Tag 1: La Habana Vieja

26. Juni 2014. Zürich, Schweiz – Havanna, Kuba.

Es ist jetzt 21:00 Uhr Ortszeit Havanna. Nach kubanischem Zeitempfinden hat der Abend eigentlich noch gar nicht angefangen, nach unseremZeitempfinden ist er allerdings bereits vorbei. Denn in der Zeitzone, aus der wir kommen, ist es jetzt 3:00 Uhr morgen früh. Deswegen haben wir auf der Dachterrasse unseres Casas auch nur einen Cuba Libre getrunken, bevor wir ins Bett gefallen sind. Man soll seinen Körper ja auch nicht gleich ohne Training überanstrengen.

Gestern Abend waren wir schon nach Zürich geflogen, von wo aus wir heute Mittag Richtung Havanna aufbrachen. Wir haben aufgrund der Kürze unseres Aufenthaltes in einem Hotel am Flughafen übernachtet und leider keine Zeit gehabt, die Stadt zu erkunden. Sehr schade, aber wir werden sicher noch mal die Gelegenheit bekommen, das nachzuholen.

Wir hatten für unseren Flug von Zürich nach Havanna bereits in Hamburg am Online-Check-In eingecheckt und dort ein paar Probleme mit der Platzwahl gehabt, weshalb wir jeder in einem anderen Teil des Flugzeuges sitzen sollten. In Zürich konnten wir den Fehler zum Glück am Schalter beheben lassen. Leider waren die letzten beiden einigermaßen zusammenhängenden Plätze diejenigen mit der Nummer 43E und 44E. Diese hingen auch nicht direkt zusammen, sondern lagen hintereinander. Es waren zwei Mittelplätze in der mittleren Sitzreihe. Jackpot.

01 Havanna (04)

Flugroute – fast da

Na ja, nützt ja nix. Wir hatten jetzt nicht direkt Platz oder konnten uns bewegen, aber am Ende sind wir trotzdem in Havanna angekommen. Vor allem der sehr beleibte Luigi neben mir, der wahrscheinlich hackedicht war, verstand es nicht, was es bedeutet, wenn einen die Sitznachbarin in regelmäßigen Abständen mit dem Ellenbogen stößt.

Nach nur zehn Stunden und zehn Minuten waren wir an unserem Ziel angekommen und konnten wieder vollste Arm- und Beinfreiheit genießen. Wir befanden uns acht der zehn Stunden über dem Atlantik, was mir erst einmal die Ausmaße dieses auf der Weltkarte so kleinen Sees zwischen Europa und Amerika deutlich gemacht hat.

In Havanna angekommen traf uns das Wetter erst einmal wie ein Brett vor dem Kopf. Ja, wir haben auch Sommer in Deutschland. Und ja, wir haben auch schon dort über die Temperaturen gestöhnt. Aber nach zehn Stunden in einem klimatisierten Flugzeug ist das karibische Wetter zumindest mal eine Umstellung.

Nach der Passkontrolle wurde unser Handgepäck noch einmal durchleuchtet wie an der Sicherheitskontrolle am Abflughafen. Nicht dass wir unterwegs Gegenstände aufgetrieben haben, die auf Kuba verboten sind. Decken, Kissen oder Flugzeug-Besteck z.B. Anschließend mussten wir noch eine halbe Stunde auf unser Gepäck warten, weil dieses vor der Freigabe noch geröntgt werden musste. Nicht, dass man in der Schweiz etwas übersehen hat.

01 Havanna (07)

Malecon

Wir wurden von einem Taxifahrer mit einem Namensschild erwartet, der uns direkt in die Altstadt zu unserer Unterkunft brachte. Wir übernachten hier auf Kuba hauptsächlich in Casas Particulares. Das sind Privatunterkünfte mit einem oder mehreren Zimmern für Reisende. Die Casas stehen natürlich unter staatlicher Aufsicht, denn richtig echte Privatwirtschaft gehört in die imperialistischen Feindstaaten.

Da unser Casa ziemlich viele Zimmer vermietet, gibt es eine Dachterrasse mit einem netten Blick auf die Altstadt Havannas, wo man eine Kleinigkeit trinken oder essen kann. Auf Wunsch kochen die Damen in der Küche nämlich für die Gäste.

Unser Casa befindet sich direkt in La Habana Vieja, der Altstadt, was wir auch gleich mal ausnutzen wollten. So liefen wir nach dem Einchecken los, um ein bisschen die Stadt zu erkunden. Wir waren erst am Wasser, wo viele kleine Boote lagen und einige Angler am Ufer ihr Glück versuchten. Danach ließen wir uns in den vielen kleinen Gassen der Altstadt treiben.

Ein paar erste Eindruck, die wir heute sammeln konnten:

  • Havannas Altstadt ist ziemlich baufällig. Viele Fassaden sind grau und verwittert. Außerdem sind die Fenster und Haustüren meist durch Gitter gesichert, die allerdings sehr vielseitig und kreativ gestaltet sind.
  • Es gibt kaum einen Platz, an dem nicht Fußball gespielt wird. Dafür sind meistens vier bis acht Jungs auf zwei Teams aufgeteilt. Sie sind mit eigenen Toren aus Drahtstäben und einem alten flauen Ball ausgestattet. Beides wird nach dem Spiel wieder mit nach Hause genommen.
  • Als Ausländer wird man alle zehn Meter angesprochen, ob man nicht ein Taxi bräuchte oder Hunger hätte. Ein Restaurant ist nämlich immer in der Nähe und Touristen sind aufgrund der Devisen, die sie mitbringen, gern gesehene Gäste. Wir hatten schon genug zu essen auf unserem Flug, aber morgen sind wir dabei. Einem Typen, der uns ansprach, antworteten wir, dass wir morgen vielleicht zu ihm kämen. Er hatte nur ein breites Grinsen für uns und sagte: „Today is better!“
  • Die Amtssprache auf Kuba ist ja bekanntlich Spanisch. Es ist auch alles auf Spanisch ausgeschildert. Wenn sich zwei Kubaner allerdings auf Spanisch unterhalten, ist dies aber keineswegs für einen Nicht-Spanier als Spanisch identifizierbar. Es klingt eher wie eine Mischung aus Italienisch und Rumänisch.
  • Die Treppe, die von unserer Dachterrasse nach unten führt, ist dermaßen steil und eng, dass es nach ein paar mehr Cuba Libre schwierig sein könnte, unverletzt unten anzukommen. Wir werden es testen und berichten.

 

 

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