Tag 17: Abenteuer auf hoher See

26. Juli 2015. Fähre nach Kobe (Japan).

Unser Tag beginnt um Punkt 7:00 Uhr. Das ist nämlich der Zeitpunkt, an dem über Lautsprecher auf Chinesisch, Japanisch und Englisch das Datum und die Uhrzeit bekannt gegeben werden. Wie praktisch. Wer wüsste nicht gern jeden Tag um 7:00 Uhr, dass es gerade 7:00 Uhr ist? Wenn er Urlaub hat. Und schläft.

 Stillstand

Ein Blick aus dem Fenster zeigt: Nebel, Schiffe, Wasser. Wir liegen noch immer vor Shanghai. Vor dem Hintergrund, dass wir am Vortag am späten Vormittag losgefahren sind, ist das schon sehr deprimierend. Wenn wir wenigstens Aussicht auf eine Insel mit Palmen und einen Strand voller attraktiver junger Menschen in Bikinis und Badeshorts hätten, dann wäre das alles nur halb so schlimm.

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Bekannter Ausblick

Weil dem aber nicht so ist und wir jetzt eh schon mal wach sind, gehen wir frühstücken. Die Mensa schließt nämlich wieder um 8:00 Uhr, der Tag ist streng organisiert. Wahrscheinlich aus einem traumatischen Verdrängungsvorgang heraus kann ich mich nicht mehr an das Frühstück erinnern. Ich weiß nur noch soviel, dass der Saft nicht mal im entferntesten an irgendeine Frucht erinnert hat, und dass es als Beilage Algensuppe gab. Viel mehr brauche ich dazu wohl nicht zu schreiben. (Falls ihr euch wundert: An Bord der Xin Jian Zhen war das Schreiben nicht möglich. Ich hatte genug damit zu tun, nicht brechen zu müssen. Deswegen sind die Beiträge über die Fährfahrt erst später entstanden.)

Weil wir nun sowieso nichts Besseres zu tun haben und die Beschäftigungsmöglichkeiten an Bord eher eingeschränkt sind, gehen wir kurzerhand wieder ins Bett. Schlafen ist schließlich gesund.

Als wir nach ein paar Stunden wieder aufwachen, können wir es kaum glauben: wir fahren. (Heißt das beim Schiff eigentlich „fahren“?) Offenbar haben wir Shanghai bereits länger hinter uns gelassen, denn der Seegang zeigt an, dass wir uns mitten auf dem offenen Meer befinden müssen.

Seegang

Ich befinde, dass es mal Zeit wird, duschen zu gehen und lerne, dass eine Viertelstunde in einem Raum ohne Fenster bei einer durchschnittlichen Wellenhöhe von mindestens vierzehn Metern ausreicht, mich für den Rest des Tages seekrank zu machen. Darauf lege ich mich erstmal wieder ins Bett und versuche, nicht brechen zu müssen. Was erstaunlicherweise funktioniert.

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Lebensretter – an Gemütlichkeit kaum zu überbieten

Später gehen wir an Deck, um frische Luft zu schnappen. Wir beobachten die Bewegung des Wassers und stellen fest: wenn man das Elend kommen sieht, ist es gar nicht so schlimm. Mein Magen kann sich darauf einstellen, dass es nach einer Welle abwärts geht und beruhigt sich ein wenig.

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An Deck. Wasser.

Als ich mir beim Schreiben dieses Beitrags das Video angeschaut habe, das ich vom Wellengang gemacht habe, habe ich vergeblich darauf gewartet, dass diese Monsterwellen endlich auftauchen. Jemand muss sie nachträglich gelöscht haben, denn das Video sieht zwar windig, aber ziemlich entspannt aus. In meiner Erinnerung ging es deutlich welliger zu.

Der Kreislauf des Lebens

Irgendwann gehen wir was essen, weil es eine der wenigen Beschäftigungen an Bord ist. Wir entscheiden uns für etwas, das aussieht wie Ente mit Soße und Reis. Es stellt sich heraus, dass es auch tatsächlich Ente mit Soße und Reis ist. Allerdings ein Teil der Ente, der bei uns eher selten auf den Teller kommt. Wer schon mal Entenhals gegessen hat, weiß was ich meine, wenn ich davon schreibe, dass es eher knorplig und zäh als saftig und zart schmeckt. An einem Tag, an dem man mit dem Magen zu tun hat, ein interessanter Ansatz.

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Kotztüten – obwohl rosa, auch für Jungs.

Da die meisten Mitreisenden ähnliche Magenprobleme haben wie wir, ist die Mensa an diesem Abend ziemlich leer. Deshalb hängen auch an allen Türgriffen Kotztüten und einige Leute über den Mülleimern in den öffentlichen Sitzecken. Außerdem stellen wir fest: es hat nicht immer nur Vorteile, die Kabine direkt neben den Gemeinschaftstoiletten zu bewohnen.

Nachdem ich später ein bisschen Wäsche in der Gemeinschaftswaschmaschine gewaschen und diese an den Geländern in unserem Flur aufgehängt habe, neigt sich der Tag dem Ende zu. Es wird mal wieder Zeit, schlafen zu gehen. Diese ganzen Abenteuer müssen wir erst mal verdauen.

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Bedienungsanleitung für eine chinesische Waschmaschine: Deckel auf, Wäsche rein, Waschpulver rein, Deckel zu, wahllos irgendwelche Knöpfe drücken bis sie anfängt zu waschen. Klappt wunderbar.

Heutige Verbindungen

Xin Jian Zhen Shanghai (ab 25.07.2015, 11:30 Uhr) – Kobe (an 28.07.2015, 10:00 Uhr) / 3.500 Yuan = 516,25 Euro (2 Personen in der First Class, 4er-Abteil)

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