Tag 14: Ein Tag im Zeichen der Kokosnuss

29. Juni 2012. 20:20 Uhr. Zimmer 701, Family Inn Hotel. Saigon, Vietnam.

Mekong

Mekong

Nach dem viel zu frühen Aufstehen gab es Frühstück im überfüllten Hotelrestaurant und dann ging es schon mit dem Bus los Richtung Süd-Osten. Denn heute stand ein Ausflug ins Mekong-Delta auf dem Programm.

Die zwei Stunden Fahrt dorthin wurden äußerst sinnvoll verschlafen. Vollkommen erholt trafen wir am Touristenhafen auf eine ortskundige Reiseführerin, die unseren Badekappenschwimmer Tuan unterstützen sollte. Man mag uns bitte nachsehen, dass wir uns nicht mehr an ihren Namen erinnern können. Dieser hörte sich nämlich für unsere Ohren genauso an wie alle anderen vietnamesischen Vornamen. Wir wissen aber noch genau, dass sie um einiges weniger hortkindartig war als Tuan und eine Menge zu erzählen hatte.

Wir bestiegen also unser Boot, das viel zu groß für unsere Gruppe war. Dafür war es aber mit Liegestühlen ausgestattet, die mit Rettungswesten gepolstert waren. So fuhren wir also über den Mekong auf eine der größten Inseln. Unterwegs kamen wir an der Kokosnussinsel vorbei und erfuhren von der Kokosnussreligion. Diese entstand folgendermaßen: Ein Familienvater hatte einmal keine Lust mehr auf seine Familie und ging auf Reisen. Er kam auf die Kokosnussinsel und lebte fortan nur noch von Kokosnüssen. Daraufhin drehte er ein wenig durch und erkannte, dass das Leben allein von der Kokosnuss  das einzig Wahre sein konnte. Er verbreitete diese Kunde und am Ende war eine neue Religion entstanden. Aus irgendeinem Grund war die Vielehe in seiner Religion äußert notwendig und so hatte er neun Frauen. Obwohl der Herr schon tot ist und die Religion nie offiziell anerkannt wurde, soll es heute noch etwa 3.000 „Gläubige“ geben.

Kobraschnaps

Kobraschnaps

Nach einer Viertelstunde Fahrt kamen wir auf unserer Insel an und lernten gleich allerhand über Kokosnüsse. Wie Kokosnussbonbons hergestellt wurden, z.B.: das Fruchtfleisches mit geraspelt, das Öl herausgepresst und die übrige Masse gekocht werden. Anschließend in Form bringen, trocknen und einwickeln. Das Ergebnis ist sehr lecker und sehr klebrig. Außerdem erklärte uns unsere Aushilfsreiseführerin auch, wie vielseitig die Kokosnuss ist und dass eigentlich alle Bestandteile der Pflanze verwendet werden können: das Fleisch zum Essen, die Milch zum Trinken, das Öl zum Kochen oder für die Haare, die äußere, faserige Schale zum Herstellen von z.B. Taschen, die innere, harte Schale zum Herstellen von Reisschalen oder zum Feuer machen, die heiße Asche vom Feuer kann wunderbar ins Bügeleisen gegeben werden. Aus den Palmwedeln kann man ein Dach bauen und aus dem Holz Häuser, Möbel oder Essstäbchen.

Fahrt durch den Wald

Fahrt durch den Wald

In der Süßigkeitenfabrik wurden wir auf ein paar lokale Spirituosen eingeladen. Zuerst gab es sehr guten Reiswein, danach Bananenlikör, mit dem man ein Moped hätte antreiben können und zum Schluss Kobraschnaps, der vor allem Männern nach einer halben Stunde besondere Kraft verleihen soll. Zu etwaigen Ausartungen ist es allerdings bei keinem der anwesenden Männer gekommen. Nebenan gab es getrocknete Reisblätter mit Geschmack zum Kosten und die Hausschlange zu sehen.

Danach fuhren wir weiter mit zu Kutschen umgebauten Mopeds, auf deren Rückbänken zwei bzw. vier Personen Platz fanden und die keine Tachos benötigten. Die Fahrt war wunderbar und der Fahrtwind ein Traum. Es ging durch Dörfer, über Felder und die engsten Wege durch den Wald, in dem wir mehr als einmal den Kopf einziehen mussten, weil die Äste so tief hingen. Es gab wieder allerlei tropische Gewächse zu sehen – Palmen, Bananenbäume, Kakteen und 90 Prozent der Pflanzen, die wir nicht bestimmen konnten.

Dragon Fruit am Baum

Dragon Fruit am Baum

Nach einiger Zeit kamen wir zu einem Café, in dem wir auf tropisches Obst eingeladen wurden. Es gab Dragon Fruit  zu essen und einen dazu gehörigen Baum zu sehen. Außerdem einen Verwandten der Litschi mit etwas wilderer Frisur, eine Frucht, die wie eine Mischung aus Banane und Mango schmeckte und über deren Namen sich unsere beiden Führer nicht einig waren und Ananas mit einem Salz-Erdnuss-Pulvergemisch zum Dippen.

Das Café befand sich unter Planen auf einem Hof, auf dem sich neben einem großen Haus aus Stein auch mehrere kleine offene Häuser aus Holz und Palmwedeln befanden. Das waren die Liebeshäuser, in denen sich junge Leute über Liebe unterhalten. Klar, unterhalten. Wenn ein Junge und ein Mädchen sich ineinander verlieben, muss der Junge den Vater des Mädchens nämlich fragen, ob er dessen Tochter ausführen darf. Und da Liebesbekundungen in der Öffentlichkeit sich nicht gehören, trifft man sich im Liebeshaus und „unterhält“ sich.

Da fällt mir gerade ein, was Tuan uns über die Menschen im Süden Vietnams erzählt hat. Diese sind lockerer als die Menschen im Norden und machen sich größtenteils weder Sorgen noch Gedanken über die Zukunft. Wenn sie heute 20 Dollar verdienen, geben sie diese heute aus. Morgen wird sich schon was anderes ergeben. Das liegt auch daran, dass hier überall Obstbäume herum stehen und in der Regel jeder satt werden kann. Da passt es auch ins Bild, dass die Familien hier kinderreicher sind als im Norden. Acht bis zehn Kinder pro Familie sind hier keine Seltenheit. Und da sich niemand so viele Namen ausdenken geschweige denn merken kann, werden die Kinder nach der Zahl benannt, in deren Reihenfolge sie auf die Welt gekommen sind. Da die Nummer Eins dem Erstgeborenen allerdings Pech bringt, fängt man mit der Zwei an. Sehr clever.

Gut vorbereitet auf den Regen

Gut vorbereitet auf den Regen

Als wir gerade mit unserem Obst fertig waren, begann es natürlich zu regnen. Obwohl wir zehn Minuten auf eine Besserung warteten, stellte sich diese nicht ein. Da wir aber zum Mittag in einem Restaurant eingeplant waren, mussten wir weiter. So bekam jeder einen Einweg-Regenponcho mit bunten Punkten und in der vietnamesischen Einheitsgröße, der mir im Sitzen über die Knie reichte, Denis‘ Oberschenkel aber nur knapp zur Hälfte bedeckte. Aber nützt ja nix, also rauf auf das Moped und ab dafür.

Zumindest halb abgedeckt, wurden wir an den wichtigsten Stellen vor dem Regen geschützt und konnten das Wetter und die Gegend genießen. Obwohl es regnete, waren die Temperaturen sehr angenehm. Nach gefühlten zwei Stunden kamen wir mit nassem Gesicht, nassen Haaren, nassen Beinen und einer nassen Hose an dem Restaurant an. Als ich mir den Poncho ausgezogen hatte, stellte ich fest, dass der Poncho nicht farbecht war und die blauen Punkte auf meine Haut abgefärbt hatten.

Elefantenohrfisch

Elefantenohrfisch

Wir wurden dann gleich nach Ankunft mit Mittag versorgt. Nicht dass man bei diesen Temperaturen sonderlich hungrig werden würde, aber in Vietnam ist das Mittag nicht an den Hunger gebunden, sondern an die Uhrzeit. Und die stand ganz klar auf Mittag. So gab es Frühlingsrollen mit Reisnudeln, Gurke, Ananas und Elefantenohrfisch, die direkt am Tisch gerollt wurden. Außerdem gab es Suppe, Reis, gebratene/gebackene Bananenbouletten und als Nachtisch Grünen Tee mit Honig. Nach dem Essen ging es kurz in die Hängematte und danach weiter.

Natürlich hatte es einige Minuten nachdem wir das Restaurant erreicht hatten, aufgehört zu regnen. So liefen wir im Trockenen ein paar Meter zum Mekong und stiegen in die kleinen Ruderboote, die uns zu unserem großen Boot zurück bringen sollten. Die Fahrt war ein Traum. Es ging über einen engen Nebenarm des Mekongs, an dessen Rand eine Menge Wasserkokosnüsse standen. Zum ersten Mal seit zwei Wochen hatten wir tatsächlich Ruhe. Und das in Vietnam. Unglaublich.

Nebenarm des Mekong

Nebenarm des Mekong

Mit dem großen Boot und einer Kokosnuss als Erfrischungsgetränk ging es zurück zum Hafen und mit dem Bus nach Saigon. Unterwegs begann es noch mal, richtig zu regnen und wir bekamen eine Ahnung davon, was für eine kurze Husche der Regen heute Mittag war. Jetzt wurde es richtig nass. Und was macht man in so einer Situation als Mopedfahrer? Man trägt einen Regenponcho, der über den Lenker geworfen werden kann, damit auch die Beine trocken blieben. Und was macht man als Mopedfahrer mit Kind? Man setzt das Kind einfach unter den Poncho. Das geht übrigens ebenso gut mit Erwachsenen, die hinten drauf sitzen.

Wieder im Hotel angekommen verabschiedeten wir uns von unserer Gruppe und unserem Hortkind Tuan. Da wir die Tour durch Kambodscha mit einer anderen Reiseagentur gebucht haben, bekommen wir eine neue Gruppe, die wir morgen Abend kennenlernen.

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