Tag 1: Null zu Null

8. Oktober 2011. 20:00 Uhr. Chill Out-Lounge im Generator Hostel Kopenhagen.

Nachdem die letzte Nacht um ca. vier bis fünf Stunden zu kurz war (Vielen Dank an dieser Stelle an Rike und Beatrice für ihren Besuch!), hieß es, viel zu früh aufstehen, fertig machen und ab zum Hauptbahnhof. Unsere Bahn fuhr ja schließlich schon um 7:25 Uhr. Wir hatten am Hauptbahnhof noch genug Zeit, uns mit Frühstück und anderen wichtigen Utensilien auszustatten wie z.B. Gefrierbeuteln und Rasierschaum. Unsere dänische Bahn mit ihren drei Wagons stand schon früh am Gleis bereit und so konnte es pünktlich los gehen.

Nach dem Frühstück machte sich trotz Kaffee schnell die Müdigkeit breit. So verschlief ich die Überfahrt nach Fehmarn und war etwas überrascht, als die Lautsprecherstimme verkündete, dass wir gleich auf die Fähre fahren würden und der Aufenthalt im Zug dann nicht mehr gestattet war. Damit hatte ich nicht gerechnet, da ich mir vorher nicht zu 100 Prozent sicher war, wo jetzt genau dieses Puttgarden liegt, in dem wir auf die Fähre fuhren. Also raus aus der Bahn und hoch an Deck. Bei reichlich Seegang haben wir ein bisschen frische Ostseeluft geschnuppert und nach einer Dreiviertelstunde ging es auch schon wieder mit dem Zug weiter. Unterwegs sollte ich noch den Bahnhof von Naestved kennenlernen, den Denis natürlich schon kannte. Ja, ich muss mehr auswärts fahren.

Nach insgesamt viereinhalb Stunden erreichten wir Kopenhagen pünktlich um 12:10 Uhr. Nach einiger Verwirrung um Tarifsystem und Bezahlung der Fahrkarten des Kopenhagener Nahverkehrsystems haben wir die passenden Tickets gefunden und machten uns auf den Weg zum Hostel. Unterwegs kamen wir noch am Rosenborg Slot (Schloss) vorbei, wo sich eine Kaserne befindet. Dort kam gerade die Leibgarde von der Wachablösung vom Königspalast, Amalienborg, an. Die Soldaten liefen von einer Polizeieskorte begleitet durch die ganze Stadt.

Østerbro-Stadion

Østerbro-Stadion

Nachdem wir unsere Taschen in unser Zimmer gebracht hatten, machten wir uns mit unseren frischen Bus- und Bahntickets auf zu unserem Nachmittagsprogramm: B.93 Kopenhagen (Boldklubben af 1893) gegen Herlev IF – der Achte gegen den Zwölften der 2. Division Øst, der dritten dänischen Liga. Aufgrund der Länderspielpause an diesem Wochenende, ohne die wir wohl heute auch nicht hier wären, haben die erste und zweite Liga frei und wir konnten diesem Klassiker der dritten Liga beiwohnen.

Aus dem Bus gestiegen sind wir am Parken, dem Stadion vom FC Kopenhagen, das genau neben dem Østerbro-Stadion lag, in dem „unser“ Spiel stattfand. So wie das Parken von außen aussah, waren wir auch nicht übermäßig traurig, dass wir darin kein Spiel sehen würden. Es handelt sich beim Parken nämlich um das absolut hässlichste Stadion, das wir je gesehen haben. Und wir haben schon das eine oder andere besucht. Es übertrifft sogar die Plattenbauoptik des neuen Augsburger Stadions, da es nicht nur aussieht wie ein Bürogebäudekomplex, sondern tatsächlich vielen Firmen als Geschäftssitz dient. Absolut widerlich!

Schiedsrichter

Schiedsrichter

Auf dem Weg vom Parken zum Østerbro-Stadion begegneten wir einem der Linienrichter, der gerade mit seiner Netto-Tüte aus dem benachbarten Park angelaufen kam. Vielleicht kam er gerade vom Ausweichtrikotsholen, die das Schiedsrichtergespann überziehen musste. Sie haben wohl zu spät gemerkt, dass die Gastmannschaft genau wie die Schiris mit schwarzen Trikots angereist war.

Das Østerbro-Stadion wusste mit seinem Amateurflair zu gefallen. Es bestand aus dem Spielfeld, einer Tribüne mit Holzbänken, die frei schwebend an den Betonstufen hingen, einem alten Backsteinhaus, das als Abtrennung nach außen diente und auch die Kabinen beherbergte und viel, viel Platz.

Das Spiel selbst ist schnell erzählt. Wir fühlten uns an unseren Liga-Alltag erinnert. Es war nur noch ein bisschen schlimmer. Eine Mannschaft ist fast das ganze Spiel überlegen und vergibt eine Chance nach der anderen. Die andere hat viel Glück, einen Stürmer, der keinen Ball annehmen kann, dreht zum Schluss noch mal auf und vergibt noch kläglicher als die erste Mannschaft. Es war als würde Hansa gegen Rostock spielen. Die logische Folge: das Spiel endete 0:0.

Ein paar Eindrücke vom Drumherum:

  • Der Eintritt war mit 60 Kronen (ca. 8 Euro) pro Person schon fast so teuer wie bei uns in der zweiten Liga. Eintrittskarten gab es dennoch keine. Der Umstand, dass man sich auf dem Stadiongelände befand, war schließlich Beweis genug, dass man gezahlt hatte.
  • Wenn man unseren Dänischkenntnissen vertrauen kann, waren 219 Zuschauer anwesend. Wie die Veranstalter ohne Eintrittskarten diese Zuschauerzahl heraus gefunden haben, ist uns nach wie vor ein Rätsel, denn es gab neben dem Normalpreis auch ermäßigten Eintritt.
  • Außerdem war es schweinekalt. 12°C sind ja die eine Sache. Wenn dann noch sibirische Winde dazukommen, sieht es schon anders aus. Nicht wenige Zuschauer hatten schon Handschuhe an.
Strøget

Strøget

Nach dem Spiel sind wir noch in die Innenstadt gefahren und über die Strøget (dänisch für „Strich“), einer großen Einkaufsstraße und mit 1,1 Kilometern einer der längsten Fußgängerzonen Europas, gelaufen. Es war ungewohnt, dass schon um 17:30 Uhr die meisten Geschäfte geschlossen waren. Nichtsdestotrotz waren noch sehr viele Menschen unterwegs.

Am Rathaus hatten wir noch einen original dänischen Hot Dog, der neben Röstzwiebeln auch rohe Zwiebeln enthält und mit einer äußerst roten Wurst zubereitet wird. Als wir dann satt und komplett durchgefroren waren, machten wir uns wieder auf den Weg in unser Hostel. Am nächsten Netto machten wir noch kurz Halt, um ein paar Kleinigkeiten zu besorgen. Hier stellten wir fest, dass es in Dänemark bei Netto weder Hansa-Fanbrot noch Rostocker Jagdwurst gibt, dafür aber eine eigene Hausmarke – Scottie.

Ansonsten noch ein paar weitere Eindrücke aus Kopenhagen:

  • Die Ampeln müssen von Apple designt worden sein. So flache Ampeln haben wir noch nicht gesehen. Außerdem erinnerte ihr Aussehen stark an den iPod Nano.
  • Hier laufen sehr viele blonde Menschen herum, was ich persönlich ja sehr sympathisch finde.
  • Kinderwagen werden hier gern mal mit einem Tuch oder einer Decke zugehängt. Wahrscheinlich fliegen sonst die Kinder weg bei dem Wind hier.
  • Autos werden hier anscheinend schon mit integrierter Parkuhr ausgeliefert. An der Windschutzscheibe vieler Autos sind von innen ein Aufkleber in Form einer Uhr und ein verstellbarer Pfeil angebracht.

Apropos Autos: Im Stadion ist jemand mit einem Autolenkrad herum gelaufen. Meine Theorie ist ja, dass er das Lenkrad mitgenommen hat, damit sein Auto nicht geklaut wird. Wer klaut denn auch schon ein Auto ohne Lenkrad? Und wie soll man damit wegfahren?

Ansonsten sitzen wir gerade in der Chill Out-Lounge unseres neuen und sehr stylisch eingerichteten Hostels, trinken eine Kleinigkeit und wollen uns noch einen Plan für morgen machen.

 

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