Tag 17: „Das ist der bestimmt nicht. Da steht ja gar kein Springbrunnen!“

03. Juli 2013. Taschkent, Usbekistan.

Wir hatten heute Vormittag etwa 10°C weniger als gestern und vor der Sonne hingen viele Wolken. Es war also ein perfekter Tag für einen Besuch im Park. Ziel war der Alischer Navoi-Park, der nach dem usbekischen Nationaldichter benannt ist. Und da es ja nicht umsonst gewesen sein soll, dass wir neben einem Stadion wohnen, wollten wir auf dem Weg zur Metro einen Abstecher dorthin unternehmen.

Stadion

Stadion

Leider waren die Eingänge verschlossen, sodass wir nicht in das blau-gelbe Rund konnten. Dafür hatte es aber Flutlichtmasten, die ganz stark an ein wunderschönes Stadion im Nordosten Deutschlands erinnern. Wir kamen noch am Haupteingang vorbei, der mit Säulen gearbeitet war und nicht an einen Eingang für eine Sportstätte erinnert. Das schmiedeeiserne Tor davor ebensowenig.

Nach einer Taschen- und Passkontrolle durften wir auch zur Metro und waren zwei Haltestellen später am Alisher Navoi-Park. Im Internet und den Reiseführern steht über Usbekistan, dass man auf jeden Fall immer seinen Pass bei sich tragen sollte, weil die Polizisten gern mal Ausländer grundlos kontrollieren. Das war uns bisher eigentlich noch nicht passiert, mal abgesehen von den Bahnhöfen. Hier in Taschkent ist die Polizeipräsenz allerdings so hoch wie in keiner anderen Stadt Usbekistans. Während wir die Pässe in allen anderen Städten im Hotel ließen, hatten wir diese in Taschkent immer dabei und das war auch besser so.

Palast der Völkerfreundschaft

Palast der Völkerfreundschaft

Laut unserer Karte sollte vor dem Park noch der ehemalige Palast der Völkerfreundschaft stehen. Wir kamen auch tatsächlich an einem großen sowjetischen und verlassenen Gebäude aus der Metrostation, waren uns aber nicht sicher, ob es sich dabei wirklich um den Palast handelte. „Das ist der bestimmt nicht, da steht ja gar kein Springbrunnen!“. Es stellte sich dann heraus, dass es doch der Palast war und sich der Springbrunnen auf der anderen Seite des Gebäudes befand.

Wir liefen durch ein kleines Stück sehr hässlichen Park, der allerdings super zu dem Gebäude davor passte, und kamen zu einem Park, der diesen Namen auch verdient. Vom Eingang aus liefen wir direkt auf Alischer Navoi bzw. dessen Abbild aus Stein zu. Und bereits dahinter war der künstlich angelegte See zu sehen, um den herum der Park angelegt sein sollte.

Park am See

Park am See

Es stellte sich heraus, dass es sich nicht um einen Park in dem Sinne handelt, den wir vermutet haben, sondern um einen Vergnügungspark. Hier jedoch um die schlimmste Sorte Vergnügungspark. Und zwar so einen, dessen Karussells noch original aus Sowjetzeiten stammen und der auch noch den originalen bunten Anstrich hat. Es wurde viel zu laute Musik gespielt, es waren viele Menschen damit beschäftigt, für die Karussells zuständig zu sein und kaum welche, um diese auch zu nutzen. Es bot sich also ein Bild aus alten, bunten Karussells, die in Deutschland wohl teilweise keine Zulassung mehr hätten, viel zu lauter Musik, Angestellten, die sich langweilten und viel zu wenigen Besuchern, um ein Öffnen dieses Vergnügungsparks zu rechtfertigen.

Die einzige gut besuchte Attraktion war ein kleiner Uferteil des Sees, der abgesperrt und mit Sandstrand angereichert war. Wer ein bisschen Strandfeeling wollte, konnte dieses für 2.000 Sum (ca. 0,65 Euro) für einen Erwachsenen, die Hälfte für ein Kind, bekommen. Die Badestelle war allerdings auf etwa 10 mal 10 Metern begrenzt, obwohl der „Strand“ relativ lang war. Natürlich waren auch hier Polizisten vor Ort, die jede Zuwiderhandlung durch Pfeifen unterbanden. Da fällt mir ein interessantes Detail ein: Usbekistan ist eins der beiden „doppelten Binnenländer“ auf der Welt. Das bedeutet, dass es kein Nachbarland hat, das an ein offenes Meer grenzt. Das andere Land ist Liechtenstein.

Vergnügungspark

Vergnügungspark

Wir saßen ein bisschen in einem Café herum und tranken Tee, konnten uns aber nicht zu lange aufhalten, da wir spätestens um 16:00 Uhr am Bahnhof sein mussten. Unser Zug fuhr nämlich um 16:37 Uhr ab und der Check-In endet eine halbe Stunde vor Abfahrt. Wir irrten ein bisschen herum, um die nächste Metrostation zu finden und verloren so etwas Zeit. Wir waren gegen 15:30 Uhr am Hotel, um unsere Rucksäcke zu holen und wollten dann sicherheitshalber mit dem Taxi zum Bahnhof fahren. Denn neben Fahr- und Umstiegszeit in öffentlichen Verkehrsmitteln muss ja in Taschkent auch Zeit für Pass- und Taschenkontrollen eingeplant werden. Und die hatten wir wohl nicht mehr.

Also mit dem Taxi zum Bahnhof, mit Brot und Wasser für die Fahrt versorgt und ab zum Gleis. Unser Zug stand schon länger bereit und wir mussten feststellen, dass wir unser Abteil mit einem Typen und einer Babuschka teilen müssen. Schade, zu zweit im Abteil ist es immer wesentlich gemütlicher.

Nach einer halben Stunde Fahrt erreichten wir auch schon die Grenze. Die Kontrolle für die Ausreise aus Usbekistan war um einiges strenger als die für die Einreise. Es ist wohl wichtiger, was aus- als eingeführt wird. Die Grenzbeamtin machte auf Russisch einen Kommentar, dass unsere Ausweise aussähen wie Bücher. Alle anderen Reisenden in unserem Wagon sind entweder Usbeken oder Kasachen und die haben keinen Pass mit Hardcover. Die kasachische Grenzbeamtin dachte sogar zuerst, dass wir ihr gar nicht unsere Pässe hinhielten.

Mittlerweile haben wir beide Grenzkontrollen hinter uns gelassen und fahren Richtung Almaty. Als die Kontrollen beendet waren, standen wir noch eine Zeit am Bahnsteig. Das war das Zeichen für die fliegenden Händler. Wir konnten ab sofort alles im Zug erwerben, was wir für die Fahrt benötigen würden, Tenge (Kasachisches Geld), Sim-Karten, Wasser, Bier, Wurst und so weiter. Die Händler laufen auch weiterhin über den Gang und sagen, was sie zu verkaufen haben. Die Kinder aus den Nachbarabteilen haben mittlerweile Spaß daran gefunden, die Verkäufer zu imitieren. Ein kleiner Junge rennt seit gefühlt einer halben Stunde den Gang auf und ab und ruft: „Mineralka, Mineralka!“.

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