Tag 16: Überall, wo man hinguckt, ist Gegend!

18. Juni 2011. 17:29 Uhr. Im Zug von Belgrad, Serbien nach Bar, Montenegro.

Idyllisches Örtchen

Idyllisches Örtchen

Die Fahrt von Belgrad nach Bar stellt sich folgendermaßen dar: Gegend, Tunnel, Gegend, Tunnel, Tunnel, Gegend, Bahnhof, Gegend, Tunnel. Mittlerweile sind wir schon durch den 135. Tunnel gefahren. Die Gegend hier ist wunderschön. Gebirge, Flüsse, Seen und hin und wieder mal ein Ort/Örtchen. (Tunnel 136) Viele Ortschaften gibt es nicht und die, die es gibt, sind klein und weit verstreut. Dadurch wirkt hier alles so unberührt, naturbelassen und idyllisch. Ein Traum!

Sehr schnell voran kommen wir allerdings nicht, was bei der Gegend aber auch kein Problem ist. Den letzten Bahnhof haben wir (Tunnel 137) mit einer Verspätung von 105 Minuten verlassen. (Tunnel 138) Na ja, bis 23:30 Uhr können wir in unserem Hotel einchecken (Tunnel 139), also haben wir noch ein bisschen Luft. Planmäßig sollten wir um 20:02 Uhr in Bar sein. (Tunnel 140)

Wir haben uns in den letzten (Tunnel 141) Wagon gesetzt, weil das der einzige ist, in dem man die Fenster öffnen kann – abgesehen vom Bierwagen. Das hat auch zur Folge, dass alle Raucher zum Rauchen in unseren Wagon kommen. Dank der Fenster herrscht aber kein Bodennebel und dank unserer Abteiltür bleibt der meiste Rauch draußen.

Tunnel

Tunnel

Einige der Sechs-Kilometer-Tunnel haben wir schon hinter uns gelassen, mindestens einer kommt noch. Die meisten Tunnel sind zwar nur ein paar hundert Meter lang, aber kalt ist es in allen. Vorhin sind wir mitten auf einer Brücke über einem Fluss stehen geblieben. Die Gegend war zwar echt schön, aber so sehr vertrauenerweckend sah die Brücke nun auch nicht aus.

Vor einigen Jahren betrug die planmäßige Fahrtzeit von Belgrad nach Bar übrigens noch keine zehn Stunden, sondern sieben. Die Verlängerung der Fahrtzeit beruht darauf, dass die Strecke teilweise so marode ist, dass die Geschwindigkeit begrenzt werden musste.

Jetzt stehen wir gerade am ersten Grenzbahnhof. Mal schauen, ob man uns erst aus Serbien raus und anschließend in Montenegro rein lässt.

Noch einige Eindrücke aus Serbien:

Yugo

Yugo

  • Der Yugo ist nach wie vor ein sehr beliebtes, wenn auch nicht ganz komfortables Fortbewegungsmittel.
  • In Belgrad gibt es an jeder Ecke einen Trinkbrunnen. Diese werden auch rege genutzt, um sich frisch zu machen, zu trinken oder leere Flaschen aufzufüllen, obwohl das Wasser hier nur 37 – 50 Dinar (0,37 – 0,50 Euro) pro 0,5-Liter-Flasche kostet.
  • Man ist sich auf den ersten Blick nicht ganz sicher, ob jetzt die kyrillische oder die lateinische Schrift die offizielle ist, da die meisten Dinge (z.B. Straßennamen, Werbung usw.) in beiden Schriften geschrieben sind.
  • Serbien ist nicht so preiswert wie gedacht.
  • Cevapcici sind nur kleine Hackwürste mit rohen Zwiebelstücken. (Tunnel 142)

Unterdessen haben wir beide Gesichtskontrollen bestanden und durften in Montenegro einreisen. Yes!

 

18. Juni 2011. 20:57 Uhr. Immer noch Zug Belgrad-Bar.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Vor fast einer Stunde hätten wir Bar erreichen sollen. Stattdessen haben wir soeben Podgorica mit einer Verspätung von 115 Minuten verlassen. Also noch zwei Stunden bis Bar, falls keine weitere Verspätung dazu kommt.

Nachdem wir sehr lange immer höher ins Gebirge gefahren sind, sind wir jetzt wieder auf dem Weg nach unten. Schade, denn die Aussicht war fantastisch.

Unterdessen haben wir gelernt, dass es Kopfschmerzen gibt, wenn man seinen Kopf zu lange bei „voller Fahrt“ aus dem Fenster hält. Es ist wohl zu laut und zu kalt.

Die Sonne ist schon fast untergegangen und so sieht man von den Bergen nur noch entfernte Umrisse. Die Ruhe hier oben ist auch sehr toll. Diese bekommen wir allerdings nur mit, wenn wir auf einen Gegenzug warten, denn ansonsten ist unser alter jugoslawischer Zug schon sehr laut.

Es ist auch weiterhin beruhigend, dass an fast jedem Bahnhof Männer mit großen Hämmern am Zug entlang gehen, um Klangproben der Rädern zu nehmen. Während die Lok beim Anfahren hin und wieder ein bisschen schwächelt, scheinen wenigstens die Räder der Wagons in Ordnung zu sein.

Unser Zug

Unser Zug

Züge müssen bei den Menschen, die in Orten mit Bahnhöfen leben, eine zuverlässige Einnahmequelle sein. Schon seit Beginn unserer Reise gab es in fast jedem Zug jemanden, der irgendwas verkaufte. Wir hätten schon Sammelkarten mit Bibelsprüchen, Tagebücher, Taschenlampen, Pflaster und vieles mehr in den Zügen auf unserer Reise erwerben können. Seitdem wir in Montenegro sind, kamen schon vier verschiedene Männer durch den Zug gelaufen, die Dosenbier aus Reisetaschen verkauften. Wahrscheinlich dürfen sie nicht einsteigen, wenn sie mit einer Palette Büchsenbier am Bahnsteig stehen. Das Highlight heute war ein Panflötenspieler.

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