Tag 10: Kuba live

5. Juli 2014. Camagüey, Ost-Kuba – Santiago de Cuba, Süd-Kuba. 340 Kilometer.

Dinge, die wir unbedingt googlen müssen, sobald wir wieder über einen Internetanschluss verfügen:

1 – Wird der gesamte Weltbedarf an Havanna Club auf Kuba hergestellt? Das können wir uns beim besten Willen nicht vorstellen, da Kuba weder die Kapazitäten noch die Logistik dafür haben dürfte.

[Doch, Havana Club wird tatsächlich auf Kuba produziert. In der neuesten Destillerie können wohl sogar bis zu 12.000 Flaschen pro Stunde abgefüllt werden. Den internationalen Vertrieb des Rums übernimmt ein französischer Kooperationspartner, mit dem Havana Club ein Joint Venture eingegangen ist.]

2 – Gehört in einen Cuba Libre Limettensaft oder füllen die Barkeeper die Gläser hier wirklich zur Hälfte mit Rum?

[Sowohl als auch. Man presst den Saft einer halben Limette in das Glas und gibt diese anschließend dazu. Das reicht aber lange nicht, um das Glas zur Hälfte zu befüllen oder das Getränk so hell zu machen wie man es hier serviert bekommt. Fakt ist, auf Kuba wird mindestens die doppelte Menge an Rum genommen wie in Deutschland. Das könnte wohl auch daran liegen, dass der Rum dort echt günstig ist. Eine Flasche Añejo Blanco kostet umgerechnet etwa drei Euro, im Vergleich zu 15 Euro, die wir in Deutschland zahlen.]

3 – Was zum Teufel hat Real Madrid mit Kuba zu tun? Neben vielen Trikots, die hier herumlaufen, und Autoaufklebern fällt vor allem Geschirr auf. Wir hatten jetzt schon in verschiedenen Restaurants in mehreren Städten Teller mit einem ins Porzellan eingearbeiteten Real Madrid-Logo, das auch in den VIP-Bereich des Estadio Bernabéu passen würde. Einmal hatten wir sogar Besteck mit dem eingravierten Logo.

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Camagüey – Santiago. 340 km.

[Keine Ahnung. Vielleicht handelt es sich hier um Spenden aus Altbeständen des Vereins. Falls ihr mehr Informationen habt, sagt mal Bescheid.]

Die Fahrt von Camagüey nach Santiago de Cuba war relativ unspektakulär, obwohl sie mit über 300 Kilometern eine der längsten auf dieser Reise war. Das einzige erwähnenswerte Detail war die Tankstelle kurz hinter Camagüey, an der es nur Diesel gab. Das ließ uns kurz verzweifeln, weil wir unbedingt noch tanken mussten und die Tankstellendichte hier nicht ganz so groß ist wie in Mitteleuropa. Wir hatten aber Glück und nur ein paar hundert Meter weiter fanden wir eine richtige Tankstelle, an der es auch unser Especial-Benzin mit 94 Oktan gab. Für unseren Kia nur das Beste.

Wir fuhren über Florida, an Uruguay und Alcatraz vorbei nach Santiago. Hier auf Kuba muss man schon aufpassen, dass man nicht falsch abbiegt, denn sonst findet man sich ganz schnell mal auf einem anderen Kontinent wieder. Wir sind schon fast in Los Angeles, Australia und Jamaika gewesen und haben Manicaragua durchquert. Was die Ortsnamen angeht, waren hier nicht gerade die kreativsten Köpfe der Weltgeschichte am Werk.

Als wir Santiago erreicht hatten, machten wir uns sogleich auf die Suche nach unserem Casa, das direkt in der Innenstadt liegen sollte. So weit, so gut. Das einzige Problem an der Sache war nur, dass wir das einzige Casa gebucht hatten, das sich in der einzigen abgesperrten Straße der ganzen Stadt befand. Und dort wahrscheinlich auch am einzigen Tag des Jahres einchecken, an dem die Straße abgesperrt ist. Aber dazu später mehr.

Wir fuhren also bestimmt eine halbe Stunde durch das Gewirr von Einbahnstraßen in der Innenstadt, von denen viele natürlich entweder nicht beschildert waren oder sich nicht auf der Karte befanden. Genau unsere Straße war natürlich durch die Polizei abgesperrt und eine Annäherung auf Nebenstraßen war nicht so einfach möglich, da es hier, wie gesagt, nur Einbahnstraßen gibt, die immer genau in die Richtung führen, die man nicht gebrauchen kann. Außerdem ist Santiago de Cuba sehr hügelig, weshalb es einige sehr steile Abhänge zu bewältigen gab, mit denen unser Kia teilweise ein paar Probleme hatte.

Wie sich die ganzen LKW durch die eng bebauten Einbahnstraßen bewegen, ist uns ein echtes Rätsel. Schon mit unserem Kia Picanto gibt es echte Platzprobleme, wenn mal irgendwo ein Auto auf der Straße parkt. Einen LKW konnten wir beobachten als er aus einer engen in eine sehr enge Straße abbog und dabei mit seiner Nase an einer Hausecke entlang schrammte. Ein Blick auf betreffendes Haus zeigte dann aber, dass das nicht der erste Vorfall dieser Art war.

Wir parken jedenfalls in irgendeiner Nebenstraßen unseres Casas und schlugen uns erst einmal zu Fuß durch. Die Herrin unseres Hauses stellte uns einen ortskundigen Kellner zur Seite, mit dem wir ein weiteres Mal versuchten, dem Casa etwas näher zu kommen. Leider halfen weder seine Ortskenntnisse noch seine freundlichen Anfragen bei der Polizei. So parkten wir einfach in irgendeiner Querstraße und hofften erst mal das Beste.

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Unser Zimmer

Unser Casa ist sehr zentral gelegen. Das wollen wir einmal als Pluspunkt festhalten. Die Familie, die das Haus betreibt, ist auch ganz nett. Nur leider ist unser Zimmer etwas gewöhnungsbedürftig. Wir haben zwar zwei Betten, ein Fenster und eine Klimaanlage im Zimmer, aber auch ein Bad. Das hört sich im ersten Moment nicht so schlimm an. Nur leider wurde dieses Bad direkt in unser Zimmer gebaut und nur durch etwa zwei Meter hohe Wände vom Rest des Raums getrennt. Da dieser Raum insgesamt allerdings über eine sehr hohe Decke mit Dachschräge verfügt, haben wir also kein richtiges Bad, sondern eher eine Kabine mit Dusche, Waschbecken und Toilette direkt neben unserem Bett.

Weiterhin haben wir jetzt schon mal ein Utensil auf unsere Dinge-die-wir-unbedingt-beim-nächsten-Mal-mitnehmen-sollten-weil-man-nie-so-genau-weiß-ob-und-wann-man-sie-gebrauchen-könnte-Liste geschrieben: einen Toilettendeckel. Unsere Toilette wurde nämlich an den Rest des Bades angepasst und ohne Decke(l) geliefert. Das ist wenigstens konsequent.

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Festival de Caribe

Nachdem wir unser Zimmer gesehen hatten und es auch gleich wieder verlassen wollten, gingen wir auf die Straße, um einmal herauszufinden, weshalb die halbe Stadt bzw. unsere Straße abgesperrt war. Auf dem Rathausplatz um die Ecke fanden wir auch relativ schnell die Antwort: Das Festival de Caribe stand an und mit ihm eine Parade von Tanzgruppen aus Ländern der Karibik und Mittel- und Südamerikas. Diese lief durch eine Parallelstraße unserer Straße, weshalb die Umgebung weiträumig abgesperrt worden ist.

Auf dem Rathausplatz sollte der Höhepunkt stattfinden und sie Parade enden. Alle Tanzgruppen tanzten hier ein und wurden vom Publikum, für das sogar Tribünen aufgebaut waren, gefeiert. Die Gruppen bestanden aus Frauen und Männern aller Altersgruppen in bunten Kleidern, mit Masken und Kopfbedeckungen in allen Farben. Sie tanzten, sangen, waren fröhlich und tranken nebenbei Rum. Die eine oder andere Gruppe hat diesen nicht nur getrunken, sondern nebenbei in die Zuschauermassen gesprüht. Sektdusche kann jeder!

Da wir auf den Beginn der Veranstaltung relativ lange gewartet hatten und uns die Parade zwar sehr gut gefiel, wir aber langsam Hunger bekamen, machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Mit etwas Unterstützung eines Ortskundigen fanden wir eine nette Lokalität auf einer Dachterrasse, von der wir einen schönen Blick auf die Stadt hatten.

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Santiago de Cuba

Als Vorspeise hatten wir eine Gemüsesuppe, die sich etwa so ähnlich zusammensetzte wie der Salat, den es in jedem Restaurant gibt. Bohnen und Weißkohl waren jedenfalls enthalten. Denis hatte einen Hummerschwanz mit Käse überbacken und ich gemischten Reis, in dem sich alles befand, was die Küche hergab und was wahrscheinlich verbraucht werden musste. Es war ein kleines bisschen Gemüse drin, Shrimps, Schwein, eine Hühnerkeule (mit Knochen) und ein bisschen mehr. So genau habe ich auch nicht hingeschaut. Es war okay, es hat satt gemacht und es gab Cuba Libre dazu.

Auf unserer Dachterrasse, die nicht direkt in der Innenstadt lag, war es relativ ruhig. Deswegen waren wir auch etwas überrascht über die Party, die währenddessen in unserem Viertel ablief. Die offizielle Parade war wohl vorbei und nun liefen die ganzen Zuschauermassen die Straße entlang. Dabei wurde Musik gespielt, getanzt, gesungen und gelacht. Männlein, Weiblein, alt, jung, groß, klein, dick, dünn, alle waren da, auf den Beinen und gut gelaunt. Mit dem Ende der Massenparade kam auch die Polizei, die den Umzug von hinten absicherte und damit langsam die Straßensperrungen aufhob.

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Festival de Caribe

Auf dem Rathausplatz war die Parade dann zu Ende und die Menschen verteilten sich langsam in alle Richtungen. Trotzdem waren noch sehr viele Leute unterwegs, meist mit etwas Rum in der Hand. Wohin die Leute alle gegangen sind und was sie dort und auf den Straßen gemacht haben, war für uns nicht ganz nachvollziehbar. In vielen Bars und Läden wurde Musik gespielt und getanzt. Aber lange nicht alle Leute sind irgendwo eingekehrt. Manche liefen einfach nur durch die Straßen, ein paar Mal an uns vorbei, wahrscheinlich auf der Suche nach Gesprächen und Rumpartnern. [Am Ende des Betrags findet ihr zwei Videos dazu.]

Wir saßen mittlerweile auf der Terrasse unseres Casas, von der wir direkt auf die Straße sehen konnten, und beobachteten das bunte Treiben. Nebenbei gab es den einen oder anderen Mojito und eine Zigarre aus Viñales. So konnte man es sich gut gehen lassen.

Vor dem Schlafengehen musste aus Sicherheitsgründen noch das Auto umgeparkt werden. Der Frisör aus der nächsten Querstraße will nämlich für ein paar CUC in der Nacht auf das Auto aufpassen. Und was macht man da ohne Ortskenntnis in einer Einbahnstraße? Richtig, rückwärts entgegen der Fahrtrichtung die Straße bis zum Frisör hochfahren und dort einparken. Läuft schon alles irgendwie.

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