Tag 12: Jetzt wisst ihr auch, wofür wir euer Geld brauchen!

14. Juni 2011. 11:56 Uhr. Zug nach Thessaloniki, Griechenland.

Erste Erkenntnis des Tages: Wenn du den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt bist und dabei ein Top trägst, musst du am nächsten Tag ein Oberteil mit dem gleichen Ausschnitt anziehen, sonst sieht es Scheiße aus! Anscheinend lassen H&M und Only in der gleichen Fabrik in China produzieren, sodass es keine Probleme gab.

Fahrkartenschalter in Athen

Fahrkartenschalter in Athen

Also die Sachen mit dem richtigen Ausschnitt herausgesucht – mittlerweile war auch alles wieder trocken –, ab zum Frühstück und weiter zum Bahnhof. Da wir noch anderthalb Stunden Zeit hatten bis zur Abfahrt, wollten wir schnell die Reservierungen holen und dann noch mal ein paar Stationen mit der Metro fahren, um Postkarten zu besorgen, weil wir das gestern vergessen hatten. Tja, dieser Plan hatte sich erledigt als wir uns der Schlange an den drei Fahrkartenschaltern anschlossen. Die Schlange bewegte sich in einem Tempo, das seinesgleichen suchte. Langsam, langsamer, Griechische Bahn. Reservierungen gab es dann doch irgendwann, aber das mit dem Postkarten holen klappte zeitlich nicht mehr.

Also ab in die Bahnhofskneipe und auf den Zug warten. Wir hätten uns auch für die Reise verpflegen können, aber 4,60 Euro für ein eingeschweißtes Sandwich waren uns dann doch ein bisschen zu viel. Man erliegt in Griechenland immer der Versuchung, die Preise in Euro umzurechnen. Einerseits, weil wir bisher in allen Ländern umrechnen mussten und andererseits natürlich, weil die Preise so hoch sind. Spätestens beim Versuch, sich an den Umrechnungskurs zu erinnern, macht es dann Klick. Mist, das sind alles schon Euro-Angaben.

Mittlerweile fahren wir seit über einer Stunde Richtung Thessaloniki und haben gelernt, dass man unbedingt auf seinen reservierten Plätzen sitzen muss. Jeder Platz ist vergeben und es wird absolut nicht toleriert, wenn sich jemand auf einem anderen Platz niederlässt als dem auf der Reservierung eingetragenen. Unser Balkan Flexi Pass wurde auch nicht kontrolliert, Hauptsache die Reservierung war da.

Wir haben inzwischen das Gefühl, dass wir mit griechischem Alphabet ganz gut zurechtkommen. Einige Buchstaben sind wie unsere lateinischen, einige wie kyrillische, manche hat man im Matheuntericht gelernt und bei dem Rest muss man halt improvisieren und beobachten. Die ganzen Haltestellen der Metro sind auf griechisch und lateinisch geschrieben, sodass man gut vergleichen kann.

14. Juni 2011. 22:25 Uhr. Zimmer 801 Hotel El Greco, Thessaloniki.

Die Fahrt nach Thessaloniki war sehr interessant. Wir wussten gar nicht, dass Griechenland so viel Gebirge hat. Sehr schön, auch wenn wir mal wieder direkt in den Abgrund schauen konnten. Direkt an die Berge schließt sich eine riesige Flachlandebene an – so als würde man aus den Alpen direkt nach Mecklenburg gucken.

Außerdem haben wir gelernt, dass Griechen gern sehr laut telefonieren, dafür aber nur sehr kurz. Es wird sich auch nicht verabschiedet, sondern am Ende einfach aufgelegt. Der Bahnhof in Thessaloniki ist um einiges größer als der in Athen und viel weniger provinziell. Es hatte den Anschein als hätte man hier auch Tickets für andere Tage als „heute“ erwerben können. Wir waren kaum im Bahnhofsgebäude angekommen, da fragten uns gefühlt 20 Mann, ob wir nicht ein Taxi bräuchten. Nein Mann! Und wenn du schon gesehen hast, dass dein Kollege eine Abfuhr bekommen hat, brauchst du auch nicht noch mal zu fragen!

Iraklis Saloniki

Iraklis Saloniki

Wir kauften uns einen Stadtplan am Bahnhof, um zum Hotel zu kommen. Der Weg sah bei Google Earth nicht so weit aus, aber sicher ist sicher. Dieser war dann weder besonders schön noch sonderlich einladend und wir hatten schon ein ungutes Gefühl – ähnlich, wie anfänglich in Bukarest. Nach dem Einchecken in unserem großen Hotel mit schickem großen Zimmer ging es zurück zum Bahnhof, um die Busverbindung zum Flughafen für Übermorgen zu klären.

Wir nahmen von dort auch gleich den Bus Richtung Kaftatzoglio Stadion, der Heimspielstätte von Iraklis Saloniki. Da wir ein bisschen zu früh ausgestiegen waren (wir wussten nicht genau, wie weit der Bus an das Stadion heranfuhr), mussten wir noch ein Stück durch den Regen laufen. Im Gegensatz zu gestern in Athen hatten wir natürlich keinen Regenschirm dabei. Wir kamen dennoch am Stadion an und staunten nicht schlecht darüber, wie hässlich es war. Die Formgebung erinnerte ein wenig an München, aber es war komplett aus Metall, was das Stadion sehr steril wirken ließ.

Paok Saloniki

Paok Saloniki

Ein paar hundert Meter weiter befand sich das Stadion von Paok Saloniki. Die kurze Distanz war für uns aber schon eine Herausforderung. Wir hatten ständig das Gefühl, uns verlaufen zu haben und wussten nie so wirklich, wo wir gerade waren, bis plötzlich eine große Tribüne vor uns auftauchte. Die Fußballspürnase funktioniert also auch in der Sommerpause. Die Haupttribüne war hier auch neu, der Rest noch alt, aber hoch verschlossen, sodass hier auch mal wieder kein Reinkommen war. Auch in diesem Stadion wurden die Schwachstellen mit Stacheldraht gesichert. Insgesamt auch kein schönes Stadion, zumal es in dessen Umgebung überall nach Urin roch.

Hier in Griechenland scheint jeder Verein sein eigenes Gate für die Ultras zu haben. Die Nummer des Gates wird fröhlich im ganzen Stadionumfeld an alle möglichen Stellen geschmiert. Nervt irgendwie.

Ausgrabungen in Thessaloniki

Ausgrabungen in Thessaloniki

Wir machten uns dann auf den Rückweg, da unser 90-Minuten-Ticket für den Bus nicht mehr lange gültig war. Auch hier stiegen wir einige Stationen zu früh aus, sodass wir noch ein bisschen zu laufen hatten. Wir sahen dann, dass in einer Baugrube auf der Straße noch fleißig gearbeitet wurde, obwohl es schon relativ spät war. Erst auf den zweiten Blick stellten wir fest, dass es sich nicht um Bauarbeiten, sondern um archäologische Ausgrabungen handelte, bei denen unheimlich viele Menschen halfen. Beim Bau der Metro war man anscheinend auf antike Gegenstände gestoßen. Das war in Athen ähnlich, dort wurden die Funde in den fertiggestellten Stationen ausgestellt. Als wir uns über die Ausgrabungen unterhielten, meinte jemand von der Seite: „Jetzt wisst ihr auch, wofür wir euer Geld brauchen!“

Na ja, uns war schon aufgefallen, dass in Griechenland viel gebaut wird. Zwei Metrolinien in Athen waren erst einige Jahre alt, auf der Bahnstrecke Athen – Thessaloniki wird anscheinend gerade eine komplett neue Trasse gebaut, die Metro von Thessaloniki ist gerade im Bau und auch sonst hat man auf der Bahnfahrt viele Baumaschinen gesehen.

Auf unserer Fahrt zu den Stadien haben wir schon ein paar schöne Orte entdeckt, die wir morgen erkunden wollen. Leider soll es dann wieder regnen – dann haben wir aber den Schirm dabei!

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