Tag 12: Ein Schlammbad, ein Markt und der zweite Auswärtspunkt

27. Juni 2012. 20:22 Uhr. Lobby, Oriole Hotel. Nha Trang, Vietnam.

Wüsste ich nicht, dass wir in ca. anderthalb Stunden wieder in einem stinkenden Nachtzug nach Ho-Chi-Minh-City sitzen werden, würde ich jetzt etwas in die Richtung schreiben, dass dieser Urlaub beginnt, in eine Wellness-Reise auszuarten. Da wir heute mal wieder einen Tag ohne Gruppenaktivitäten hatten und nichts sooo Anstrengendes unternehmen wollten, entschieden wir uns für ein Schlammbad.

Thap Ba Hot Springs hieß unser Ziel, das wir nicht fehlerfrei aussprechen können. Da das Wellness-Center etwas außerhalb der Stadt liegt, ließen wir uns im Hotel ein Taxi rufen und uns sicherheitshalber aufschreiben, wohin wir wollten. Man weiß ja nie, was dabei herauskommt, wenn man versucht, einem vietnamesischen Taxifahrer „Schlammbad“ mit Händen und Füßen zu erklären. Zehn Minuten und 100.000 Dong (4 Euro) später waren wir auch schon da.

Eingang des Schlammbads

Eingang des Schlammbads

Wir hatten uns vorab über das Internet informiert und uns für ein Paket aus Schlammbad, Mineralwasser aus der heißen Quelle und Massage entschieden. Also kurz bezahlt und ab dafür. Denkste. Erst mal mussten wir nämlich herausfinden, wohin wir gehen mussten. Ausschilderungen sind nämlich unmodern. Dann mussten wir unsere Sachen einschließen, die Wertsachen in einen Safe aus Plastiktüte und Klebeband einschließen und dann noch mal herausfinden, wohin wir mussten. Irgendwie haben wir den Weg dann gefunden und unseren privaten Schlammkübel zugeteilt bekommen. Es gab auch „öffentliche“ Schlammbäder, in die viel mehr Leute herein gepasst haben und in denen drei Schulklassen unterwegs waren. Diese Investition hatte sich also schon mal gelohnt.

Wir mussten dann zwanzig Minuten im Schlamm einweichen und anschließend auf die Sonnenliege, damit auch alles schon antrocknen konnte. Der Schlamm selbst war ziemlich flüssig und sah sehr hell aus. Als alles zu unserer Zufriedenheit angetrocknet war, ging es zum Duschen. Dies stellte sich als nicht ganz so einfach dar, weil der Schlamm wirklich überall fest klebte. Ausziehen konnte man sich nicht, da jeder auf die Duschen gucken konnte. Also halfen wir uns gegenseitig, was den einen oder anderen im Schlammbad amüsierte. Aber die hatten das ja auch noch vor sich.

Wir waren zwar noch nicht komplett sauber, aber wir ließen uns trotzdem von jemandem zur nächsten Station leiten, dem Mineralwasser-Bad. Der Weg dorthin war mit von Kieselsteinen durchsetzten Platten gepflastert, was sicherlich einen medizinischen Nutzen hat, ungelernten Füßen aber Schmerzen bereitet. Wir wurden zu einer kleinen Nische mit Badewanne gebracht, die wir für uns allein hatten und die wunderschön von Grünzeug umgeben war. Die ganze Anlage war übrigens im Freien, mitten in der Natur, ein Dach wird hier nicht benötigt.Hätte sich nicht der voll besetzte Whirlpool direkt nebenan befunden, wäre es perfekt gewesen. Aber irgendwas ist ja immer und wir sind schließlich in Vietnam, wo es keine Ruhe gibt.

Unsere Wanne wurde mit einem Wasser gefüllt, das sehr angenehm nach Kräutern roch. Es wurden aber noch zwei handballgroße Baumwollsäckchen ins Wasser geworfen, die nach Tee rochen und das Wasser in eine dunkle Teefarbe tauchten. Hier sollten wir nun also weiter 45 Minuten einweichen. Das war ziemlich anstrengend, da das Wasser 37 bis 39°C hatte und die Luft auch nicht viel kühler war. Wir bekamen noch Tee und frisches Obst und dann ging es schon.

Nach Ablauf der 45 Minuten wurden wir abgeholt und gebeten, die vorbereiteten Frotteehosen und das Top (nur ich) anzuziehen. Hellblau steht uns ja so gar nicht. Und vietnamesisches XL ist auch was anderes als das europäische. Na ja, wir hatten ja keine Kamera dabei und uns kannte hier niemand.

Wir bekamen nun unsere Massagen. Zwanzig Minuten Füße mit Händen und einem Holzgerät, das in die Sohlen gedruckt wurde. Danach zehn Minuten Handmassage und 15 Minuten Nacken und Kopf. Sehr schön. An den Massageliegen gab es ein Schild, das darauf hinwies, dass hier bitte keine Ganzkörpermassagen durchgeführt werden sollten. Trotzdem wurden wir von unseren Masseurinnen, die ihr Gehalt aufbessern wollten, gefragt, ob wir nicht eine solche in Anspruch nehmen wollten. Da unsere letzte Ganzkörpermassage noch nicht so lange her war, entschieden wir uns dagegen.

Anschließend gingen wir noch in den Whirlpool, duschen, uns umziehen und freuten uns danach auf den Swimming Pool. Dieser versprach zumindest vom Namen her ein bisschen Abkühlung. Aber Fehlanzeige. Der Pool war nämlich auch mit dem 37 bis 39°C warmen Wasser aus der heißen Quelle gefüllt. Also legten wir uns wieder auf die Liegen, aßen eine Kleinigkeit und entschieden uns dann, weiter zu fahren. Nächstes Ziel: Cho Dam.

27. Juni 2012. 21:30 Uhr. Wartehalle im Bahnhof Nha Trang, Vietnam.

Abfahrtstafel

Abfahrtstafel

Eigentlich sollte unser Zug um 22:08 Uhr abfahren. Gerade im Bahnhof angekommen, mussten wir feststellen, dass dieser Plan nicht ganz aufzugehen scheint. Auf einem Monitor über den Fahrkartenschaltern wird ganz professionell über Word 2010 angekündigt, dass der Zug erst um 22:45 Uhr abfahren wird. Vor dem Hintergrund, dass wir mit diesem Zug vor ein paar Tagen mit einer Stunde Verspätung in Nha Trang angekommen sind, war das jetzt nicht so eine große Überraschung.

Cho Dam jedenfalls ist ein großer, stark bevölkerter Markt. Er besteht aus einer großen Markthalle und ein „paar“ Ständen drum herum. Die Halle selbst war wenig spektakulär. Es gab Kleiderstände, Elektro und Schmuck. Das wirklich Sehenswerte spielte sich drum herum ab. Dort steht ein Stand direkt neben dem nächsten, in der Mitte ein anderthalb Meter breiter Hauptgang und obendrauf eine Bedachung aus Planen, die für Denis‘ Geschmack ein bisschen zu tief hing. Dass es nur anderthalb Meter Gang gab, hielt aber niemanden davon ab, mit dem Moped durch den Markt zu fahren. Warum auch? Es war ja schließlich nicht schon so voll genug. Direkt hinter den Ständen, die von der Halle weg lagen, befand sich auch die allgemeine Marktgarage, ebenfalls mit Planen überdacht.

Cho Dam

Cho Dam

In Cho Dam gab es eine ganze Reihe von Ständen, die alles zum Thema Trockenfisch verkauften. Neben allen möglichen Fischarten, die man sich vorstellen kann, gab es auch getrockneten Tintenfisch, Seepferdchen, Kugelfisch und Shrimps. Letztere rochen von allen am übelsten.

Außerdem fanden wir mal wieder einen Seilladen und mehrere Restaurantfachgeschäfte voller Reisschalen, Töpfe und Essstäbchen, die man hier im Zwanzigerpack kauft. Einen Hutladen gibt es auch noch und mehrere Krimskramsläden, in denen es alles gibt, was man nicht gebrauchen kann.

Unweit des Marktes sollte laut Stadtplan ein Stadion liegen, das wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem Laden vorbei, der hauptsächlich Fernbedienungen verkaufte, ohne dazu gehörige Geräte. Nur Fernbedienungen.

Stadion von Nha Trang

Stadion von Nha Trang

Hätte hinter dem Getränkeladen nicht ein Flutlichtmast hervorgelugt, wären wir wahrscheinlich an dem Stadion vorbei gelaufen. So konnten wir noch rechtzeitig eine Querstraße voller Autohändler nehmen und kamen zum Stadion, das auf den ersten Blick verschlossen aussah. Nebenan waren eine Turn- und eine Tennishalle, in der gerade ein Spiel oder Turnier stattfand. Davor nahmen Zivilisten Aufstellung in Reih‘ und Glied und ein paar Soldaten lagen auf dem Boden und zielten mit ihren Gewehren. Worauf genau war nicht ganz klar, da sich einige Meter vor ihnen nur Autos befanden.

Durch ein nur halb verschlossenes Tor kamen wir doch noch ins Stadion und gelangten durch den Spielertunnel in den Innenraum. Hier wurden gerade Rasen und Ränge mit dem Schlauch bearbeitet und ein paar Fähnchen aufgehängt. Wir fanden später heraus, dass dort in ein paar Tagen Jugendbaseball stattfinden soll. Das Stadion selbst war sehr schön; rund, mehr Steh- als Sitzplätze, eine vollkommen abgelaufene Tartanbahn und eine ungepolsterte Presse- und VIP-Tribüne. Kurzum, so wie ein Stadion aussehen sollte. Richtiges Gras gab es aber nicht. Das Spielfeld war mit einer kurzen grünen Pflanze bewachsen. Die Eintrittspreise waren auch relativ moderat. 50.000 Dong (2 Euro) für die teuerste Kategorie.

Nachdem wir uns am Ausgang noch mit einem Vietnamesen über Deutschland, also im Grunde über deutschen Fußball, und Fußball im Allgemeinen unterhalten haben, gingen wir noch mal an den Strand. Hier beobachteten wir ein bisschen das Geschehen und die Rentner, die sich auf dem Fußgängerweg zwischen Strand und Straße fit hielten.

Vietnamesicher Eiskaffee

Vietnamesicher Eiskaffee

Da es mal wieder Zeit war für einen Kaffee, suchten wir uns ein nettes Café, fanden nach etwas Herumgeirre auch eins und hatten einen Obstshake und einen schwarzen, vietnamesischen Eiskaffee. Dieser wird in einem unten offenen Metallkännchen serviert, in dem sich Kaffeepulver befindet, durch das das Wasser in das darunter platzierte Glas läuft. Heraus kommt eine Art Espresso, der – in einem mit Eiswürfeln gefüllten Long Drink-Glas – einen großen Eiskaffee ergibt. Apropos Kaffee, Vietnam ist nach Brasilien der zweitgrößte Kaffeeexporteur der Welt. Wer hätte das gedacht?

Nach einem weiteren Spaziergang und Abendbrot am Strand sind wir nun am Bahnhof gelandet, wo wir in der Wartehalle auf den Zug nach Ho Chi Minh-City warten, der mittlerweile auf 22:50 Uhr angesetzt ist.

 

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