Tag 11: Ein Tag auf dem Südchinesischen Meer

26. Juni 2012. 20:52 Uhr. Zimmer 301, Oriole Hotel. Nha Trang, Vietnam.

Fischerdorf

Fischerdorf

Als ich heute Morgen vollkommen unnötigerweise um 7:00 Uhr aufgewacht bin und einfach wach war, dachte ich mir, ich könnte ja mal wieder zur Abwechslung was Sinnvolles machen. Also entschied ich mich, meine Hose zu waschen. Nachdem sie gut durchgespült und ausgewrungen war, hing ich sie auf unsere Wäscheleine auf dem Balkon. Pünktlich um 8:45 Uhr zum Frühstück war sie wieder trocken.

Nach dem Frühstück ging es zum Hafen und dort auf unser Boot für den Tag. Hier lernten wir An kennen, der unser zweiter Guide für heute sein sollte und nicht so ein Hortkind war wie Tuan. Zuerst fuhren wir zu einem Fischerdorf auf einer kleinen Insel. Hier führte uns An herum und erzählte uns ein bisschen was über das Leben vor Ort. Die Einwohner wollen ihr Dorf eigentlich nie verlassen, weil sie ja alles haben, was sie brauchen. Wasser, Strom, Internet (im Internetcafé), einen Supermarkt, ihre Schiffe und eine Schule. Die Kinder haben hier ziemlich lange Schulferien, weil es hier im Sommer immer so heiß ist. Manchmal kommt sogar die Polizei vorbei, wegen der Hahnenkämpfe. Diese sind zwar auf der Insel und in ganz Vietnam ebenso illegal wie an den meisten Orten der Welt, hier aber laut An gar nicht so schlimm, weil die Hähne nicht bis zum Tod kämpfen müssen, sondern nur bis einer erschöpft ist. Ah ja.

Nussschale

Nussschale

Zurück aufs Boot ging es nicht über einen Steg. Nein, wir durften das Fortbewegungsmittel Nummer eins der Gegend kennenlernen: runde, selbst gebaute Boote mit einem Durchmesser von etwa anderthalb Metern. Sehr spannend, zumal Denis mit rudern sollte, unsere Kapitänin damit aber nicht ganz zufrieden zu sein schien. Einen kleinen Schreckmoment gab es als Denis ausgestiegen ist und die Schale plötzlich in Schieflage geriet. Die Kapitänin und ich sind aber nicht umgekippt.

Wieder an Bord stellten wir dann fest, dass wir einen – in Fachkreisen Mufuti genannten – Multifunktionstisch dabei hatten. Was auf den ersten Blick wie drei solide Holzbänke aussah, stellte sich als drei solide Holzbänke mit umklappbarer Rückenlehne heraus. Zwei davon wurden so nach hinten geklappt, dass sie mit der Sitzfläche der hinteren Holzbank abschlossen und schon war die Massagebank aufgebaut, auf der sich jeder von der Dame des Bootes hätte durchkneten lassen können.

Wir fuhren dann ca. eine Stunde zu einer weiteren Insel, vor der wir festmachen wollten. Unterwegs trafen wir auf kaum ein anderes Boot, bis auf die mobile Tankstelle mit einer Zapfsäule vom Festland. Wäre der Motor unseres Gefährts nicht so laut gewesen, hätten wir tatsächlich mal Ruhe gehabt. Aber wir sind ja schließlich in Vietnam und Ruhe gibt es hier nicht.

Tauchgang

Tauchgang

Trotz einigem Seegangs sind wir schließlich an unserem Ziel angekommen und haben fünfzig Meter vor der Küste festgemacht. Wer Lust hatte, konnte nun das Boot verlassen und schwimmen oder schnorcheln gehen. Da wir schon oft geschwommen sind, aber noch nie geschnorchelt haben, entschieden wir uns für letzteres, obwohl das ja ersteres einschloss. Trotz mehrerer Annäherungsversuche konnte sich Denis nicht mit Taucherbrille und Schnorchel anfreunden. So musste ich mich allein auf den Weg Richtung Küste machen und bekam ein tolles Riff mit Fischen und Korallen in (fast) allen Farben des Regenbogens zu sehen. Echt toll.

Nach zwei Tauchgängen und einigem in der Sonne Braten gab es Mittag an unserem Mufuti. An und seine Crew hatten Ei, Rind, Fisch, Geflügel und Frühlingsrollen mit Reis und Nudeln gekocht. Obwohl alles mit der gleichen Tomaten-Ananas-Sauce gewürzt wurde, hat es sehr gut geschmeckt. Endlich gab es auch mal wieder Mittag, bei dem jeder sein Schälchen hatte und sich alle von allem bedienen konnten. Das mit den Stäbchen klappt mittlerweile auch ganz gut.

Unser Boot mit Rückenpolstern

Unser Boot mit Rückenpolstern

Nachdem der Mufuti abgewischt war fungierte er wieder als Liege. Da die Holzbänke auf dem Boot nicht gepolstert waren, wurden kurzerhand die Schwimmwesten zu Rückenpolstern umfunktioniert. Das war nicht nur auf unserem Boot der Fall und hat den Vorteil, dass immer genügend Schwimmwesten an Bord sind.

Da es nun am Mufuti aber sehr schattig war, entschied ich mich, nach oben auf unsere Dachterrasse zu gehen und in der Sonne zu brutzeln. Im Nachhinein war es ganz gut, dass wir nach einer Viertelstunde wieder herunter geholt wurden, weil wir bereits auf dem Rückweg waren und der Seegang zugenommen hatte. So wurden schlimmere Verbrennungen vermieden. Denn wie ich im Hotel feststellen musste, wurde ich trotz wiederholter Sonnencremebehandlung durchgebraten. Leider stand die Sonne so blöd, dass jetzt die Hälfte meines Halses verbrannt ist und die andere weiß.

Blick aus unserem Hotelzimmer

Blick aus unserem Hotelzimmer

Auf diesen Schock mussten wir erst mal ein Nachmittagsschläfchen halten, bevor wir ein bisschen durch die Stadt liefen. Nha Trang (ausgesprochen „Nja Tschang“) ist schon ein bisschen größer als Hoi An und eine absolute Touristenhochburg. Vor allem Australier, Russen und Chinesen sind hier neben Vietnamesen gern und viel. Die Stadt ist sehr hektisch, überall hängen Neonlichter und sind Clubs und es gibt hier mehr westliche Dinge – KFC, einen richtigen Supermarkt und ein „German Restaurant“. Da wir aber keine Lust auf Currywurst oder Roggenbrot hatten, gingen wir in ein Lokal namens „Mecca Lemongras Restaurant“. Dort hatten wir Beef nach Art des Hauses, Makrele mit Karamellsauce, eine flambierte Banane mit Vanilleeis und das eine oder andere Fruchtsaftgetränk.

Anschließend gingen wir noch an den Strand, wo es auf (fast) stockdunkler See einen Angler in seiner Nussschale zu sehen gab. Außerdem sah man noch die beleuchtete Seilbahn, die die längste der Welt auf dem Wasser sein soll und im Dunkeln aussieht wie eine Aneinanderreihung von beleuchteten Eiffeltürmen. Weitere Lichter auf dem Wasser konnten nicht abschließend zugeordnet werden. Wir glauben aber, es handelt sich um Fischer aus dem Dorf, das wir besucht haben, die gerade Tintenfisch angelten. Diesen bekommt man nämlich nur in der Dunkelheit mit Lichtern aus der Tiefe gelockt.

Ansonsten fällt auf, dass in Nha Trang mehr geraucht wird als bisher auf unserer Reise, wo wir nur hin und wieder einen Raucher angetroffen haben. Hier kann man keine zehn Minuten spazieren gehen ohne von einer netten Dame mit Bauchladen voller Zigaretten angesprochen zu werden, ob man nicht ebendiese kaufen möchte.

Morgen haben wir einen freien Tag und fahren abends mit dem Nachtzug nach Ho-Chi-Minh-City, unserer letzten Station in Vietnam. Sehr schade.

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