Tag 1: Über Dortmund und Düren nach Brüssel

27. Oktober 2012. 19:48 Uhr. Im ICE 10 von Köln nach Brüssel über Düren.

Wir sind gerade in Köln in den ICE nach Brüssel gestiegen und sind uns nicht ganz sicher, ob der Zug nun über Düren fährt oder nicht. Am Kölner Hauptbahnhof gab es in den zehn Minuten, die wir am Gleis warteten, ungefähr zwanzig Mal folgende Ansage: „Information zum ICE 10 nach Brüssel über Düren, Abfahrt 19:43 Uhr. Heute mit Halt in Düren und Düren.“ Die Unsicherheit kam daher, dass die Anzeige im Zug, die den Zuglauf beschreibt, Düren gar nicht aufführt. Aber die Ansagen im Zug auf Deutsch, Französisch, Flämisch und Englisch gaben uns dann vierfache Sicherheit: wir fahren über Düren, weil wir dort nämlich außerplanmäßig den Zug wechseln müssen. In Düren.

Der Tag begann heute Morgen gegen 8:00 Uhr mit Fertigmachen, die letzten Sachen packen und der Fahrt zum Hauptbahnhof. Um 9:46 Uhr sollte unser IC nach Dortmund fahren, weil wir auf dem Weg in den Urlaub dort noch einen wichtigen Termin hatten: Auswärtsspiel im Westfalenstadion.

Es ging dann auch relativ pünktlich mit fünfzehn Minuten Verspätung los. Auf der Fahrt gab es Frühstück, Bier und allerlei Gefasel. Wir kamen mit ein paar Minuten Verspätung in Dortmund an, aber das war kein Problem. Da der WET-Mob eine Stunde vor Anpfiff noch in Minden war, waren wir uns ziemlich sicher, dass das Spiel später angepfiffen werden würde. In der Bahn zum Stadion verkündeten dann mehrere Mitreisende aus sicheren Quellen, dass der Anpfiff um 14:30 Uhr statt 14:00 Uhr stattfinden sollte.

Westfalenstadion

Westfalenstadion

Wir hatten also keine Eile als wir auf dem Weg zum Westfalenstadion am Stadion Rote Erde vorbei liefen, in das wir etwas wehmütig den einen oder anderen Blick warfen. Normalerweise spielt Dortmunds Zweite, unser Gegner an diesem Tage, in diesem alten, offenen Rund. Aber den Auftritt hier haben uns sowohl die Karlsruher als auch einige Experten aus unseren eigenen Reihen verbaut.

Am Eingang sahen wir die ersten Gewalttäter Cord, die sich für die Mottofahrt entsprechend gekelidet hatten, und mussten feststellen, dass 90 Prozent der Anwesenden heute besser aussahen als sonst in Ihren Ausgeh-Joggern. Wir beeilten uns nicht, in den Block zu kommen, denn bis zum Anpfiff um 14:30 Uhr war es ja noch eine halbe Stunde Zeit. Oben angekommen mussten wir dann feststellen, dass wir doch gerade rechtzeitig zum Anpfiff da waren. Wir begannen also doch pünktlich.

Als Begründung hieß es hinterher, dass der WET-Mob auf der Rückfahrt keinen Anschluss in Hamburg nach Rostock mehr haben würde, wenn der Anpfiff verschoben worden wäre. Ob das Konzept aufgegangen ist, bleibt offen, da der Mob mit 40 Minuten Verspätung aus Dortmund losgefahren ist und in Minden nur fünf Minuten Übergangszeit hat.

Blick ins Westfalenstadion

Blick ins Westfalenstadion

Was wir nach dem Anpfiff zu sehen bekamen, war sehr traurig: Hansa total langsam und unbeweglich, ein Fehlpass nach dem anderen und absolut unansehnlich. Ähnlich unansehnlich ist ein leeres Westfalenstadion. Ich erinnere mich an meinen ersten Auftritt in Dortmund 2005: letztes Auswärtsspiel vor meinem ersten Erstliga-Abstieg, 80.000 Zuschauer, die gelbe Wand, Gänsehaut. Heute war die Südtribüne komplett leer, man schaute auf eine nackte Betonwand, die alles in allem aber sehr gut in das Dortmunder Stadtbild passt. Im Stadion waren inklusive der 3.000 Rostocker insgesamt 4.100 Zuschauer.

Tja, so ändern sich die Zeiten. Am Dach hingen übrigens noch die Champions League-Fahnen vom Klassiker Borussia Dortmund gegen Real Madrid am letzten Dienstag. Das Spiel wurde dadurch aber auch nicht besser, obwohl wir ganz froh waren, dass Dortmunds Zweite nicht genauso spielt wie die erste Mannschaft. Hansa hatte zwar in der zweiten Halbzeit noch die eine oder andere Situation in der Dortmunder Hälfte, Dortmund vergab zwei hundertprozentige Chancen, der WET-Mob kam in der 70. Minute und benahm sich daneben, Abpfiff, 0:0. Kein Spiel, an das man sich lange erinnern sollte.

Also zurück zum Hauptbahnhof, eine Kleinigkeit gegessen, den Rest der Reisegruppe verabschiedet und hoch zum Gleis. An unserem Bahnsteig fuhr außerplanmäßig der IC nach Hamburg-Altona ab, was der Grund war, dass wir folgendem Schauspiel beiwohnen durften: Ein Rostocker hatte keine Fahrkarte für den entsprechenden Zug und wollte trotzdem einsteigen. Den ihn verfolgenden sechs Polizisten versicherte er, er würde die Fahrkarte im Zug nachlösen, was ja beim heutigen Stand der Technik kein Problem darstellt. Die Polizisten entschieden, sie müssten unbedingt seine Personalien aufnehmen, ließen ihn aber anschließend einsteigen. Die Türen schlossen, wurden verriegelt und der Zug wollte abfahren.

Einer der Polizisten schien in diesem Moment aber einen Geistesblitz zu haben und war der Meinung, er müsste unbedingt noch in diesen bereits verriegelten Zug einsteigen. Da er vor einem älteren Wagon stand, hatte dieser keinen Knopf zum Türöffnen, sondern einen Griff. So nahm der Polizist den Griff, riss sechs bis acht Mal daran und war schließlich stärker als die Verriegelung. Die Tür ging auf, die sechs Polizisten stiegen ein und alle waren froh. Einziges Problem: die Tür schloss jetzt nicht mehr. Aber das störte die Polizisten nicht, denn um die Reparatur kümmerten sich ausschließlich die anwesenden Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Meine Damen und Herren, die Polizei, ihr Freund und Helfer. Der Zug hatte dadurch übrigens zwanzig Minuten Verspätung.

Wir fuhren dann jedenfalls nach Köln, verbrachten die Stunde Übergangszeit und sitzen mittlerweile auch im richten Zug, der nach Brüssel fährt. Warum wir den Zug wechseln mussten, ist uns allerdings ein Rätsel. Denn eigentlich haben wir nur mit den Reisenden aus der Gegenrichtung den Zug getauscht. Demnächst kommen wir dann aber hoffentlich trotzdem in Brüssel an.

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