Tag 14: Time to say goodbye

9. Juli 2014. Holguin, Ost-Kuba – Havanna, Nordwest-Kuba.

Holguin - Havanna.

Holguin – Havanna.

Nach elf Tagen und schätzungsweise 3.000 Kilometern sollte es heute so weit sein: Wir würden früh morgens unseren Kia am Flughafen in Holguin abgeben und von dort zurück nach Havanna fliegen. Morgen endet unsere Reise nämlich mit einem letzten Tag in Havanna und dem Rückflug über Zürich nach Hamburg.

Da das Aufstehen am frühen Morgen auf Kuba ebenso wenig erquickend ist wie in Deutschland, waren wir bereits beim Auschecken etwas spät dran und beeilten uns sogleich, zu unserem Auto zu kommen. Nachdem wir zwei Wochen größtenteils darin gewohnt hatten, musste es ja auch noch entrümpelt werden. Nach der Vielzahl an leeren Kekspackungen zu urteilen, müssten es allerdings mindestens vier Wochen gewesen sein.

Aus einer kurzfristigen Abfahrt wurde aber nichts, wir wurden nämlich bereits am Hotelausgang von einem Parkplatzwächter erwartet. Über Nacht hatten wir hinten rechts einen Platten bekommen. Jackpot.

Zum Glück hatten wir ja einen Ersatzreifen dabei und der Parkplatzwächter erwies sich als sehr geschickt darin, diesen für ein paar CUC aufzuziehen. Wir waren jedenfalls froh, dass uns das hier auf dem Hotelparkplatz passiert war und nicht im Flussbett, aus dem wir auch mit vier intakten Reifen schon kaum heraus gekommen waren.

Dann hieß es aber, Hackengas geben, denn wir wollten ja schließlich nach Havanna fliegen und nicht fahren. Und was passiert, wenn man es eilig hat? Richtig, es gibt eine Umleitung. Und wie ist diese straßentechnisch beschaffen? Richtig, scheiße! Und wie viele Schilder gibt es, die anzeigen, wo die Umleitung endet und ob man immer noch Richtung Flughafen fährt? Richtig, keine.

Ich sah uns schon mit dem Kia auf dem Weg nach Havanna, weil wir erst kurz vor Check-In-Ende am Flughafen sein würden und die Übergabe des Autos sich ewig hinziehen würde. Denn der Kia sah nun leider auch nicht mehr ganz astrein. Gut, dass er dreckig war, war bei den Straßen ja zu erwarten, zumal das bei einem weißen Auto ja immer sehr schnell geht.

Unter dem Kotflügel war aber schon etwas locker und klapperte hin und wieder. Außerdem ließ sich die Motorhaube nicht mehr ganz schließen. (Wann das passiert ist, ist uns nach wie vor ein Rätsel.) Und zu guter Letzt war da ja auch noch der platte Reifen. Das würde bestimmt eine riesige Diskussion geben, an deren Ende wir um mehrere hundert CUC ärmer sein würden.

Wir erreichten den Flughafen aber zum Glück unerwartet früh, weil wir uns einfach darauf verlassen hatten, dass das Taxi vor uns sicher ebenfalls auf dem Weg zum Flughafen war. Wo sollte es um diese Uhrzeit auch sonst hin?

Und mit der Übergabe des Autos waren wir ebenfalls unerwartet früh durch. Nachdem wir keinen Mietwagenverleih in dem doch eher übersichtlichen nationalen Terminal des Flughafens von Holguin gefunden hatten, fragten wir einfach mal am Informations…ähm…tisch. Der Herr, der heute Tischdienst hatte, rief den Herrn von CubaCar an, der dann auch direkt in einem Auto angefahren kam, um das Auto entgegen zu nehmen. Wahrscheinlich würde er später irgendeinen Passanten fragen, ob dieser ihm half, beide Autos zum richtigen Parkplatz zu schaffen.

05 Soroa - Santa Clara (1)

Unser Kugelblitz – hier in Soroa

Dann kam der große Augenblick. Der Herr startete den Motor, notierte den Kilometerstand und erkundigte sich, ob der Reifen geplatzt war und … das war‘s. Er lief nicht einmal um das Auto herum, um es sich genauer anzusehen. Er war schon überaus zufrieden, als wir ihm versicherten, dass der Reifen nicht geplatzt war. Dann könnte er ihn ja noch einmal flicken lassen. Super.

Wir unterschrieben jedenfalls das Übergabeprotokoll, auf dem festgehalten wurde, dass das Auto keinerlei Schäden genommen hatte, und begaben uns zügig in das Terminal. So hatten wir nur wenig Zeit, uns gebührend von unserem Kugelblitz zu verabschieden, der uns nie im Stich gelassen hat, obwohl wir ihn weit über seine Grenzen hinaus getrieben haben. Mach’s gut, T 004 755. Du warst super!

Nachdem wir eingecheckt hatten, wurden wir einmal mehr Zeugen der kubanischen Beschäftigungspolitik. An der Sicherheitskontrolle gab es folgende Beschäftigte: eine Frau, die kontrollierte, ob man eine Bordkarte besaß und ein Häkchen auf einem Zettel setzte, eine Frau, die die Tür zur Sicherheitskontrolle öffnete (es durfte immer nur eine Person einzeln eintreten), zwei Personen, die an der Röntgenmaschine Baujahr 1979 saßen und zwei weitere, die das Ganze überwachten.

Im Transitbereich hatten wir kurz Frühstück und dann begann auch schon der Check-In. Wir waren wahrscheinlich die einzigen Ausländer an Bord und der Grund, warum die Sicherheitshinweise neben Spanisch auch auf Englisch vorgetragen wurden. Ein paar Stolpersteine bei der englischen Version ließen vermuten, dass die Stewardess diese nur in äußersten Ausnahmefällen zum Besten gab.

Nachdem wir in Havanna gelandet waren, unternahmen wir eine Flughafenrundfahrt im Flugzeug. Wir sahen alles, was dieser zu bieten hatte: ein nationales Terminal, ein internationales, ein Frachtterminal und viele Waren, die wild durcheinander standen und teilweise sehr abenteuerlich auf Paletten verpackt waren.

Mit dem Bus mussten wir natürlich den gesamten Weg zurück fahren und konnten alle noch einmal in umgekehrter Reihenfolge begutachten. An unserem Terminal angekommen, dauerte es dann auch nur eine halbe Stunde bis das erste Gepäck über das Band lief.

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Taxi in die Altstadt – Hauptsache die Sonnenbrille sitzt

Nachdem wir mit einem Taxi, das wahrscheinlich älter war als wir beide zusammen und weder über Fensterheber noch Gurte oder Sonnenblenden verfügte, zu unserem Casa vom ersten Havanna-Aufenthalt gebracht worden waren, mussten wir erst mal den in der Nacht verpassten Schlaf nachholen.

Danach hatten wir eine Kleinigkeit zu Essen und saßen pünktlich zum zweiten Halbfinale Niederlande gegen Argentinien an einer Bar vor dem Fernseher. Wir waren im La Mina an der Plaza de Armas und es lief ein us-amerikanischer Fernsehsender, bei dem Ruud van Nistelroy Gastkommentator war. Als die reguläre Spielzeit mit einem Unentschienden zu enden drohte, wurde die weitere spieltechnische Vorgehensweise für die Zuschauer angezeigt, die sonst nicht so oft Fußball sahen. Also alle us-amerikanischen Zuschauer.

Neben uns saßen ein paar Holländer und im Laufe der Partie kamen immer mehr Zuschauer, hauptsächlich Kubaner, dazu. Die Fanlager waren folgendermaßen aufgeteilt: ich war für Holland, weil das ein spannendes Finale ergeben würde, die Holländer und ein paar andere Europäer ebenfalls. Denis und die Kubaner waren größtenteils für Argentinien. Entsprechend war die Stimmung nach dem letzten Elfmeter sehr heiter und ausgelassen.

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Cuba Libre auf der Dachterrasse

Neben uns saß ein Asiate, der erst spät dazu kam und dann Rum auf Eis trank. Er ließ sich weder vom Spielgeschehen noch den Ausbrüchen der anwesenden Zuschauer in irgendeiner Weise beeindrucken. Wahrscheinlich hatte er gerade noch zufällig auf genau das richtige Ergebnis gewettet.

Wir hatten das Spiel bereits in Gesellschaft des einen oder anderen rumhaltigen Getränks verlebt und setzten dies mit einer Viñales-Zigarre auf der Dachterrasse unseres Casas fort. Es war schließlich unser letzter Abend auf Kuba und wie hätten wir ihn besser verbringen können?

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