Tag 1: Berlin – Bonn – Bentwisch – Hanoi

16. Juni 2012. 3:27 Uhr. Terminal 2, Flughafen München. Deutschland.

Eigentlich hatten wir uns unseren Reisebeginn ein bisschen anders vorgestellt. Die Strecke München – Bangkok wollten wir um diese Zeit eigentlich schon zur Hälfte geschafft haben. Aber irgendwas ist ja immer.

Wie kommt es nun, dass wir mitten in der Nacht immer noch am Münchner Flughafen sitzen? Nachdem bis München alles perfekt geklappt hat und wir trotz einer geringen Verspätung unseren Anschlussflug geschafft haben, ging so ziemlich alles schief. Wir saßen also im Flugzeug, abflugbereit auf der Startbahn, die wir nach einer zehnminütigen Fahrt im Flugzeug über die Münchner Stadtautobahn erreicht hatten. Da wir in der letzten Reihe saßen, waren wir mit die ersten, denen auffiel, dass irgendwas aus dem Flügel herauslief und das in einer angsterregenden Menge. Die erste Hoffnung, dass es sich um eine Kleinigkeit handelt und es gleich von selbst aufhört, verflog ziemlich schnell. Irgendwann hat auch die Crew das Leck entdeckt und das Flugzeug stoppte. Nun lief die farblose Flüssigkeit in Strömen aus dem Flügel. Man dachte eigentlich die ganze Zeit, dass es doch endlich mal aufhören musste. Aber es schien jemand einen Hahn aufgedreht zu haben, der nicht mehr abgedreht wurde.

Feuerwehr

Feuerwehr

Nach etwa einer Dreiviertelstunde lief es immer noch ununterbrochen und die Feuerwehr kam mit mehreren Fahrzeugen und schaute erst mal. Nach und nach kamen immer mehr Leute auf die Startbahn und schauten ebenfalls. Man konnte deren Ratlosigkeit förmlich riechen. Riechen konnte man mittlerweile auch, dass es sich um Kerosin handeln musste, das da aus dem Flügel lief. Einen Abflug konnten wir also vergessen, zumal in München ja auch ein Nachtflugverbot besteht.

Wir hatten nun schon mehr als zwei Stunden herumgestanden, als nach einigem Hin und Her die Ansage kam, dass wir zurück zum Terminal fahren müssten. Aus dem Flügel lief inzwischen weniger Kerosin und unter dem Leck stand ein kleiner Bagger, der den Treibstoff auffing. Nachdem das erste Schleppfahrzeug uns nicht zum Terminal zurück bringen konnte und nach einer weiteren halben Stunde ein passendes Fahrzeug gefunden war, mussten wir nach einigen Metern wieder anhalten. Als das Flugzeug bewegt wurde, lief das Kerosin nämlich wieder stärker und der Bagger konnte nicht die ganze Zeit nebenher fahren. Das Schauspiel wiederholte sich ein paarmal und irgendwann muss jemand entschieden haben, dass wir auch über das Rollfeld fahren können, wenn wir Treibstoff verlieren. Waren wir auf dem Hinweg ja auch schon.

Nachts am Schalter

Nachts am Schalter

Beim Ausstieg klärte uns ein Mitarbeiter des Bodenpersonals noch darüber auf, dass wir gerade drei Tonnen Kerosin verloren hatten und dass dessen Verdampfen hätte gefährlich werden können. Zum Glück erfährt man sowas immer erst im Nachhinein.

Nach dem Ausstieg mussten sicherheitshalber noch mal alle Passagiere durch die Passkontrolle, weil wir auf dem Rollfeld illegale Einwanderer hätten aufgabeln können. Und dann hieß es Schlange stehen. Es waren zehn Schalter offen für etwa 300 Fluggäste. Super übrigens, dass es so viele waren, denn es war ja schon 1:20 Uhr.

Nach einer Dreiviertelstunde warten waren wir endlich dran und bekamen die wenig befriedigende Aussage, dass wir heute Nacht ins Hotel und dann morgen Vormittag abwarten müssten. Unser Flug galt schließlich weiterhin als verspätet und nicht als annulliert. Da wir uns damit nicht zufrieden gaben, stellten wir uns an einen anderen Schalter und trafen auf eine sehr hilfsbereite Dame, die die Erlaubnis einholte, uns auf eine andere Airline umbuchen zu dürfen, damit wir noch rechtzeitig nach Hanoi kommen. Die Erlaubnis haben wir und die Umbuchung des Tickets übernimmt jetzt um 5:00 Uhr – hoffentlich – die Frühschicht.

16. Juni 2012. 16:42 Uhr MESZ. Irgendwo über der Ukraine.

Halle am Flughafen München

Halle am Flughafen München

Eigentlich können wir es ja kaum glauben, dass wir jetzt tatsächlich in einem Flugzeug sitzen, dessen Ziel Hanoi ist. Den Rest der Nacht hatten wir auf dem Flughafen verbracht. Morgens haben wir gemütlich mit Frühstücksgutscheinen gefrühstückt, nachdem wir uns in einer vollkommen übersichtlichen geradlinigen Halle verlaufen hatten. Die Nacht brachte nicht ganz so viel Schlaf wie erhofft.

Wir durften dann auch wie geplant die Air France-Maschine um 10:35 Uhr nach Paris nehmen und dort in den Vietnam-Airlines-Flug nach Hanoi umsteigen, der „morgen“ um 6:30 Uhr Ortszeit ankommen soll. Großartig!

Am Schalter in München bekamen wir über unseren Flug nach Bangkok noch die Info, dass er erst auf heute Nachmittag angesetzt war und dann auf morgen verlegt wurde, weil noch ein Ersatzteil fehlte. Das nennen wir mal Schwein gehabt, denn ohne Umbuchung hätten wir den Anschluss an unsere Reisegruppe vergessen können. Nun können wir uns so entspannt, wie es in so einem Flugzeug möglich ist, zurücklehnen und nach einem ausgiebigen Mittag/Abendbrot das Unterhaltungsprogramm an Bord genießen. Filme, Spiele, Musik, Außenkameras des Flugzeuges, alles auf dem Bildschirm im Vordersitz. Die Rollos der Fenster mussten übrigens schon geschlossen werden. Es wurde Schlafenszeit verordnet.

Fast am Ziel

Fast am Ziel

17. Juni 2012. 5:26 Uhr Ortszeit Vietnam. Irgendwo über Laos.

In einer Stunde haben wir es geschafft. Dann sollen wir in Hanoi ankommen. Zum Frühstück gab es gerade Omelette mit Kartoffeln und Barbecue-Sauce und da die verordnete Schlafenszeit vorbei ist, durften wir die Rollos wieder öffnen und konnten schon den Sonnenaufgang sehen.

Drei Dinge stehen jetzt schon mal fest: der Tankwart von Thai Air muss Einen ausgeben, auf der Strecke Bangkok – München gibt es keinen Schienenersatzverkehr und auf dem Rückflug trage ich eine Hose mit Gummizug.

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