Tag 10: Athen – Demos statt Sightseeing

12. Juni 2011. 22:08 Uhr. Zimmer 205 Hotel Diethnes, Athen, Griechenland.

Die Nacht endete sehr früh mir Fertigmachen und Blätterteiggebäck zum Frühstück. Unser Zimmer hatten wir zum Glück gestern schon bezahlt, denn als wir um 7:15 Uhr das Hotel verließen, war noch niemand an der Rezeption. Mit dem Bus-Shuttle ging es zum Atatürk-Airport, einchecken, Passport Controll, Kaffee, Zeit totschlagen und Abflug nach Athen um 10:35 Uhr. Zum Glück habe ich am Flughafen noch an unsere Postkarten gedacht. Denn ansonsten hätten wir die Karten aus Veliko Tarnovo (und Istanbul), die mittlerweile mit türkischen Briefmarken frankiert waren, mitgenommen nach Griechenland.

Abschließend noch ein paar Eindrücke aus Istanbul:

  • Eine sehr schöne Stadt, die leider die Touristen als große Einnahmequelle für sich entdeckt hat. Dadurch geht sehr oft das türkische Flair verloren. Überall gibt es fliegende Händler und Maiswagen. Die Preise sind entsprechend höher als in den anderen Ländern, die wir schon besucht haben.
  • Ganz furchtbar ist es in Istanbul zur Mittags- und Abendbrotzeit. Aus jedem Restaurant heraus, auch wenn es noch so eine kleine Klitsche ist, wird man angequatscht, dass man hungrig aussieht und dass es genau hier das beste Essen zum günstigsten Preis in ganz Istanbul gibt. Das wirkt so aufdringlich, dass man an vielen Lokalen einfach reflexartig vorbei geht, obwohl man dort normal vielleicht gegessen hätte. Aber vielleicht sind wir diesbezüglich auch nur zu sehr Mecklenburger. (Auch wenn Denis behauptet, ich käme aus Polen.)
  • So viele herrenlose Hunde es in Bulgarien gibt, genauso viele streunende Katzen laufen in Istanbul herum.

 

Gut. Genug Istanbul, jetzt Athen:

Gewitter war ja schon angekündigt und bereits im Landeanflug sahen wir am Horizont den starken Regen. Bei der Landung war noch strahlender Sonnenschein (zum Glück), aber danach ging es schon los. Bis wir am „Hauptbahnhof“ (dazu folgen noch weitere Ausführungen) ankamen, hatte es sich auch richtig schön stark eingeregnet. Wir warteten eine Viertelstunde auf Besserung, die sich allerdings nicht einstellte. Also los, durch den Regen. Laut Karte waren es ja nur 400 Meter zum Hotel. Das stimmte zwar, aber diese 400 Meter haben ausgereicht, uns bis auf die Haut durchzuweichen. Das Wasser rannte nur so die Straßen hinunter, kam aus allen Regenrinnen und hatte teilweise eine Tiefe von sechs bis acht Zentimetern.

Im Hotel angekommen, mussten wir uns erstmal abtrocknen und wollten die Sachen zum Trocknen aufhängen. Das war nicht ganz so einfach. Unser Zimmer ist zwar groß genug zum Schlafen, aber eine Wäscheleine gibt es hier leider nicht. Aber eine Stuhllehne, eine Heizung und ein paar Haken im Bad haben schließlich doch ausgereicht.

Wir mussten dann feststellen, dass unsere Koffer an sich zwar wasserdicht sind, durch die Reißverschlüsse am Boden aber trotzdem Wasser eindringt, wenn die Koffer durch stehende Gewässer gezogen werden. Also noch mehr Wäsche zum Aufhängen. Einige Kleidungsstücke sind auch schmutzig geworden, aber dank Rei in der Tube konnten fast alle Flecken beseitigt werden.

Abfahrtstafel am Hauptbahnhof Athen

Abfahrtstafel am Hauptbahnhof Athen

Da es noch über eine Stunde weiter regnete, entschieden wir uns mal wieder für Mittagsschlaf im Trockenen. Anschließend habe ich noch eine halbe Stunde meine Schuhe gefönt und dann konnte es mit dem Sightseeing auch schon los gehen. Vorher wollten wir aber noch zum Bahnhof und unsere Reservierungen für die Fahrt am Dienstag nach Thessaloniki besorgen. Als wir das Hauptgebäude betraten, waren wir ein bisschen überrascht über dessen Größe. Ich bin ja schlecht im Schätzen, aber ich bin mir relativ sicher, dass der S-Bahnhof in Barmbek größer ist. Wir erfuhren dann, dass Reservierungen auf jeden Fall getätigt werden müssen, dies allerdings nur am Reisetag möglich ist…aha. Die Abfahrtstafel war auch sehr übersichtlich. Aufgrund von Sparmaßnahmen wurde in diesem Jahr der Bahnverkehr in Griechenland ganz massiv eingeschränkt. Verbindungen ins Ausland gibt es nun gar nicht mehr.

Einen Metroplan bekamen wir leider auch nicht, nur unsere 24-Stunden-Tickets für den Athener Nahverkehr. Auf einer Preisliste sahen wir außerdem noch, dass wir für unsere Fahrt vom Flughafen zum Hauptbahnhof zu viel bezahlt haben. Für diese Fahrt muss ein spezielles Ticket gekauft werden, das 8 (in Worten: acht) Euro pro Person und Fahrt kostet. Auf der Preisliste war nun ein Ticket ausgezeichnet, das für zwei Personen gilt und zum Preis von „nur“ 14 Euro zu haben ist. Scheiß auf die zwei Euro zu viel bezahlt, aber der Typ hinterm Metro-Schalter hat uns beschissen!

Wir fuhren dann jedenfalls Richtung Akropolis. Alle Stationen auf dem Weg waren relativ neu. Auf unserem Stadtplan, der schon einige Jahre alt ist, sind zwei der drei Metrolinien noch nicht mal eingezeichnet. Wahrscheinlich wurden diese Linien extra für die Olympischen Spiele 2004 gebaut.

Bevor wir aber richtig loslegen konnten mit dem Sightseeing, mussten wir uns erst noch stärken. Also gingen wir in ein griechisches Restaurant in einer Fußgängerzone nahe der Metrostation. Wir hatten Gyros mit Tzaziki und Moussaka, vorher Feta. Sehr lecker, aber für den Preis hätten wir in allen anderen Ländern unserer Reise zweimal essen gehen können. Insgesamt fragt man sich, wie Griechenland Pleite sein kann, wenn hier in Athen allein solche Preise genommen werden – eine Kugel Eis kostet z.B. 1,60 Euro.

Wohnviertel in Athen

Wohnviertel in Athen

Weil es noch etwas regnete, besorgte ich uns einen Vier-Euro-Regenschirm in einem Zeugsladen gegenüber von unserem Restaurant. Der Schirm ist schon einmal auseinander gefallen, hielt sonst aber dicht. Einige Minuten nach dem Erwerb meiner neuen Errungenschaft hörte es für den Rest des Abends auf zu regnen und es gab wunderschönes Wetter ohne eine Wolke am Himmel – toll!

Nach unserer Stärkung machten wir uns auf in Richtung Akropolis. Bevor wir diese erreichten, verliefen wir uns ein bisschen in einem sehr schönen Wohnviertel und konnten einen tollen Ausblick genießen. An der Akropolis angekommen, mussten wir feststellen, dass wir eine halbe Stunde zu spät kamen und die Anlage schon geschlossen war. Also haben wir noch mal diese tolle Aussicht genossen und die Wiege der Demokratie betrachtet. Komisches Gefühl: hier ist vor 2500 Jahren unser heutiges politisches System entstanden. Weiter zum Tempel des Olympischen Zeus und auch dort war alles schon geschlossen, daher erwarteten wir dies auch von den anderen antiken Sehenswürdigkeiten.

Also entschieden wir uns, zum Apostolos-Nikolaidis-Stadion (dem Stadion von Panathinaikos Athen) zu fahren. Zuerst gingen wir in die falsche Straße, fanden das Stadion dann aber schnell. An der Außenfassade waren drei Dinge zu erkennen:

Gate 13

Gate 13

  1. Es handelt sich um ein älteres Stadion.
  2. Man feiert seit drei Jahren das 100-jährige Jubiläum.
  3. Die örtliche Ultrá- und Hooliganszene ist am Gate 13 heimisch.

Das ganze Stadion war vollgesprayt (teilweise sehr ansehnlich) und an jeden Eingang war eine 13 geschmiert. Das eigentliche Gate 13 war mit Bildchen und Schriftzügen versehen, die auf die Art Stadionbesucher hinwiesen, die dort wohl zu finden sind. Hier hatte man auch den Eindruck, dass das, was man aus Deutschland kennt, nur Spielkram ist – nicht zuletzt, weil alle Eingänge mit Stacheldraht gesichert sind. [Später haben wir erfahren, dass Panathinaikos leider gar nicht mehr in diesem schönen Stadion spielt, sondern im neueren Olympiastadion.]

Syntagma-Platz

Syntagma-Platz

Nachdem wir einmal herum gegangen waren, fuhren wir mit der Metro zur Station Syntagma, weil sich dort das griechische Parlament und weitere Sehenswürdigkeiten befinden sollten. Nun, die befinden sich dort sicherlich auch, aber außer dem Parlament sind diese in den Menschenmassen untergegangen. Die Griechen demonstrieren mal wieder, gegen das geplante Sparpaket und die Wirtschaftlage und Situation auf dem Arbeitsmarkt. Es war eine bunte Mischung an Menschen dort zu finden – alle Altersklassen, sogar Kinder. Die Stimmung war zwar nicht entspannt oder ausgelassen, aber sehr friedlich. Es wurde gegrillt, es gab Nussstände und eine eigene Zeltstadt. Selbst hier waren fliegende Händler unterwegs, die Flaggen, Pfeifen und Laserpointer verkauften. Letztere wurden von vielen Demonstranten mit großer Begeisterung auf Parlament, Fernsehkameras und anliegende Hotels gerichtet. Wir verließen das Geschehen dann relativ schnell wieder, weil wir damit ja nix zu tun hatten.

Also wieder Richtung Hotel. Auch hier – wie schon so oft an diesem Tage – ging es erst in die falsche Richtung, diesmal mit der Metro. Wir bemerkten das zum Glück relativ schnell und stiegen an der ersten Haltestelle wieder aus. Am Hauptbahnhof besorgten wir uns noch Bier und 7up und gingen ins Hotel. Während ich das hier geschrieben habe, hat sich Denis schon eine tolle Route für morgen überlegt.

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