Tag 14: 1980 is now!

16. Juni 2011. 22:12 Uhr. Zimmer 211 Hotel Union, Belgrad, Serbien.

Telefon

Telefon

Wir sind in Belgrad angekommen und wie uns dieses Hotel passieren konnte, können wir noch nicht so ganz nachvollziehen. Wahrscheinlich waren die Bilder im Internet etwas geschönt oder wir dachten: „Wird schon nicht so schlimm sein!“. Die komplette Einrichtung unseres Zimmers ist sicherlich älter als wir beide, mal abgesehen von dem wunderschönen Röhrenfernseher. So muss also ein Hotelzimmer in der DDR ausgesehen haben: Telefon mit Wählscheibe, Möbel, die zwar nicht zueinander passen, dafür aber mit Plakette als Eigentum des Hotels gekennzeichnet sind, Pferdedecke für die Nacht, Plastegestecke in überaus natürlichen Farben. Es wirkt alles sehr authentisch.

Aber jetzt noch mal von vorne: Nach dem Frühstück gingen wir zum „Shuttlebus“, was nur eine normale Buslinie war, die bis zum Flughafen fuhr und nicht überall hielt. Diese Fahrt kostete uns geschlagene 80 Cent pro Person. Zur Erinnerung: in Athen gab es für den Flughafentransfer mit der Bahn ein Acht-Euro-Ticket und die beiden Städte liegen immer noch im gleichen Land. Insgesamt war Thessaloniki um einiges günstiger als Athen. Wahrscheinlich schon allein, weil hier nicht so viele Touristen unterwegs sind. Wir haben übrigens zum ersten Mal ein Land gefunden, in dem das Benzin teurer ist als in Deutschland: 1,86 Euro pro Liter Super.

Am Flughafen angekommen wurde schnell klar, dass…

  1. …wir viel zu früh dran waren. Wir waren um 11:45 Uhr vor Ort, unser Flug ging um 14:15 Uhr.
  2. …der Flughafen ziemlich klein ist und daher wenig Möglichkeiten bietet, sich die Zeit zu vertreiben.
  3. …das mit der Gemütlichkeit am Gate nicht ganz so einfach ist, wenn die Durchsagen-Damen einen Passagier zum zwölften Mal ausruft und dabei ungehalten ins Mikro schreit.

Unseren Plan, so lange am Gate zu sitzen und das Boarding zu beobachten bis wir ausgerufen werden, haben wir aufgegeben, weil wir Angst vor dieser Frau hatten.

Unsere Postkarten konnten wir zum Glück noch am Flughafen abschicken, weil es sowohl Briefmarken als auch –kästen gab und wir ja sowieso genug Zeit hatten. [Hierzu sei folgendes erwähnt: Die Karten, die wir auch Istanbul abgeschickt hatten, waren ungefähr zwei Wochen unterwegs, die aus Montenegro auch. Besagte Karten aus Griechenland haben seit fast 4 Wochen ihr Ziel noch nicht erreicht. Wahrscheinlich wartet Griechenland so lange mit der Auslieferung der Post nach Deutschland bis das Hilfspaket verabschiedet ist.]

Was uns schon seit Beginn unserer Reise aufgefallen ist,  am Flughafen aber mal wieder bewusst wurde: Hier haben alle Leute ein altes Nokia-Handy und wissen nicht, wie man einen anderen Klingelton einstellt. Aus allen Richtungen hört man dieses Düdüdüdü Düdüdüdü Düdüdüdüdü. Arg! Nur ein Herr auf der Bahnfahrt von Athen nach Thessaloniki hatte den Vibrationsalarm seines Handys eingeschaltet. Dieser ließ die Szene allerdings anmuten, als nähme er ein Gespräch auf seinem Rasierapparat an.

Die Flüge verliefen dann weniger spannend. Wir flogen erst von Thessaloniki nach Athen und anschließen weiter nach Belgrad. Wir hatten ein bisschen Angst, dass wir so eine kleine Propellermaschine bekommen würden, weil sich die Verbindung nicht soooo beliebt klingt. Wir hatten aber Glück und bekamen ein Flugzeug ohne Propeller, in dem wir uns ohne Probleme über ganze Sitzreihen hätten legen können, weil die Verbindung tatsächlich nicht soooo beliebt zu sein scheint. Trotz Umsteigens in Athen ist unser Gepäck unversehrt und vollständig in Belgrad angekommen.

Vom Flughafen nahmen wir den Bus in Richtung Innenstadt und lernten, dass Haltestellen relativ sind und man als Busfahrer seine Fahrgäste auch mal mitten auf der Straße aussteigen lassen kann. Wir selbst sprangen am Hauptbahnhof ab, weil wir den Halt am Busbahnhof verpasst hatten. Wir dachten, dass man von einem BUS erwarten konnte, AUF dem BUSbahnhof zu halten und nicht an der Straße im Vorbeifahren. Am Hauptbahnhof besorgten wir uns Reservierungen für unsere Fahrt übermorgen nach Bar in Montenegro.

Auf der Taxifahrt zum Hotel stellten wir abermals fest, dass der Straßenverkehr in Belgrad nicht ganz einfach zu sein scheint. Oder wie Denis es sehr passend formulierte: „Verkehr in Belgrad – Kacke!“. Die Straßen sind restlos überfüllt, Fußgänger gehen, wann und wohin es ihnen passt und wenn mal einer nicht weiter weiß, dann hupt er erstmal.

Über unsere Unterkunft sind wir dann relativ schnell weggekommen, nicht aber über die Tatsache, dass die Angestellten unsere Ausweise an der Rezeption behalten wollten. Diese nahmen wir umgehend wieder an uns, da uns der Sinn nicht ganz klar war und wir keine Diskussionen beim Auschecken brauchen können.

Fußgängerzone in Belgrad

Fußgängerzone in Belgrad

Zum Essen sind wir in die nicht weit von unserem Hotel entfernte Fußgängerzone gegangen, die sich ladentechnisch nicht viel von allen anderen Fußgängerzonen der Welt unterscheidet, aber dennoch zu gefallen weiß. Sie ist sehr weitläufig, grün und voller Menschen. Donnerstagabend, 21:00 Uhr auf der Mönckebergstraße kaum denkbar. Wir aßen Cevapcici und lernten, dass dies nichts anderes ist als kleine Hackwürstchen serviert mit rohen Zwiebeln. Außerdem habe ich gelernt, dass man, wenn man einen „Makijato“ bestellt, weder einen Milchkaffee noch einen japanischen Reistee bekommt, sondern einen Espresso mit einem Schuss Milch. Sehr lecker!

Ein Eis später waren wir auch schon auf dem Weg zurück ins Hotel. Und ein Jelen (Bier) später hat Denis herausgefunden, dass wir das Wochenende vom 3. bis 5. August 2012 in London verbringen müssen, weil da wichtige olympische Entscheidungen anstehen wie die im 50 Kilometer Gehen. Ich habe gerade zum ersten Mal Apfelcider getrunken und festgestellt, dass es sich dabei um alkoholische Apfelschorle handelt, bei der man den Alkohol aber kein bisschen schmeckt. Super Erfindung!

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