Tag 1: Es geht los – mit Verzögerungen

10. Juli 2015. Hamburg (Deutschland) – Kopenhagen (Dänemark) – Malmö (Schweden) – Nachtzug nach Stockholm (Schweden)

Die Reise beginnt so wie sie beginnen musste: mit einer Verspätung, die wahrscheinlich die einzige bis Tokyo bleiben wird. Die ersten zwanzig Minuten fahren wir zwischen Reinfeld und Lübeck ein, aufgrund einer Weichenstörung und zusätzlich „einem Ast oder sowas in der Oberleitung“, so lautet zumindest die Durchsage vom überaus motivierten Schaffner. Wegen der Verspätung müssen wir Züge überholen lassen, verspäten uns dadurch noch mehr, erreichen die vorgesehene Fähre in Puttgarden nicht. Die nächste lässt uns nicht mitfahren, weil für unseren ICE angeblich kein Platz mehr ist und so warten wir weitere zwanzig Minuten mit wunderbarem Ausblick auf den Bahnhof Puttgarden Fähre, der mit einem wunderbaren Hafenambiente glänzen kann.

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Bahnhof Puttgarden Fähre

Kurzes Gastspiel in Dänemark

Die Überfahrt nach Rødby dauert wie geplant eine Dreiviertelstunde. Die Sonne scheint zwar, aber an Deck ist es so windig, dass die Stühle wegwehen, wenn niemand drauf sitzt – irgendwas ist ja immer. Wir genießen den Blick auf’s Meer, den salzigen Geruch der Ostsee, die Gischt auf der Brille und die Meerluft im Haar. Und dabei sind wir nicht allein, denn viele andere Passagiere finden sich, zumindest auf einem Teil der Strecke, ebenfalls an Deck ein.

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An Deck der Fähre

Auch in Dänemark können wir keine Verspätung aufholen und erreichen fast genau eine Stunde nach Plan  Kopenhagen. Die weitere Planung sieht vor, mit der Regionalbahn nach Malmö zu fahren und dort in den Nachtzug nach Stockholm zu steigen. Zum Glück sind anderthalb Stunden Umstiegszeit in Malmö eingeplant, weshalb wir mit der nächstmöglichen Regionalbahn noch nicht zu spät ankommen. Diese fahren sowieso etwa alle zwanzig Minuten ab, sodass die Verspätung für die Weiterreise ohne Folgen bleibt. Zugfahren kann so entspannt sein.

Nachdem die Schaffnerin der DSB, der Dänischen Bahn, unsere Fahrkarten kontrolliert hat, übernehmen zwei Kontrolleure der SJ, der Schwedischen Bahn, noch wärend wir uns auf der Øresund-Brücke befinden. Während die Schnaffnerin der DSB noch gekleidet ist, wie man es von einer Schaffnerin gewohnt ist, nämlich in Uniform mit Bluse und Blazer, muten die Kontrolleure der SJ in ihren Wanderhosen, Soft Shell-Jacken und Base Caps etwas moderner an. Obwohl ich mich anfangs gefragt habe, warum diese beiden Park Ranger jetzt unsere Fahrkarten sehen wollten…

Der erste Nachtzug

In Malmö bleibt noch genug Zeit, uns für die Fahrt mit allem Überlebenswichtigen zu versorgen – Wasser, Bier und Schokoriegel – und dann geht es auch schon los. Der Nachtzug erinnert an einen Zug, den wir vor einigen Jahren auf der Fahrt von Ploče in Kroatien nach Sarajevo hatten. Die Wagons damals waren zwar vierzig bis fünfzig Jahre älter als die von heute und ein Geschenk Schwedens an das vom Krieg gebeutelte Bosnien und Herzegowina, aber die äußerliche Gestaltung und Beschriftung der Notbremse mit dem Begriff „Nödbroms“ – das seitdem fester Bestandteil unseres schwedischen Vokabulars ist – sind absolut identisch.

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Nachtzug nach Stockholm

Unser Sechserabteil teilen wir mit einem US-Amerikaner, einem Reisenden, der die ganze Fahrt über nicht spricht und zwei sehr unsympatischen Schweizern, die sich für richtig toll halten, weil sie schon fünf Städte in Europa gesehen haben, und aufgrund irgendwelcher Prinzipien nicht mit Deutschen sprechen wollen. Das stört uns aber nicht weiter, denn wir belegen die beiden oberen Liegen und haben Bier und Schokoriegel.

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Keine Luftballons in Malmö

Obwohl wir heute Nachmittag nach der Arbeit etwas überhastet aufbrechen mussten, ist bisher noch nichts aufgefallen, was wir vergessen haben könnten. Pässe und Fahrkarten sind dabei; der Rest ist Luxus. Landschaftlich war der Tag heute – abgesehen von der Ostsee, die immer wunderschön ist – wenig abwechslungsreich. Schleswig-Holstein, Dänemark – bis auf die abweichende Beschilderung konnten wir keine Unterschiede feststellen. Aber das ist ja das Spannende an einer solchen Reise: die Umgebung verändert sich nicht innerhalb weniger Stunden, sondern ganz langsam über mehrere Tage.

Heutige Verbindungen

ICE 37 Hamburg (ab 15:28 Uhr) – Kopenhagen (an 20:13 Uhr + 58 Minuten)

R 1104 Kopenhagen (ab 21:32 Uhr) – Malmö (an 22:06 Uhr) / Europa-Spezial Schweden 118,40 Euro (2 Personen)

D 10002 Malmö (ab 22:37 Uhr) – Stockholm (an 6:16 Uhr) / 137, 20 Euro (2 Personen im Liegewagen)

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