet sich nämlich die Arena Civica Gianni Brera, die im Jahr 1807 eingeweiht wurde und bis Anfang des 20. Jahrhunderts Heimstätte von Inter war, bis der Verein 1926 ins neue Stadio San Siro umzog.

Der Eingang an der Haupttribüne ist leider ebenso verschlossen wie weitere Aufgänge an den Seiten des steinernen Runds. Obwohl ich wenig Hoffnung habe, einen offenen Eingang zu finden, will ich einmal das Stadion umrunden, um ganz sicher zu gehen. Zum Glück befindet sich hinter der Westtribüne ebenfalls ein großer Eingang, der zudem auch noch offen ist. Im Büro sitzt niemand und bevor noch jemand auf die Idee kommt, mir den Eintritt zu verwähren, gehe ich schnell ins Innere der Arena. Ist ja schließlich offen.

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Arena Civica Gianni Brera

Leider komme ich nur bis zur Laufbahn, bevor mich ein älterer Herr mit Bierbauch und Badelatschen zurüchruft. Ganz ins Innere darf ich zwar nicht, aber hinter dem Zaun kann man auch ganz gut auf die Ränge, die komplett ohne Sitzschalen sind und das Feld, auf dem echt viele Tauben sitzen schauen.

Fast auf’s Feld kommen: 0 Euro

Straßenbahn und Eis

Ich beschließe dann, dass es Zeit wird, ein richtiges Stadion zu sehen und meine, auf einem Stadtplan eine Straßenbahnlinie ausgemacht zu haben, die bis zum Stadio San Siro fährt. Ich muss zwischendurch nur einmal umsteigen und nutze die Gelegenheit, bei Cappuccino und Eis eine Pause einzulegen.

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Pause

Leider stellt sich heraus, dass a) ich keine Stadtpläne lesen kann oder b) die Linie 16 nicht mehr zum Stadion fährt. Wie auch immer, sie endet jetzt an einer Metrostation in der Nähe des Stadions und das lasse ich mal gelten.

Cappuccino und Eis: 4 Euro

Stadio San Siro

Am 28. Mai 2016, also in zehn Tagen, findet im San Siro das Champions League-Finale zwischen Real und Atlético Madrid statt. Entsprechend aufgeregt scheinen alle, die am oder im Stadion arbeiten. Die Straße und der Vorplatz werden erneuert, mit einem riesigen Kran werden Champions League-Banner unter dem Dach befestigt, der Rasen wird gedüngt, TV-Boxen werden aufgebaut, jeder einzelne Sitz wird geputzt, jemand geht mit einem Laubbläser durch die Sitzreihen, im Spielertunnel riecht es nach frischer Farbe. Es scheint, das ganze Stadion wird runderneuert.

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Stadio San Siro im Champions League-Look

Im Innenraum macht das Stadion trotz der Abwesenheit von 80.000 Zuschauern und der Anwesenheit einer Vogelscheuche im Mittelkreis einiges her. Drei Ränge, eine ziemlich gedrungene Bauweise, die schiere Größe, diese Lücke zwischen Tribüne und Dach. Ja, ich könnte mir gut vorstellen, hier mal mit einem gewissen Verein, der sein Finale am 28. Mai 2016 nicht in Mailand, sondern in Neustrelitz bestreitet, zu Gast zu sein.

Stadion Tour: 15 Euro

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Stadio San Siro in Vorbereitung auf die Champions League

Naviglio Grande

Weil mir nun endgültig die Füße qualmen, will ich zum Naviglio Grande, einem Kanal, an dessen Ufern sich viele Restaurants niedergelassen haben. Von der Dame im Hostel habe ich nämlich den Tipp schlechthin bekommen: Aperitivo. Brunch zum Abendbrot. Bevor es so weit ist, will ich auf dem Weg dorthin allerdings noch in die Sant’Ambrogio. Dort findet leider gerade ein Gottesdienst statt, den ich mit meiner religiösen Ignoranz natürlich nicht stören möchte.

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Naviglio Grande

Am Naviglio Grande finde ich jedenfalls eine Lokalität, in der ich das Aperitivo-Buffet und den ersten Cocktail für 9 Euro bekomme und lasse mich nieder. In einem Anflug an Naivität bestelle ich den gleichen Cocktail nochmal, in dem Glauben, dass dieser nicht viel mehr als 4 – 5 Euro kosten kann, wenn es ihn in Kombination mit dem Buffet für 9 Euro gibt. Tja, glauben ist Glückssache und der zweite Cocktail kostet 8 Euro. Na ja, irgendwas ist ja immer. Wenigstens war er lecker.

Aperitivo: 17 Euro

Abreise

Nachdem ich mir den Bauch vollgeschlagen habe, finde ich eine Straßenbahnlinie, die quer durch die Stadt zum Hauptbahnhof fährt, steige dort in die Metro um und falle nach dem Duschen ins Bett. Ich teile mir das Zimmer heute Nacht mit einer Schweizerin auf der Durchreise und einer jungen Dame, die bereits beim Betreten des Zimmers ihre Zwölf-Zentimeter-Absätze auszieht. Auf die Bemerkung, dass ich gestorben wäre, wenn ich den ganzen Tag in diesen Schuhen verbracht hätte, bekam ich etwa folgende Antwort: „Glaub mir, wenn du jemanden beeindrucken musst, stirbst du nicht so einfach.“ Frauen.

Eigentlich wollte ich am nächsten Morgen zum Centrale laufen, um dort in den Shuttle Bus zum Flughafen zu steigen. Allerdings hat es dermaßen geregnet, dass ich es schließlich doch für angemessen hielt, 1,50 Euro in ein 90-Minuten-Ticket für die Metro zu investieren.

Mehr oder weniger trocken zum Hauptbahnhof kommen: 1,50 Euro

Und was kostet das nun alles zusammen?

  • Flüge 76 Euro
  • Flughafentransfer 14 Euro
  • Unterkunft 42 Euro
  • 24 Stunden-Ticket ÖPNV 4,50 Euro
  • Burger 4,50 Euro
  • Duomo Pass B 11 Euro
  • Zwischendurchverpflegung 7 Euro
  • Eis und Cappucchino 4 Euro
  • Stadion Tour San Siro 15 Euro
  • Aperitivo 17 Euro
  • 90-Minuten-Ticket 1,50 Euro
  • In Summe 196,5 Euro [AFDFCH]

Wenn man es so zusammen rechnet, ist so ein Kurztrip gar nicht so günstig. Aber mal im Ernst: das Leben ist viel zu kurz, um immer nur Zuhause zu sitzen!

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