Tag 1: Über Umwege an die Ostsee

22. Juli 2017. Stettin, Polen.

Wir machen in diesem Jahr Urlaub an der Ostsee. Aber nicht auf die klassische Ferienwohnung-auf-Usedom-Art, sondern auf die coole Mit-dem-Auto-einmal-rum-Weise. Das ist ganz praktisch, denn dafür mussten wir nur folgende Vorbereitungen treffen: Russland-Visum besorgen, ein Zelt nebst Zubehör kaufen und das Auto tanken.

Der Plan

Der Plan scheint ziemlich simpel: Wir fahren einmal um die Ostsee, bleiben möglichst nah an der Küste und meiden Autobahnen und Mautstraßen.

Die erste Etappe steht bereits ein paar Wochen vor der Abreise fest: Mit einem kleinen Umweg über das Osnabrücker Umland, wo uns in Lotte ein fußballerischer Leckerbissen erwartet, soll es nach Stettin gehen. Für den Sonntag drei Wochen später haben wir eine Fähre von Trelleborg nach Rostock gebucht. Der Rest dazwischen ergibt sich dann schon.

Abfahrt

Als am Morgen also alle Schränke leer und der Kofferraum voll ist, machen wir uns auf den Weg. Für uns, die sonst drei Wochen lang ihr Leben in einen Rucksack quetschen, ist so ein voll ausnutzbarer Kofferraum eine ganz neue Erfahrung. Wir haben so viel Platz, dass ich sogar Wechselschuhe einpacken konnte und mich in der Folge schon ein bisschen wie die Queen fühle.

Kofferraum – da geht noch was

Weil Lotte nicht direkt an der Ostsee liegt und wir bis Stettin eine lange Strecke vor uns haben, entscheiden wir, dass unsere Grundsätze, dicht an der Küste zu bleiben und Autobahnen zu meiden, nicht in Deutschland gelten.  Nachdem wir Hamburg verlassen haben, wechseln wir dennoch vorerst auf die Landstraße, weil wir ziemlich früh dran sind. Um und bei Bremen fahren wir schließlich wieder auf die Autobahn, die wir am Lotter Kreuz verlassen.

Fußball und Landwirtschaft

In Lotte angekommen, stellen wir das Auto auf dem Gästeparkplatz „Wiese“ ab, bestaunen die Erfolge der hiesigen Landwirtschaft in Form eines Maisfeldes, das eine beachtliche Höhe aufweist, bedenkt man, dass hier alle zwei Wochen mindestens hundert Leute gleichzeitig gegenpinkeln, und freuen uns darüber, dass zwischen Mais- und Fußballfeld noch eine Tribüne Platz gefunden hat. Die Dritte Liga beginnt wieder, für uns heute mit dem Klassiker Sportfreunde Lotte gegen Hansa.

Obwohl das halbe Stadion nach Animationsrufen des Stadionsprechers mindestens fünfzig Mal versichert, „Volle Lotte“ zu geben, bleibt es ein Heimspiel für Hansa, das mit einem Elfmetertor und einem Tor des Monats für die richtige Mannschaft endet. Alles andere über den Kick wurde bereits in allen vorhandenen Qualitätsmedien ausgewertet, sodass ich an dieser Stelle darauf verzichte, die fast verjährten Erfolge aus dem Juli wieder aufzuwärmen.

Heimspiel in Lotte

Die Reise beginnt. Jetzt wirklich.

Nach dem Abpfiff geht es direkt durchs Feld auf die Autobahn, das Navi zeigt fünf Stunden bis Stettin an. Und weil in Deutschland jede Autobahn gleich aussieht, kann ich diesen Teil des Tages folgendermaßen zusammen fassen: Asphalt, Asphalt, Baustelle, Asphalt, eklige Autobahntoilette, Asphalt, Grenze.

Lassen Sie mich durch! Ich bin Chirurg, ich muss nach Brandenburg!

Wir passieren den Grenzübergang Pomellen, den ich als Kind nur aus dem Radio kannte, wenn hier wieder fünf Stunden Wartezeit angesagt wurden, ohne ebendiese und stellen fest, dass Fahrbahnmarkierungen im Dunkeln auf einer nassen Straße schon was Tolles wären, aber man eben auch nicht alles haben kann.

Das Hotel ist schnell gefunden und entspricht der Kategorie „Jugendherberge im Plattenbau“, bietet aber Luxus wie WLAN, Mückengitter und Frühstück. Für eine Nacht soll es uns reichen.

Der Tag in Zahlen und Fakten

  • 900 km
  • Streckenverlauf: Hamburg – Lotte – Stettin
  • Länder: Deutschland, Polen
  • Tore: 2

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