Tag 10: Von Hortkindern, Hygiene und Bahnschranken

25. Juni 2012. 18:04 Uhr. Irgendwo zwischen Hoi An und Nha Trang.

Nur noch zweieinhalb Stunden bis Nha Trang. Wir sitzen gerade in dem gleichen Zug, mit dem wir schon von Hanoi nach Hue gefahren waren und der noch weiter fährt bis Ho Chi Minh-City. Für die ca. 1.900 Kilometer benötigt er dafür planmäßig 36 Stunden. Und es fahren jeden Tag je drei Züge aus Hanoi und Ho Chi Minh-City ab.

Ausgang zum Gleis

Ausgang zum Gleis

Heute Morgen wurden wir mit dem Bus vom Hotel abgeholt und zum Bahnhof Da Nang gebracht, vor dem eine alte Dampflok aufgebaut ist. Wahrscheinlich damit ihn niemand mit einem Flughafen verwechselt. Da in Vietnam niemand auf den Bahnsteig darf, dessen Zug noch nicht am Gleis steht, mussten wir eine halbe Stunde in einer restlos überfüllten Wartehalle warten, die sich erst ein paar Minuten vor Ankunft unseres Zuges zum Teil leerte.

Unser Zug kam dann auch ein paar Minuten später. Es strümten alle restlichen Wartenden aus der Wartehalle auf das Gleis. Und nach ein paar weiteren Minuten waren alle Passagiere und ihr Gepäck eingeladen. Da der Zug ja zwei Nächte unterwegs ist, sind die Abteile mit Liegen ausgestattet, die auch am Tag nicht zu Sitzen umfunktioniert werden können. Auch gut für das Mittagsschläfchen.

Zur Mittagszeit, die in Vietnam um 11:00 Uhr beginnt, bestätigte sich dann, was wir schon länger vermutet hatten: Tuan, unser Tour Leader, ist ein Hortkind. Heute Morgen beim Frühstück am Pool wurden wir schon Zeugen davon, wie er mit seinem knallblauen Badeschlüpper, Badekappe und Taucherbrille in einem Zehn-Meter-Pool seinen Bahnen zog. Zum Mittag um 11:30 Uhr holte er seine Brotbüchse raus. Diese hatte er beim Frühstück mit Omelette, Bacon und Mango bestückt. Und nein, die Brotbüchse hatte nicht mehrere voneinander getrennte Fächer.

Die Fahrt verlief bisher relativ ereignislos. Es gab eine Menge Reisfelder, Bananen- und andere Bäume, Friedhöfe, Ortschaften und Berge zu sehen. Interessant war, dass wir vor jedem Tunnel und jeder Brücke auf Schrittgeschwindigkeit abgebremst haben.

Unterwegshalt

Unterwegshalt

Hin und wieder kamen die Damen und Herren aus dem Bordbistro vorbei, um ihre Köstlichkeiten anzubieten. Diese – zumeist Fleisch oder Suppen – wurden auf einem für europäische Verhältnisse nicht ganz sooo sauberen Servierwagen in offenen Plastikschüsseln durch die Gegend gefahren. Aus hygienischen Gründen trugen die Damen und Herren am Steuer aber Handschuhe, mit denen sie auch das Geld entgegen nahmen.

An einem Bahnhof, an dem wir etwa eine halbe Stunde gehalten haben, kamen die Damen von den Läden am Nachbargleis in unseren Zug und gingen erst zum nächsten Abteil weiter, als sie sich mehrfach versichert hatten, dass wir nichts kaufen wollten. Nein, auch keinen Kaffee, danke!

Bahnschranken sehen hier teilweise auch anders aus. Es gibt solche wie die, die wir aus Deutschland kennen, die nach unten geklappt werden, aber teilweise von Bahnbediensteten gehalten werden müssen, damit sie nicht auf dem Boden hängen. Und dann gibt es noch solche, die mit Rollen über die Straße geschoben werden.

Nun ist es schon dunkel, die Abendbrotzeit ist aus und einige Fahrgäste waren auch schon mit Schlafanzügen und Lappen unterwegs zu den Waschbecken, um sich bettfein zu machen.

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