Jahresrückblick 2015: 53.000 Kilometer, 9 Länder und 21 Stadien

Wir sind jetzt in der Jahreszeit angekommen, in der Jahresrückblicke wieder superangesagt sind. Und weil ich von Natur aus jedem Trend hinterherlaufe, um immer möglichst hip zu sein [Man sagt doch noch „hip sein“, oder?], reihe ich mich mal in die Liste der Jahresrückblicke ein, die eigentlich nur die betreffende Person selbst interessieren, weil sie damit ganz toll angeben kann.

Malle für alle

Anfang Mai haben wir es gewagt, das Ferienparadies aka das Gegenteil von dem, wohin wir normalerweise reisen, zu besuchen: wir waren auf Malle. Statt Pommes mit Senf, dicken Titten und Kartoffelsalat gab es für uns ein Rennrad, einen Helm und Kohlenhydrate in Geleeform. [Meine Textsicherheit in Sachen mallorquinischer Volksmusik habe ich mir später auf einem Ausflug ins Erzgebirge angeeignet.]

Es wurde also eine ganze Menge radgefahren und ein Geburtstag gefeiert. In diesen Tagen habe ich eine wichtige Lektion über Rennräder und deren Sättel gelernt: sie sind scheiße unbequem und verursachen unsagbare Schmerzen. Nichtsdestotrotz hatten wir eine schöne Zeit, haben Strecken mit dem Fahrrad zurückgelegt, die mit dem Auto schon anstrengend sein können, und eine Menge Kuchen und Eis gegessen, damit sich das Fahrradfahren auch lohnt. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal für die Einladung!

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Wir beide auf Malle.

Big in Japan

„Und? Fährst du weg im Urlaub?“ – „Ja, nach Japan.“ – „Cool. Wielange dauert der Flug? Bestimmt zehn Stunden, oder?“ – „Weiß nicht, aber mit dem Zug sind es zweieinhalb Wochen.“ – [Stille]. Ich mag sie, diese Dialoge mit Leuten, die keine Ahnung haben, wie man richtig Urlaub macht.

Am 3. Januar stand der Plan, Mitte März die Route:

Hamburg – Stockholm – Turku – Helsinki – Moskau – Astana – Urumqi – Xi’an – Shanghai – Kobe – Kyoto – Tokyo.

Nur von Stockholm nach Turku und von Shanghai nach Kobe mussten wir auf die Fähre ausweichen, den Rest der Strecke konnten wir tatsächlich vollständig mit dem Zug zurücklegen. Ursprünglich hatten wir mal darüber nachgedacht, eine Teilstrecke mit der Transsibirischen Eisenbahn (Moskau – Wladiwostok) zurückzulegen, den Gedanken aber schnell wieder verworfen, denn Transsib kann jeder.

Es fällt mir schwer, diese Reise in ein paar Absätzen zusammenzufassen, weil wir so viele verschiedene Orte, Gegenden und Kulturen erlebt haben. Von der Gelassenheit Skandinaviens über den Trouble Moskaus, der Einfachheit der russischen Pampa in die kasachische Steppe und den Protz Astanas bis hin zur Wuseligkeit Chinas und der Höflichkeit und Schönheit Japans haben wir so viele Eindrücke gesammelt, dass ich ein ganzes Buch darüber schreiben könnte.

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Urumqi.

Unvergessen bleibt der sechsstündige Grenzübergang von Kasachstan nach China mit Inspizierung aller Urlaubsfotos und Konfiszierung des Reiseführers. Genauso die unbeschreibliche Schönheit der skandinavischen Schärenlandschaften, die sternenklaren Nächte in der kasachischen Steppe und die wunderbaren Sonnenuntergänge in den Weiten Russlands.

In Erinnerung bleibt auch die um einen Tag verlängerte Überfahrt von China nach Japan aufgrund einer Tsunami-Warnung. Oder der Typ, der ein Selfie mit mir machen wollte. Oder die ganzen anderen Chinesen, die uns einfach so fotografiert haben. Oder das Dreirad im Bett im Zug nach Kasachstan. Oder die Frau, die auf dem Markt in Shanghai dem abgetrennten Hühnerfuß die Krallen gestutzt hat. Oder die beheizbaren Toilettensitze in Japan. Oder der Blick auf das nächtliche Shanghai. Oder das Klischee aus Jogginghosen und Bierbauch in der Basilius-Kathedrale. Oder das Supermarktregal voller abgelaufener, nach außen gewölbter Fünf-Minuten-Terrinen in Astana. Oder dieses wunderbare Café mit den Orangen im Schaufenster in Stockholm. Oder der legendäre finnische Sommer. Oder die Wadenkrämpfe beim Abstieg vom Fushimi Inari [Achtung, Spoiler!]. Oder die Piroggen, die alle unterschiedlich gefüllt sind, am dritten Tag aber irgendwie alle gleich schmecken.

Ja, es war ganz wunderbar.

Europapokal

Weil es im letzten Jahr so viel Spaß gemacht hat, haben wir uns auch 2015 wieder die Europapokal-Woche im Oktober freigenommen, um Fußball zu schauen. Angefangen hat die Woche mit einem Auswärtsspiel von Hansa bei Preußen Münster am Freitag. Am Wochenende haben wir in Frankreich AS Saint-Étienne gegen Gazelec Ajaccio und Olympique Marseille gegen FC Lorient in der Ligue 1 gesehen. Am Montag hatten wir fußballfrei und Zeit für Lissabon, was eine der schönsten Städte Europas ist. Dienstag spielte der FC Porto gegen Maccabi Tel Aviv in der Champions League und am Mittwoch Atlético Madrid gegen den FK Astana in einem der schönsten Stadien, dem Estadio Vicente Calderón. Am Donnerstag folgte Europa League in Braga, wo Olympique Marseille zu Gast war. Am Samstag sahen wir im ausverkauften Estadio de Balaídos Vigo gegen Real Madrid.

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Marseille.

Die Woche war von wenig Schlaf, vielen tollen Stadien, ein paar interessanten und ein paar weniger interessanten Spielen, wunderschönen portugisischen Städten und ein wenig Abwechslung vom tristen Drittligaalltag geprägt. Leider bestehen die spanische und portugisische Fankultur weniger aus Auswärtsfans und Pyrotechnik als vielmehr aus Menschen, die das Stadion beim Stand von 1:0 zehn Minuten vor Spielende verlassen.

Fahr ma‘ auswärts

Mit dem besten Club der Welt bin ich in diesem Jahr meist ohne Denis unterwegs gewesen, was natürlich nicht bedeutet, dass ich allein war. Meine persönliche Hansa-Bilanz zählt in diesem Jahr 13 Heim- und 12 Auswärtsspiele, die mir immerhin 12.300 Kilometer im Zug eingebracht haben. Fußballerisch war es ein ziemich trauriges Jahr mit vielen Tief- und wenigen Höhepunkten. Dafür hatte ich sehr viel Spaß auf An- und Abreisen der Spiele. Danke dafür an alle Beteiligten. Wir sehen uns spätestens am 28. am Stein.

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Hansa.

2015 in Zahlen

Ich habe mal gezählt, gerechnet und recherchiert und das Jahr auf ein paar trockene Fakten reduziert:

Verkehrsmittel, absteigend nach km

Zug 26.000 km (davon 12.300 km in Deutschland)
Flugzeug 25.200 km
Bus 1.110 km
Schiff 770 km

Besuchte Länder, chronologisch

Spanien Mallorca
Schweden Stockholm
Finnland Helsinki
Russland Moskau, Pampa
Kasachstan Astana
China Urumqi, Xi’an, Shanghai
Japan Kyoto, Tokyo
Frankreich Saint-Étienne, Marseille
Portugal Lissabon, Porto, Braga
Spanien Madrid, Vigo

Besuchte Stadien, wild durcheinander

Ostseestadion Rostock (14-mal)
Kurt-Wabel-Stadion Halle (2-mal)
Bielefelder Alm Bielefeld
Rudolf-Harbig-Stadion Dresden
Sportpark Unterhaching Unterhaching
Erzgebirgsstadion Aue
Holstein-Stadion Kiel
Preußenstadion Münster
Steigerwaldstadion Erfurt
Waldau-Stadion Stuttgart
Stadion an der Bremer Brücke Osnabrück
Platz 11 Bremen
Stade Geoffroy-Guichard Saint-Étienne
Stade Vélodrome Marseille
Estádio do Dragão Porto
Estadio Vicente Calderón Madrid
Estádio Municipal de Braga Braga
Estadio de Balaídos Vigo
Elbe-Stadion Wedel
Stadion Hoheluft Hamburg
Volksparkstadion Hamburg

2015

2015 auf der Karte

Und jetzt?

Das Jahr wird traditionell mit einer Nord-Ost-Deutschland-Tour über Weihnachten, zwei Tagen in Rostock und einem Abend mit Rostocker Bratwurst und Glühwein enden. Fürs nächste Jahr gibt es noch keinerlei Pläne. Wir haben zwar mal an einem langen Abend beim Vietnamesen über die Möglichkeiten einer Kanada-Reise mit Abstecher in die Grönländische Hauptstadt Nuuk (16.000 Einwohner, 6 ausgebaute Straßen, 3 Buslinien, kein Landweg in andere Orte) nachgedacht. Aber konkret würde ich diese Idee auf keinen Fall nennen. Ihr solltet euch jedenfalls nicht wundern, falls wir uns am Ende irgendwo in der Mongolei wiedertreffen. Oder in der Südsee. Oder in Peru. Oder in Malaysia.

So, dann seht mal zu, dass Weihnachten schnell vorbei ist, dass wir uns am 28. sehen und dass ihr gut ins neue Jahr kommt!

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