Tag 15: Eine Burg, eine Kirche und zwei Stadien

17. Juni 2011. 20:04 Uhr. „Bar“ vor dem Hotel Union, Belgrad, Serbien.

Wir haben uns gerade an die „Bar“ vor unserem Hotel gesetzt und wollen uns jetzt betrinken. Mal sehen, was der Abend so mit sich bringt.

Frühstück im Salon

Frühstück im Salon

Das Frühstück gab es heute im „Salon“, wobei wir uns anfangs nicht ganz sicher waren, ob wir zum richtigen Salon gegangen waren. Buffet? Fehlanzeige! Wir bestellten bei einer Kellnerin von einer Karte, die von einer Seite auf Serbisch und von der anderen Seite auf Englisch beschrieben war. Dennoch gab es Verständigungsprobleme beim Rührei. Unsere Bestellung wurde trotzdem fast vollständig ausgeliefert. Der Kaffee kam zwar erst nach einer Viertelstunde, als sie wohl bemerkt hatte, dass wir etwas auf dem Trockenen sitzen, aber wir sind satt geworden.

Mittlerweile sind wir uns auch ziemlich sicher, dass dieses Hotel vor ein paar Jahrzehnten mal ein angesehener Schuppen gewesen sein muss, wo nur High Society anzutreffen war. So würde es uns nicht wundern, wenn bereits Gorbatschow unsere Dusche genutzt hätte, das entsprechende Alter dürfte sie jedenfalls haben. In der Duschwanne befindet sich schon eine riesige Delle, in der das Wasser steht, weil es nicht mehr abfließen kann. So wurde ich heute Morgen davon überrascht, dass die Dusche schon nass war, obwohl niemand vor mir geduscht hatte. Zumindest haben wir nichts mitbekommen. Möglich wäre es jedoch, denn unser Zimmer kann man nicht abschließen.

Nach dem Frühstück gingen wir zum Parlament, neben dem eine riesige Пошта angesiedelt ist. Auch hier in Serbien macht sich der Russischkurs aus dem vorletzten Semester mal wieder bezahlt. Meistens hilft es schon weiter, die kyrillische Schrift lesen zu können. Danach wollten wir zum „Tourist Information Centre“, um einen Plan für die öffentlichen Verkehrsmittel zu kaufen. Es stellte sich dann heraus, dass dieses „Tourist Information Centre“ ein besserer Souvenirladen ist, von dem man keine stichhaltigen Informationen erwarten konnte. Einen Plan haben wir trotzdem noch bekommen.

Burg

Burg

Dann durch die Fußgängerzone und auf zum Atem…ähm, zur Burg. Für 300 Dinar (3 Euro) nahmen wir uns noch einen Audioguide mit und dann konnte der Rundgang auch schon losgehen. Es stellte sich heraus, dass die Burganlage ca. 34 Tore in jede Himmelsrichtung besitzt und hauptsächlich von Österreichern und Türken gestaltet wurde. Die Tante auf dem Band hat so viel gesabbelt, dass wir uns nach der Hälfte entschieden, sie ab sofort schweigen zu lassen. Auf einer schattigen Bank mit tollem Ausblick ließen wir uns für eine Weile nieder, weil die Füße schmerzten und es schweineheiß war.

Außerdem war dieser Tag in Sachen Müdigkeit der absolute Höhepunkt dieser Reise. Es fehlt uns einfach das Zugfahren. Seit der Fahrt von Veliko Tarnovo nach Istanbul vor einer Woche (!) sind wir schließlich nicht mehr Zug gefahren. Die Fahrt von Athen nach Thessaloniki zählt nicht – das waren ja nur fünf Stunden. Wir vermissen auch langsam dieses rhythmische Rattern, das uns immer so schön in den Schlaf gewiegt hat. Wir sollten mal forschen, ob es für unser Bett ein Upgrade auf „Zugrattern“ gibt.

17. Juni 2011. 21:04 Uhr. Zimmer 211 Hotel Union, Belgrad, Serbien.

Die Hotelbar war uns zu teuer. Zwei Bier, eine Sprite (Alster muss hier selbst gemixt werden) kosteten 500 Dinar (5 Euro). Also haben wir uns vom Kiosk nebenan Büchsenbier und Chips besorgt, haben uns auf unser Zimmer verpieselt und können nun den wunderschönen Ausblick auf unser Mobiliar genießen.

Nach der vierstündigen Burgbesichtigung gab es im anliegenden Restaurant/Café Cevapcici und eine typisch serbische Pizza Vegetariana – mit Oliven, Tomaten, Möhren, Bohnen und Erbsen.

Dom des Heiligen Sava

Dom des Heiligen Sava

Anschließend wollten wir mit der Tram zum Dom des Heiligen Sava, der größten Kirche in Südosteuropa. Und weil die Richtung fast die gleiche war, wollten wir die Stadien von Partizan und Roter Stern Belgrad auch gleich mitnehmen. Im Internet hatten wir schon erfahren, dass das Ticketsystem für den ÖPNV in Belgrad nicht ganz einfach ist und sehr viel kontrolliert wird. Das System an sich war jetzt nicht so schwer (eine Fahrt, ein Ticket) aber kontrolliert wird wirklich eine ganze Menge. Auf unseren drei Fahrten gab es zwei Kontrollen.

Der Dom des Heiligen Sava ist eine sehr große Kirche, die sehr viel kühle Luft beherbergt, aber leider gerade restauriert wird. Also haben wir ihn relativ schnell wieder verlassen. Als ungläubiger Tourist in kurzen Hosen fühlt man sich in einer Kirche ja sowieso meist nicht ganz so wohl.  Nach etwa zwanzig Versuchen, uns beide und die Kirche auf ein Bild zu bekommen, konnte es dann auch schon weiter gehen.

Marakana-Stadion

Marakana

Zuerst waren wir am Marakana, dem Stadion von Roter Stern. Eine sehr schöne alte Schüssel, die von außen und teilweise auch von innen bemalt ist. Hat was. Wir haben eine kleine Gruppe angetroffen, die die gerade dabei war, einen Teil der Graffitis mit weißer Farbe überzumalen. Wahrscheinlich, um diese Stelle in Vorbereitung auf die nächste Saison neu zu gestalten. Ganz rein gekommen sind wir leider nicht, aber man konnte durch die Eingänge ins Innere schauen. Sehr nett, nur leider durch den Schriftzug eines Sponsors über die komplette Gegentribüne etwas verschandelt.

Nach nicht einmal zehn Minuten Fußweg kamen wir am Stadion Partizana an, das sich hauptsächlich dadurch auszeichnete, dass es sehr groß und sehr verschlossen war.

Fahrrad-Mobil

Fahrrad-Mobil

Auf dem Weg dorthin fanden wir heraus, dass sowohl Roter Stern als auch Partizan eine eigene Reiseagentur haben. Super Idee für Auswärtsspiele. An beiden Stadien ist aufgefallen, dass diese auch in der Sommerpause ein beliebter Treffpunkt für einen bunten Haufen Leute sind. Bars und Fanshops hatten beide, am Stadion Partizana befinden sich außerdem ein Schießstand und das Hauptquartier des serbischen Radsportteams. Zu Auswärtsrennen können allerdings immer nur maximal zwei Serben antreten, weil nicht mehr Fahrräder auf dem Dachgepäckträger des Club-Citroëns Platz finden. Aber zur Not können die Sportler ja auch mit dem Rad anreisen.

Dann liefen wir zur nächsten Straßenbahnhaltestelle und warteten etwa zehn bis fünfzehn Minuten auf die Tram. Fahrpläne sind nämlich komplett überbewertet und bei dem Verkehr in Belgrad sicherlich auch vollkommen überflüssig. Über einen kleinen Park ging es dann wieder zum Hotel, wo wir erstmal die Füße entspannen mussten.

Denis hat übrigens schon einige interessante Details über unsere Bahnstrecke nach Bar morgen herausgefunden. Auf unserer – planmäßig – zehnstündigen Fahrt legen wir 455 Kilometer zurück, 114 davon (also etwa ein Viertel) in den 254 Tunneln und 14 Kilometer auf den 435 Brücken. Die größte Bahnbrücke Europas, das Mala-Rijeka-Viadukt, liegt ebenfalls auf dieser Strecke. Es ist 198 Meter hoch und knapp 500 Meter lang. Wir sind gespannt.

Jetzt sind wir nach einem kurzen Ausflug an die Bar also wieder auf unserem Zimmer. Und nun? Na ja, wir haben noch Bier und Chips. Die Minibar ist zwar auch gefüllt, aber die ganzen Flaschen sind so klein, dass man aus dem Schrauben gar nicht mehr heraus käme.

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