Tag 14: Zwei Sterbende in Samarkand

30. Juni 2013. Samarkand, Usbekistan.

Sanat kam heute Morgen nicht wie verabredet um 10:00 Uhr, um uns abzuholen. Wahrscheinlich weil er uns heute das Geld wiedergeben sollte, das wir ihm gestern geliehen hatten. Das fanden wir aber auch nicht weiter schlimm, denn wir wollten sowieso lieber unsere Ruhe haben und selbst entscheiden, was wir machen.

Außerdem haben wir ihm „nur“ 60.000 Sum (um und bei 20 Euro) gegeben, 30.000 als Geschenk zum Tanken und 30.000 als Betrag, den er sich gestern nur leihen und heute wieder zurück geben wollte. Wenn man bedenkt, dass wir gestern einen ganzen Tag lang herumgefahren wurden und weder für Essen noch für Eintritt bezahlen mussten, können wir uns auch nicht beschweren.

Es war eine ziemlich unruhige Nacht, weil mein Bauch auch weiterhin keine Ruhe gegeben hat. Aus diesem Grund und weil Denis noch Schnupfen hatte, gingen wir nach dem Frühstück wieder ins Bett. Wir mussten uns noch ein wenig ausruhen und außerdem war es eh viel zu warm. Am frühen Nachmittag, nachdem sich Denis dann noch das Knie an der Badtür gestoßen hatte, machten wir uns humpelnd und mit flauem Magen auf den Weg.

Wir gingen zum Basar nicht weit von unserem Hotel und beobachteten das bunte Treiben. Bereits vor dem Eingang gab es wieder eine ganze Menge Leute, die Ihre Waren verkauften. Das waren neben Fladenbrot hauptsächlich Obst und Gemüse. Das Brot wurde auf Handwagen zum Verkauf angeboten und Obst und Gemüse meist in Kartons.

Basarhalle

Basarhalle

Der offizielle Teil des Basars war an Mamortresen unter zwei riesigen Wellblechdächern untergebracht. Hier gab es alles, was das Herz begehrt: frisches und getrocknetes Obst, Gemüse, Brot, Süßigkeiten, Getreide, Reis, Kichererbsen und vieles mehr. Einige Waren, bei denen es sich anbot, wurden direkt in Säcken angeboten. Auch auf diesem Basar gab es für jede Kategorie einen eigenen Platz auf. Getrocknetes Obst und Nüsse hier, Süßigkeiten dort, Sackware am Ende… Nebenbei wurden natürlich auch Kleidungsstücke und Plastiktüten verkauft. Letztere sind hier ein wichtiger Besitz. Wer eine Tüte kauft, behält sie relativ lange und nutzt sie immer wieder. Entsprechend abgenudelt sehen einige Exemplare auch aus.

Quarkhandel

Quarkhandel

Gerade als ich mich gewundert habe, dass es hier gar kein Fleisch gab, kamen wir an einen kleinen Holztisch, auf dem ganz lecker und hygienisch ein großes Stück mehr oder weniger frisches Fleisch lag und gerade nach Kundenwunsch geteilt wurde. Das blieb aber auch der einzige Fleischstand. Am Rand des Basars befand sich noch ein Gebäude mit mehreren Läden, in denen unter anderem Wurst verkauft wurde, zum Teil sogar aus Kühltheken.

Die beiden Highlights auf dem Basar waren aber andere: Einerseits die riesigen Melonenhaufen, auf denen eine ganze Menge Melonen in bis zu anderthalb Meterm Höhe gestapelt waren. Und andererseits die alten Frauen, die auf den Stufen zwischen den Hallen saßen und Quark auf offenen Eimern heraus verkauft haben. Abgefüllt wurde meist in kleine Plastiktüten.

Shohizinda

Shohizinda

Anschließend liefen wir über die Bibi Xamon Moschee und einen Freiluftziegenstall ein paar Meter in Richtung Osten. Neben einem Haus am Rande eines Wohngebiets waren drei Ziegen angebunden. Dort hatten sie zwar kein Gras, dafür aber Schatten und beste Sicht auf den Bürgersteig und die vierspurige Straße nebenan.

Unser Ziel hieß Shohizinda und war ein Komplex mit vielen Mausoleen früherer Herrscher und deren Angehöriger. Dieser lag auf einer Anhöhe, die nur über eine Steintreppe zu betreten war. Leider konnte Denis mit seinem Knie keine Treppen steigen, weshalb ich mir den Komplex allein ansah. Ich musste 6.000 Sum (2 Euro) bezahlen und mir die Schultern mit einem Tuch bedecken und dann durfte ich hinein.

Es reihten sich mehrere Mausoleen aneinander, die alle aufwendig verziert waren und den typischen Stil der Seidenstraße widerspiegelten: türkise und blaue Fliesen und bunte Elemente mit arabischen Schriftzeichen. Ein Mausoleum bestand meist nur aus einem Raum, dessen Inneres noch filigraner verziert war. In diesem Raum war jeweils ein Grabstein in Form einer kleinen Marmorkiste zu finden.

Grabstein

Grabstein

Am Ende des Komplexes, ganz oben auf der Anhöhe, war ein Zugang zu einem Friedhof, den wir schon von unten gesehen hatten. Dieser war riesengroß und mehr oder weniger chaotisch gestaltet. Was diesen Friedhof jedoch zu einem ganz besonderen Ort machte, war, dass die Portraits der Toten auf den jeweiligen Grabstein gemeißelt waren. Das hat die Menschen viel realer werden lassen als nur der Name mit Geburts- und Sterbedaten auf dem Stein.

Das war dann aber erstmal genug Anstrengung für einen Nachmittag und wir beschlossen, dass es wieder an der Zeit war, ein bisschen zu entspannen. Wir hatten ja schließlich gestern schon einiges gesehen auch noch morgen noch einen halben Tag Zeit. Außerdem waren wir krank. Also ins Hotel. Dort verbrachten wir einen ruhigen Nachmittag.

Nachts am Registan

Nachts am Registan

Als es dunkel und ein bisschen kühler geworden war, wollten wir noch einmal zum Registan laufen, um uns diesen in der Abendbeleuchtung anzuschauen. Leider gab es diese nur nicht, weshalb wir den Platz nur im allerletzten Licht der untergehenden Sonne sehen konnten. Es war aber interessant, wie sich das letzte Licht in den glasierten Steinen spiegelte und so im Kontrast zu den unglasierten immer noch die Muster zu sehen waren.

Wir liefen über eine große Fußgängerstraße zurück Richtung Hotel und staunten nicht schlecht, wie viele Leute zu dieser Uhrzeit noch unterwegs waren. Die meisten von ihnen hatten ihre Kinder dabei, von denen die meisten noch nicht im Schulkindalter waren. Usbekistan ist sowieso ein sehr junges Land. 65 Prozent der Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt. Man sieht hier insgesamt sehr viele kleine Kinder, junge Erwachsene mit Kindern und ältere Leute. Jugendliche und Menschen im Mittelalter fehlen irgendwie meistens.

Wir liefen jedenfalls noch einmal zu Bibi Xamon Moschee in der Hoffnung, die wäre beleuchtet, was sie aber leider auch nicht war. Schade, so liefen wir durch die ebenfalls meist unbeleuchtetem Straßen zurück zum Hotel.

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