Tag 13: Hauptsache, es bleibt trocken!

15. Juni 2011. 22:36 Uhr. Zimmer 801 Hotel El Greco, Thessaloniki, Griechenland.

Für mich endete die Nacht sehr früh, als ich feststellte, dass ich die Klimaanlage zu kalt eingestellt hatte. Na ja, was soll’s. Fertig machen, riesiges Frühstücksbuffet genießen und auf in den Kampf. Heute waren wir auch für alle Wetterbedingungen gerüstet: Sonnenöl, Pullover und Regenschirm. Yeah!

Generalstreik in Thessaloniki

Generalstreik in Thessaloniki

Aus dem Internet haben wir heute Morgen erfahren, dass Griechenland heute bestreikt wird. Generalstreik allez! Aber das kann man doch mal getrost „Schwein gehabt!“ nennen: gestern sind wir mit der Bahn (die heute bestreikt wird) aus Athen gekommen und morgen wollen wir weiter nach Belgrad fliegen. Die Fluglotsen streiken zwar nicht, aber es wäre dennoch schwierig gewesen, zum Flughafen zu kommen, wenn alle Straßen gesperrt sind und man nicht so richtig weiß, ob nicht doch der eine oder andere Busfahrer streikt…oder Urlaub macht. An dieser Stelle einmal vielen Dank an die griechischen Gewerkschaften und die Bürgervereinigung „Empörte Bürger“! Super Timing!

Die Demonstration bekamen wir dann auch relativ schnell zu Gesicht, da sie in der Straße stattfand, in der unser Hotel liegt. In der Mitte der Versammlung gab es eine Rednerbühne für jene, die was zu sagen hatten. Die demonstrierende Menge war nicht mehr so bunt gemischt wie noch vorgestern in Athen. Es waren halt hauptsächlich Leute aus der arbeitsfähigen Bevölkerung unterwegs. Die Stimmung war sehr friedlich.

Eine ganz wichtige Lektion haben wir gelernt: Eine Demo geht nicht ohne Eiscafé. Schon in Athen hatte ein großer Prozentsatz der Demonstranten einen gut gekühlten Becher Kaffee dabei. Nachdem wir am Kern der Demo vorbei waren, kam uns der Demonstrationszug der Sozialisten entgegen, der gut zu erkennen war an den roten Fahnen und Flugblättern. Wir gingen allerdings weiter zu den Orten, die wir uns hier anschauen wollten. Wir waren ja schließlich nicht zum Demonstrieren hier und hatten ja auch nur einen Tag Zeit.

Wir waren dann in ein paar Kirchen, die allesamt gerade restauriert werden oder deren Restauration soeben abgeschlossen worden ist. Wie an allen anderen Baustellen, waren auch an den Kirchen überall Schilder zu sehen, die die EU als Förderer anpriesen. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie Griechenland aussähe, wenn es kein EU-Mitglied wäre, und wie viel mehr Pleite es wäre.

In die eindrucksvollste Kirche, die Agia Sofia (die dritte Agia Sofia auf unserer Reise nach der in Istanbul und der in Athen), sind wir allerdings nicht gegangen. Am Eingang war extra ein Schild aufgestellt, dass man doch bitte nicht in kurzen Hosen und Top in die Kirche gehen sollte. Kein Problem. Unglaublich dreist von manchen anderen Touristen, die trotzdem hinein gingen.

Der Weiße Turm

Der Weiße Turm

Das war ungefähr der Zeitpunkt, an dem es begann, zu regnen. Wir begaben uns in Richtung Wasser, weil wir noch an der Promenade spazieren gehen wollten. Nachdem wir Postkarten gekauft hatten (jetzt haben wir wieder Karten ohne Briefmarken), setzten wir uns in ein Café, weil wir unter unserem kleinen Regenschirm beide nass geworden sind. Wir entschieden dann weiterzugehen, als es gerade aufgehört hatte zu regnen. Schwerer Fehler! Denn nun ging es richtig los und ein paar hundert Meter weiter – am Weißen Turm – beschlossen wir, uns abermals irgendwo unterzustellen. Die nächste Möglichkeit war der Eingangsbereich der Universität Makedonia, die sich direkt gegenüber des Weißen Turms befand.

Hier verbrachten wir dann auch die nächste Stunde, war ja auch nur ´ne kurze Husche. Wir beobachteten, wie der Wasserstand auf der Kreuzung immer weiter stieg, Fußgänger bis zu den Knöcheln in den Pfützen versanken und Straßenabsperrungen quer über die Kreuzung schwammen. Na ja, Hauptsache bleibt trocken!

Mittlerweile haben wir auch den Grund dafür heraus gefunden, warum das Wasser hier wie schon an unserem Ankunftstag in Athen so hoch in den Straßen steht: es gibt hier einfach keine Gullis, oder zumindest nicht genug für die Wassermassen. Es wurde nun auch klar, wie der ganze Müll ins Meer gelangt ist, den wir auch schon an der Promenade gesehen haben: Das Wasser aus der ganzen Stadt fließt Richtung Meer, weil es abschüssig ist und nicht in Gullis abfließen kann, und nimmt alles mit, was in den Straßen so herumliegt.

Promenade Thessaloniki

Promenade Thessaloniki

Der Latte Macchiato von vor dem Regen drückte nun langsam auf die Blase und das ganze Wasser von oben und unten war nicht gerade förderlich, um die Situation zu entschärfen. Auf die andere Straßenseite zum nächsten Restaurant zu gehen, kam auch nicht in Frage, da ich Angst haben musste, auf dem Weg bis zum Knie im Wasser zu versinken. Also war aushalten angesagt. Wenig später ließen die Fluten auf den Straßen nach und das Problem konnte gelöst werden.

Nachdem die kurze Husche dann endgültig abgeklungen war, setzten wir unseren Spaziergang über die Promenade fort. Erst jetzt wurde uns bewusst, dass vor dem Hafen viele Schiffe festgemacht hatten und dass das wohl mit dem Streik zu tun haben musste. Die Schiffe standen alle mit dem Heck in Richtung Hafen. Denis ist zwar der Meinung, dass das daran liegt, dass die nur vorne einen Anker haben und die Strömung Richtung Hafen das Heck mitgezogen haben. Ich glaube weiterhin, die wollten rückwärts einparken.

Flutlichtmasten

Flutlichtmasten

Die Promenade wurde immer länger und schon aus weiter Ferne waren die Flutlichtmasten eines Stadions zu sehen. Wir entschlossen uns dann, zu diesem Stadion zu gehen. Wir wussten zwar nicht welcher Verein dort spielt, aber wenn man die Flutlichtmasten schon aus zehn Kilometern Entfernung sieht, muss es sich ja schließlich lohnen. Außerdem sah das Aris-Stadion – zu dem wir eigentlich wollten – laut Karte viel zu weit entfernt und wir waren ja schließlich schon drei Stunden auf die Flutlichtmasten zugelaufen.

Es hätte uns wundern sollen, dass das Stadion nicht mehr auf unserem Stadtplan eingetragen war, denn am Ende verließen wie Thessaloniki und landeten in Kalamaria. Wir verließen uns also auf unseren Orientierungssinn, denn plötzlich waren die Flutlichtmasten natürlich nicht mehr zu sehen. Wie schon am Tag zuvor konnten wir uns auf unsere Fußballspürnasen verlassen und kamen schließlich am Stadion an.

Support your local team

Support your local team

Das erste, was uns der heimische Verein wissen ließ, war folgende Fußballweisheit: „Support your local team – Fuck the others“. Okay! Das Stadion gehörte dem Apollon Kalamaria, dessen Logo stark an das des AC Milan erinnert und dessen Ultrászene sich ebenfalls „Rossoneri“ nannte. Wir kamen zur Abwechslung auch mal in ein Stadion rein und wurden für unseren 12-Kilometer-Fußmarsch nicht enttäuscht. Das Stadion hatte genau eine ordentlich Tribüne (zur Erinnerung: vier sind möglich) und hier war definitiv kein Erstligist zu Hause. Aber wir wissen ja aus eigener Erfahrung, dass die erste Liga eine Randsportart ist. Trotzdem ist es unglaublich, dass man diese Flutlichtmasten schon aus 14 Kilometern Entfernung sieht, das Stadion erst nach 16 Kilometern Fußmarsch erreicht und dann genau eine Tribüne zu sehen bekommt. Die Rossoneri hatten übrigens auch ihr eigenes Gate: Nr. 2, wobei wir uns fragen, wo dieser zweite Eingang gewesen sein sollte.

Nun wollten wir es aber wissen. Das Stadion von Aris sollte auch noch dran glauben müssen. Da wir nach 18 Kilometern allerdings keine Lust mehr hatten, noch weiter zu laufen, wollten wir den Bus nehmen. Unser Stadtplan enthielt auch einen 10×15-Zentimeter-Busplan, auf dem auch Kalamaria abgebildet war. Denis studierte den Plan und es war schnell klar: erst Linie 4, dann zweimal umsteigen und schon sollten wir an dem Stadion sein. Das Problem an der Linie 4 war jedoch, dass diese anscheinend in der ganzen Stadt unterwegs war, nur nie in den Straßen, in denen wir nach einer Haltstelle suchten. Die Linien 4A und 4B haben wir unterwegs allerdings gefunden. Nachdem wir eine Stunde durch Kalamaria geirrt waren, stärkten wir uns erstmal mit Gyros to go (Gyros, Tzaziki, Tomaten, Zwiebeln und Pommes in einem viel zu kleinen Fladenbrot.) und Eis.

Danach suchten wir noch ein paar Minuten, entschieden dann aber, erstmal zurück zum Hotel zu fahren, da es einfacher war, dorthin zu kommen. Wir konnten von dort aus ja immer noch zum Aris-Stadion fahren. Es war von dort aus auch viel einfacher zu erreichen, sogar ohne umsteigen. Es ist also einfacher von einem Vorort im Südosten in den Osten der Stadt zu gelangen, wenn man einmal quer durch die Stadt fährt als den „direkten“ Weg zu nutzen.

Nachdem wir auf unserem Zimmer die Schuhe ausgezogen hatten, war jedoch schnell klar, dass wir uns nirgendwo mehr hinbewegten, wo man Schuhe tragen musste. Wir haben uns dann lieber einen gemütlichen Abend gemacht anstatt durch die von Demonstranten blockierten Straßen mit dem Bus zu fahren. [Wir bekamen das Stadion noch am nächsten Tag aus dem Flugzeug beim Start zu sehen…]

Im Internet haben wir gelesen, dass es in Athen und Thessaloniki zu „Ausschreitungen“ gekommen sein soll. Was auch immer damit gemeint war, wir haben davon nichts mitbekommen. Vor etwa einer Stunde waren noch Schlachtrufe zu hören, die nicht weit von unserem Hotel entfernt sein konnten. Ansonsten hat uns der Streik nicht groß berührt. Es waren allerdings sehr viele – hauptsächlich kleine – Geschäfte geschlossen. Viele Polizisten waren auch nicht unterwegs. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie die Staatsmacht in Deutschland bei einem Generalstreik durchgedreht wäre.

Wobei diesbezüglich auffällt, dass in Griechenland kaum „richtige“ Polizisten unterwegs sind. Man sieht hauptsächlich wenig sympathische Uniformträger, die ihre kugelsichere Weste mit der Aufschrift „Private Security“ spazieren tragen. Allein in Athen an den drei Bahnhofsschaltern waren zwei Personen die ganze Zeit damit beschäftigt, neben den Fahrgästen am Schalter zu stehen, zuzuhören und doof zu grinsen…

So. Jetzt schlafen. Morgen früh Frühstück und Flughafen.

Ein Gedanke zu „Tag 13: Hauptsache, es bleibt trocken!

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