Tag 15: Herzlich Willkommen bei Usbekistan Airways!

1. Juli 2013. Taschkent, Usbekistan.

Wir wollten diesen Tag ganz gemütlich angehen und hatten keine weiteren Pläne als gemütlich irgendwo in einem Café herumzuhängen. Gegen 15:30 Uhr mussten wir sowieso zum Bahnhof. Wozu also den Stress machen, heute noch irgendwas anzustellen? Es ist schließlich Urlaub und ein bisschen Entspannung kann nicht schaden.

Also verbrachten wir einige Zeit in einem Café am Registan und wollten anschließend ein bisschen spazieren gehen, in der Hoffnung, irgendwo Postkarten und Briefmarken zu bekommen. In einem der hundert Souvenir-Läden an der großen Fußgängerstraße wurden wir fündig. Obwohl hier in Samarkand die Tourismusindustrie aller drei Städte, die wir bisher besucht haben, am stärksten ausgeprägt ist, gibt es kaum Postkarten zu kaufen.

Der Versand einer Postkarte kostet übrigens um und bei 50 Cent und ist damit nur unwesentlich teurer als der Versand einer Postkarte innerhalb Deutschlands. Ob das ein schlechtes Omen ist, werden wir in ein paar Wochen sehen. [Nachforschungen ergaben übrigens, dass viele der Karten ihr Ziel bereits nach drei bis vier Wochen erreicht hatten.]

Also suchten wir uns ein weiteres Restaurant, um bei Tee und Suppe gemütlich Postkarten schreiben. Unterdessen gab es noch ein wenig Verwirrung um die Beschilderung der Toilette. Entweder habe ich das Zeichen an der Tür falsch gedeutet und war auf der Herrentoilette oder die ganzen Männer waren auf der Damentoilette. Es gab dort jedenfalls keine Pinkelbecken, was für meine Interpretation spricht. Ein Dreieck mit der Spitze nach oben ist doch auch das Zeichen für die Damentoilette, oder?

Wir wollten über den Basar zurück zum Hotel laufen. Leider war dieser geschlossen, Montag muss wohl Ruhetag sein. Vor den Toren der überdachten Stände fand dennoch ein reger Handel statt. Leider wollte hier niemand mit uns Geldgeschäfte abwickeln. Das machte dann zum Glück die Dame an unserer Hotelrezeption, wahrscheinlich auf eigene Rechnung. Sie konnte leider nur 15 US-Dollar wechseln, aber besser als nichts.

Flugroute

Flugroute

Wir fuhren dann mit dem Taxi zum Bahnhof und hatten bis zu unseren Sitzplätzen im Zug handgezählte fünf Fahrkarten- bzw. Passkontrollen. Unser Tagesziel war Taschkent und das wollten wir mit dem Afrosiob, dem ICE Usbekistans, der nach einem früheren König benannt ist, erreichen. Man gab sich hier allerdings alle Mühe zu vermitteln, man befände sich in einem Flugzeug statt einem Zug. Erst wurden Kopfhörer verteilt, dann gab es aus dem Rollwagen für alle eine Kleinigkeit zu essen und zum Schluss wurde noch unsere „Flugroute“ auf den Bildschirmen angezeigt.  Und das Ganze für umgerechnet etwa 12 Euro.

Außerdem gab es noch Hinweisschilder, die darüber informierten, dass man seinen reservierten Platz weder dauerhaft verlassen noch tauschen durfte. In der Tasche am Vordersitz waren Karten mit Notfallplänen zu finden, die nebenbei darüber aufklärten, wieviel Prozent seines Fahrpreises man bei welcher Verspätung zurück erhält. Ab zwei Stunden Verspätung fuhr man umsonst. Bei dem regen Zugverkehr in Usbekistan und der Wichtigkeit des Afrosiob sind wir uns aber ziemlich sicher, dass noch nie Geld für eine Verspätung ausgezahlt werden musste.

Am Bahnhof von Taschkent angekommen, wollten wir den erstbesten Eingang in die Bahnhofshalle nehmen. Das durften wir aber nicht, denn das schien die Abflughalle für alle späteren Fahrgäste zu sein. Wir fanden dennoch einen Ausgang und die Metro, zahlten pro Person 800 Sum (0,25 Euro) für eine einfache Fahrt und wollten nach unten zur Metrostation. Vorher gab es aber noch einen Tisch, an dem zwei Polizisten saßen, die für die Taschenkontrolle zuständig waren.

Als sie uns zu sich winkten, hatten wir schon ein bisschen Angst, dass wir unsere Rucksäcke auspacken müssten. Es ist nämlich jedes Mal wieder Schwerstarbeit, diese so einzupacken, dass sie sich auch schließen lassen. Die beiden fragten aber erstmal nur, woher wir kamen und wollten sich dann über Fußball unterhalten. Sie kontrollierten sicherheitshalber noch unsere Pässe und Visa und versicherten sich, dass uns Usbekistan gefiel und wir verheiratet waren. Dann durften wir auch schon gehen.

Wir fuhren mit der Metro wie auf der Wegbeschreibung unseres Hotels gezeigt war, zwei Stationen, stiegen aus und wollten die Metrostation verlassen. Hier befanden wir uns an einer großen Straße, die abgesperrt war und an der so weit das Auge reichte alle zehn Meter ein Polizist stand. Zu uns kam dann sofort ein Herr mit einem T-Shirt, das ein Wappen mit der Inschrift „Antiterror“ trug. Dieser trug sein Maschinengewehr ganz lässig über der Schulter. In einer Tasche in der Form eines Maschinengewehres, damit es nicht so auffällig ist.

Er schaute auf unseren Zettel und sagte, wir wären an der falschem Station, wir müssten noch eine weiter fahren. Dann ging er. Als wir auf der Treppe stehen blieben und uns umsahen, weil wir ihm nicht direkt glaubten (auf unserer Wegbeschreibung stand ja schließlich was anderes und er wollte uns bestimmt nur loswerden), zeigte uns ein anderer Polizist an, wir sollten bitte wieder zur Metro gehen. Weil wir dem nicht sofort Folge geleistet haben, pfiff er zum Nachdruck in seine Pfeife und wir waren schon verschwunden.

Wir glaubten aber weiterhin nicht, dass wir hier falsch waren, kauften einen Chip für eine weitere Fahrt mit der Metro und wollten nur durch die Station zum Ausgang auf der anderen Seite laufen. Dazu mussten wir natürlich noch mal an einer Taschenkontrolle der Polizei vorbei. Diese Beamten hatten wohl auch nicht richtig Lust darauf, unsere getragen Schlüpfer zu kontrollieren, und beschränkten sich darauf, mit dem Metalldetektor Denis‘ Rucksack abzutasten. Dieser piepte auch laut los, aber auspacken mussten wir trotzdem nicht.

Wir liefen durch die Station und kamen auf der anderen Seite an einem Park heraus. Laut unserem Zettel sollte das Hotel hier irgendwo sein. Wir setzten uns auf eine Bank, um uns auf unserem Stadtplan zu orientieren und schon kamen wieder Polizisten auf uns zu. In der Nähe befand sich nämlich die große abgesperrte Straße. Einer fragte erst, woher wir kämen und wohin wir wollten und zeigte dann in den Park, weg von der Straße.

Dann kamen weitere Polizisten hinzu, die Belagerung der Straße war durch einen Pfiff aufgelöst worden. Ja, die bestätigten die Richtung, immer geradeaus, ohne irgendwie konkret zu werden. Super, die wollten uns also auch bloß loswerden. Aber diskutieren war nicht ratsam, denn wer sind wir schon, die Staatsmacht anzuzweifeln?

Stadion

Stadion

Wir sind also brav in die angezeigte Richtung verschwunden, haben widererwarten nichts gefunden, sind am Rand den Park noch einmal abgegangen, in das Wohngebiet, in dem sich laut unserem Zettel das Hotel befinden sollte und haben dort natürlich auch nichts gefunden. Dann hatten wir die Nase voll, liefen noch mal zum Ende des Parks und nahmen ein Taxi. Wir erwarteten nach etwa anderthalb Minuten am Ziel anzukommen, denn es musste hier ja irgendwo in der Nähe sein.

Tja, wir fuhren dann auch nicht lange, aber lange genug, um zu sehen, dass unsere Wegbeschreibung vollkommen falsch war und wir das Hotel allein nie gefunden hätten. Der erste Polizist hatte übrigens Recht und wir hätten noch eine Station weiter fahren müssen. Wir sind jedenfalls am Ende angekommen, wo wir wollten und haben von unserem Balkon direkten Blick auf das Stadion von Taschkent.

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