Tag 15: Saigon at its best

1. Juli 2012. 11:57 Uhr. Grenze Vietnam – Kambodscha.

Unser letzter Tag in Vietnam begann folgendermaßen: ausschlafen, frühstücken, noch mal ausschlafen. Frühstück gab es nur bis 10:00 Uhr, daher mussten wir zweimal schlafen. Auschecken mussten wir bis 12:00 Uhr und das haben wir auch gut geschafft, nachdem Denis‘ innere Uhr um 11:30 Uhr Alarm geschlagen hatte. Nach dem Auschecken liefen wir ein paar Minuten zu unserem nächsten Hotel. Da wir die Tour von Saigon nach Bangkok mit einer anderen Agentur gebucht bekommen haben, stand heute der Gruppen- und Hotelwechsel an.

Straßenszene in Saigon

Straßenszene in Saigon

Nach dem Einchecken liefen wir erst mal gefühlte zwei Stunden bei gefühlten 52°C zum Postamt, um die Postkarten abzugeben. Briefkästen sind hier nämlich Mangelware und sollen auch nicht sehr zuverlässig sein. Daher sollte man seine Post dringend im Postamt abgeben. Unterwegs gab es noch ein bisschen vom Leben in Saigon zu sehen. Das besteht hauptsächlich aus dichtem Verkehr und vielen Menschen auf den Straßen. Diese sind meist damit beschäftigt, selbstgemachte oder importierte Waren zu verkaufen, an den vielen Garküchen zu essen oder in kleinen Gruppen zusammenzusitzen und sich zu unterhalten oder Spiele zu spielen.

Nachdem wir unsere Post sicher im Postamt aufgegeben hatten, gingen wir auf einen Eiskaffee in ein nahegelegenes Café mit Wi-Fi, um zu beraten, was wir mit dem Rest des Tages anfangen sollten. Die eine oder andere Idee fiel aus finanziellen oder entfernungstechnischen Gründen ins Wasser. Also lag es ziemlich nahe, dass wir zum nächsten Stadion fahren würden. Da dieses nicht mehr auf unserem Stadtplan eingezeichnet und zu Fuß viel zu weit entfernt war, nahmen wir ein Taxi. Trotz anfänglicher Kommunikationsprobleme und nachdem wir fälschlicherweise am Präsidentenpalast abgeliefert wurden, kamen wir schließlich am Thong Nhat Stadion an.

Elektrofachgeschäft

Elektrofachgeschäft

Unterwegs konnten wir eine Stadtrundfahrt durch die Nicht-Touristengegenden genießen und Saigon ein bisschen besser kennen lernen. Es fiel auf, dass in Saigon weitgehende Spezialisierung der Fachgeschäfte in den einzelnen Straßenzüge herrscht. So gibt es Straßen, in denen zehn bis zwanzig Apple-Stores nebeneinander stehen, die hauptsächlich den „Unlock“ von iPhones anbieten. Außerdem fuhren wir durch eine Hochzeitsfachgeschäftstraße mit unheimlich kitschigen Dekoideen, durch eine Apotheken-/Gehhilfen-/Rollstuhlstraße, durch mehrere Elektrostraßen, in denen sich die einzelnen Läden weiter spezialisiert hatten, z.B. auf Fernseher, Kabel, Mikrofone, alles, was leuchtet oder Computermäuse.

Unser persönliches Highlight war allerdings die Mopedteilstraße. Manche Läden verkauften hier Reifen, andere Spiegel, Helme, Karosserieteile oder Sitze. Letztere gab es in allen Farben und Formen. So wussten wir z.B. gar nicht, dass Real Madrid Fanmodepsitze anbietet. Helme gibt es natürlich auch von allem, was Rang und Namen hat – Gucci, Versace, Ferrari, Manchester United, German Technology u.v.m. Ob die entsprechenden Marken davon wissen, sei hier mal dahin gestellt.

Thong Nhat Stadion

Thong Nhat Stadion

Das Stadion sah von außen relativ unscheinbar aus, ein Betonklotz mit Flutlichtmasten. Draußen waren ein paar Leute unterwegs und ein kleines Café war auch vorhanden. Der VIP-Eingang war offen, also gingen wir hinein. Im Aufgang waren einige Schilder, die auf regelmäßig stattfindende Tanz- und Aerobic-Kurse und Preise für Fußmassagen hinwiesen. Oben angekommen stellte sich heraus, dass der VIP-Eingang zu der einzigen mit Sitzschalen ausgestatten Tribüne führte. Die anderen waren voller Stehränge. Ein Traum.

Der Innenraum war an diesem spielfreien Samstagnachmittag gar nicht so leer wie erwartet. Es fand anscheinend ein Trainingsspiel einer Nachwuchsmannschaft statt. Denis hatte die Lage gleich durchschaut: „Das ist doch B-Jugend!“. Und diese war ziemlich groß. Es spielten Elf gegen Elf und draußen warteten noch mindestens fünf weitere Jungs auf ihren Einsatz. Außerdem waren vier Trainer und eine Betreuerin vor Ort. Am Rand standen in Reih und Glied alle Sporttaschen aufgereiht und es gab einen Tisch voller Getränke, Eis und medizinischer Versorgung.

Wir setzten uns erst mal hin, beobachteten das Geschehen und schauten uns das Stadion genau an. Unter unserem Tribünendach waren einige Ventilatoren für warme Spieltage angebracht und in der Mitte der Tribüne gab es einen Block mit gepolsterten Sitzen. Die Anzeigetafel war im Verhältnis Gesamtvolumen/Anzeigefläche kaum zu überbieten und die Zäune zwischen Spielfeld und Tribünen waren weiße Gartenzäune.

Als das Spiel vorbei war, gingen wir weiter. Im Internet hatten wir gesehen, dass sich in der Nähe des Stadions ein „Sports Center“ befinden sollte. Also machten wir uns auf in die Richtung, in der wir dieses vermuteten, tranken aber sicherheitshalber noch einen Eiskaffee in einem Café mit Wi-Fi. Die Richtung stimmte, also weiter.

Nun kamen wir an einem Messegelände vorbei, auf dem gerade die Vietbuild, eine Baumesse, aufgebaut wurde. Direkt gegenüber befand zufälligerweise sich eine Baumarktstraße, in der es hauptsächlich Bauelemente wie Fenster, Türen oder Treppen und Zäune mit dem Qualitätsmerkmal „German Technology“ zu kaufen gab. Ein Fliesenladen wurde ebenfalls gesichtet, genauso wie mehrere Läden, die Sackware im Angebot hatten.

Sports Center

Sports Center

Wir kamen schließlich zu dem gesuchten Sports Center, das sich als riesiges Gelände mit fünf bis sechs Fußballfeldern, gesäumt von einer Pferderennbahn, gesäumt von weiteren Fußballfeldern herausstellte. Da es Samstagnachmittag war, waren alle Felder in Benutzung und auf der Pferderennbahn wurde fleißig gejoggt. Wir gingen auf die einzige Tribüne, die wohl für Pferderennen genutzt wird und hatten einen guten Überblick über das Geschehen. Auf einem Feld gab es ein richtiges Ligaspiel mit Trikots und Schiri und auf einem der Kleinfelder nahe der Tribüne spielten ein paar Jungs in Mannschaften, die sich für einen Außenstehenden nicht richtig erschlossen. Und dafür, dass alle barfuß auf Kunstrasen unterwegs waren, waren sie ganz schön schnell.

Da wir um 18:00 Uhr im Hotel sein mussten, um unsere Gruppe zu treffen, machten wir uns nun auf den Weg zurück. Das stellte sich als eine sehr gute Idee heraus, denn sobald wir im Taxi saßen, begann es zu regnen. Eigentlich wollten wir uns vom Taxifahrer unterwegs absetzen lassen, noch was einkaufen und zu Fuß zum Hotel gehen. Da Regen hier aber andere Ausmaße annimmt als wir es aus Hamburg gewohnt sind, ließen wir uns doch gleich zum Hotel fahren.

Wir lernten unsere Gruppe kennen und sind jetzt zwölf Leute, inkl. zwei Tour Leaderinnen. Die restlichen zehn Personen sind fünf – ich würde sie gern anders beschreiben, kann es aber nicht – Tussis aus England und Australien, ein Paar aus Schottland, ein älterer Typ aus Neuseeland und wir beide. Wir gingen noch zusammen Abendbrot essen und hatten zum Abschluss noch einmal das zweite vietnamesische Nationalgericht Geflügel mit Chili und Lemongras.

Nach dem Abendbrot haben wir noch gelernt, wie einfach und günstig es ist, in Vietnam Antibiotika zu bekommen. Geh einfach in die Apotheke, beschreib, was du hast und du bekommst zehn Tabletten für 50.000 Dong (2 Euro). So viel zum Thema hohe Arzneimittelpreise. Die Dame, die in der Apotheke vor uns dran war, ließ sich einen persönlichen Cocktail aus einzelnen Tabletten in allen Regenbogenfarben mixen, der fachmännisch in ein Tütchen gefüllt wurde und 30.000 Dong (1,20 Euro) kostete.

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