Tag 16: Ankunft am Nordpol

6. August 2017. Törehamn, Schweden.

Bevor es heute auf die Straße geht, wollen wir einen kleinen Spaziergang durch die nördlichste Großstadt der EU unternehmen und schlendern ein bisschen durch Oulus Altstadt. Um die Kauppahalli (Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um eine Markthalle.) herum versammeln sich einige weinrote Holzhäuser mit Restaurants, vor der Halle posieren Touristen mit dem Toripolliisi, der Bronzestatue eines korpulenten Polizisten, und hinter einigen leeren Marktständen ragen die Flutlichtmasten des Raatin Stadions auf. Es ist ein sehr entspannter Sonntagvormittag, den nicht Wenige für einen Spaziergang nutzen.

Kauppahalli

Verlassene Häfen

Zurück auf der Straße, führen uns die ersten beiden Halte zwei weitere Male in kleine Häfen, die nur über eine mehrere Kilometer lange unbefestigte Straße erreicht werden können. Wir wählen diese Wegpunkte nicht bewusst danach aus, dass es Häfen sind, sondern eher nach ihrer Lage und dem Vorhandensein einer Straße direkt an die Küste.

Hafen mitten im Nichts

Dennoch wundern wir uns ein ums andere Mal schon über diese Orte. Sie sind ziemlich abgelegen, selten sind dort Menschen zu sehen, oft einige Autos, einmal sogar ein Restaurant und ein Spielplatz, die beide wirken als wären sie in den letzten Wochen nicht in Benutzung gewesen. Und auch wenn wir nur 15 Grad haben, ist heute ein Sonntag im Sommer. Wann, wenn nicht an diesem Tag, sind hier Leute zugegen?

Eine Fähre

Zum nächsten planmäßigen Halt auf der Insel Karhu empfiehlt Google Maps die Überfahrt mit der Fähre. Von Weitem sehen wir, dass dort, wo aktuell noch die Fähre verkehrt, bereits eine Brücke im Bau ist. Aus nächster Nähe erkennen wir, dass es sich bei der Fähre um ein Holzfloß auf ein paar leeren Tonnen handelt, das manuell über ein Seil von einem Ufer zum anderen gezogen wird. Weil das Floß gerade auf der anderen Flussseite liegt, müsste man mit einem Ruderboot übersetzen, um es zu holen. Nach reiflicher Überlegung entscheiden wir, dass wir unser Auto noch brauchen, und verzichten auf den Stopp.

Fähre. Oder so.

Erstmals auf dieser Reise geht es nun für uns Richtung Westen. Nach einem Umweg über eine Insel, die ein Sägewerk als Betriebsgelände nutzt und uns einen ungefähren Eindruck von der Größe der finnischen Holzindustrie vermittelt, geht es an die schwedische Grenze, denn wir verlassen das Land noch heute.

Näkemiin, Suomi!

Finnland ist ein sehr modernes Land mit einem ziemlich hohen Preisniveau. Die Infrastruktur ist dafür sehr gut und selbst unbefestigte Straße haben selten Schlaglöcher. Der Sommer ist nicht unbedingt die Zeit der touristischen Hochsaison, weshalb es nirgendwo wirklich voll ist. Dennoch ist Finnland im Winter sicherlich auch eine Reise wert.

Die finnische Ostsee ist viel schroffer als wir sie von Süden her kennen. Es gibt nur wenige Sandstrände und vor der Küste sind oft weitläufige Schärengärten zu sehen. Landschaft und Klima sind hier deutlich rauer und können auch mal ungemütlich werden. Vor allem weiter im Norden wird man regelmäßig daran erinnert, dass man fast am Polarkreis ist.

Nun also Schweden. Jedes Land auf der Welt hat – ähnlich einem Ortseingangsschild – eine Tafel, die ankündigt, in welches Land man im Begriff ist, einzureisen. In der EU haben alle Staaten ein blaues Schild mit 12 Sternen und ihren Namen in der Mitte. Außer Schweden. Schweden verzichtet auf diesen Schnickschnack und baut einfach einen IKEA an die Grenze, der ja im Grunde die gleiche Botschaft vermittelt.

Välkommen till Sverige!

Lönneberga

Nur wenige Kilometer hinter der Grenze fahren wir über einige Brücken, die einen tollen Blick auf die Ostsee mit ihren Schären und Felsen bieten, auf die Insel Seskarö in den gleichnamigen Hauptort. Wir sind so entzückt von den vielen roten Holzhäusern, den in den Gärten werkelnden Menschen und der entspannten Dorfidylle, dass wir uns direkt in einen Film von Michel aus Lönneberga versetzt fühlen.

Lönneberga

Es gibt einen Kiosk, der gleichzeitig Post ist, eine kleine Dorfschule, einen Sportplatz und ganz viele Wohnhäuser mit Gärten. Zur perfekten Filmkulisse fehlt einzig der Schuppen, in den sich ein Kind vor seinen prügelnden Vater flüchten kann. Andere Zeiten, andere Bedürfnisse. Glücklicherweise.

Nordpol

Weiter auf engen Straßen an der Küste entlang arbeiten wir uns nach Törehamn vor, wo wir die Nacht in einer Hütte auf dem Campingplatz verbringen wollen. Eigentlich hatten wir vor, zu zelten, aber bei arktischen Temperaturen von 14 Grad hat die Hütte mit der Heizung ein absolut überzeugendes Argument.

Der Campingplatz liegt direkt an der Ostsee und kennzeichnet außerdem einen wichtigen Punkt auf der Weltkarte. Vom Hafen aus ist die Boje bei N 65° 54,07′ E 022° 39,00′ zu sehen, die ganz offiziell der nördlichste Punkt des größten Brackwassermeeres der Welt ist. Für alle, die hier neu sind: Damit ist die Ostsee gemeint. 

Dieser Ort macht uns zum ersten Mal richtig bewusst, wie weit wir schon gekommen sind. Wir haben schon 5.148 Kilometer zurückgelegt und sechs Länder gesehen. Ab sofort befinden wir uns mehr oder weniger auf dem Heimweg, denn so weit wie jetzt werden wir auf dieser Reise nicht mehr von Zuhause entfernt sein.

Boje bei N 65° 54,07′ E 022° 39,00′ – nördlichster Punkt der Ostsee

Der Tag in Zahlen und Fakten

  • Kilometerstand: 5.148 km
  • Heute: 345 km
  • Streckenverlauf:
  • Länder: Finnland, Schweden

Aufgezeichnet mit dem Geo Tracker von geo-tracker.org

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