Tag 17: Wasser und Berge

19. Juni 2011. 17:42 Uhr. Balkon von Zimmer 7 Apartments Tianis, Kotor, Montenegro.

Bar Stanica

Bar Stanica

Mit zwei Stunden Verspätung, aber dennoch früher als erwartet, haben wir gestern Abend Bar erreicht. Laut Fahrplan sollten wir von Podgorica nach Bar anderthalb Stunden brauchen, in Wirklichkeit waren wir nach einer Dreiviertelstunde dort. Irgendwas scheint hier also mit dem Fahrplan nicht zu stimmen. Wahrscheinlich hat man vergessen einzurechnen, dass der Weg bergab führt.

Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch nicht damit gerechnet, am Zielbahnhof angekommen zu sein. Daher hat uns der Schaffner dezent darauf aufmerksam gemacht, indem laut gegen die Wagontür geklopft hat und „BAR! STANCIA!“ nach drinnen gerufen hat. Nachdem wir alles zusammengepackt hatten, stiegen wir aus und mussten feststellen, dass unser Zug länger war als das Gleis und der einzige Weg zur Straße direkt über das Nachbargleis führte. Um diese Uhrzeit war allerdings nicht mehr so viel Verkehr, dass das ein Problem gewesen wäre.

Wir fuhren dann mit dem Taxi zu unserem Hotel, das in einer Orangenplantage lag und wollten einchecken. Die Dame an der Rezeption konnte zwar weder deutsch noch englisch, hat uns aber in unser Zimmer geführt und uns kompetent in die Betätigung der Tür eingewiesen. Diese ließ sich nämlich nur abschließen, wenn die Klinke nach oben gedrückt wurde. Die Frage nach dem Frühstück konnte sie allerdings nicht ganz so kompetent beantworten: „Breakfast is at 7 am.“ – „And how long?“ – „Until 9…or 10…or 11“. Aha. Als wir am nächsten Morgen gegen 9:00 Uhr unten waren, haben wir jedenfalls noch Frühstück bekommen. Auf der Terrasse. Unter Orangenbäumen. Mit Kaffee, O-Saft, Brot, Eiern und Pancakes mit Nutella. Ein Traum.

Da wir nach dem Frühstück nach Kotor aufbrechen wollten, holten wir unsere Sachen vom Zimmer und wollten auschecken. Dabei traten jedoch zwei kleine Probleme auf:

  1. Hatten wir schon bezahlt? Im Internet ist es zwar möglich und bei einigen Hotels auch Bedingung, dass man vorher per Kreditkarte zahlt. Aber bei den ganzen Hotels, die wir schon lange im Voraus gebucht hatten, haben wir den Überblick verloren. Die Lösung: Wir hatten natürlich noch nicht gezahlt.
  2. Geht das auch per Kreditkarte? Natürlich nicht! Und selbstverständlich hatten wir auch kein Bargeld dabei. Die Lösung: Ein Taxi musste her. Die Dame an der Rezeption hat dem Taxifahrer dann erklärt, zu welchem Geldautomaten er uns fahren musste. Also fuhren wir dorthin, holten Geld, fuhren mit dem Taxi erst zurück zum Hotel und nach dem Bezahlen gleich weiter zum Busbahnhof.

    Bus nach Kotor

    Bus nach Kotor

Da wir unsere Koffer weder im Hotel noch am Busbahnhof abstellen konnten, beschlossen wir, gleich weiter nach Kotor zu fahren. Eine halbe Stunde später fuhr dann auch schon ein Bus. Also noch ein Käffchen und ab dafür.

Unser Bus hatte anscheinend schon seine besten Tage hinter sich. Reifenprofile sollen ja eh vollkommen unnötig sein und die Gegend kann man auch viel besser genießen, wenn es bergauf nicht schneller geht als mit 25 Kilometern pro Stunde. Es war jedenfalls eine sehr schöne Busfahrt, auf der wir viele hübsche Orte, viel Gebirge und viel Wasser sehen konnten. Und den Flughafen von Tivat, der ein bisschen an Lübeck-Blankensee erinnert, aber nicht ganz so professionell eingerichtet ist.

Gegen 13:00 Uhr, nach zwei Stunden Fahrt für 60 Kilometer, erreichten wir dann Kotor. Mit dem Taxi zum Hotel und nachdem unsere Taxifahrerin nach einigem Hin und Her den 20-Euro-Schein wechseln konnte, konnten wir auch schon einchecken. Ich mag es, wenn Hotelbesitzer sagen: „Unser größtes Apartment ist heute Nacht frei und ihr seid ja nur einen Tag hier. Also ist es das einfachste, wenn ihr heute das große Apartment nehmt!“. So haben wir nun ein ca. 40-Quadratmeter-Apartment mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche und einem riesigen Balkon. Letzterer wird heute Abend selbstverständlich auch noch genutzt. Käse und Wein stehen schon bereit.

Altstadt von Kotor

Altstadt von Kotor

Zuerst sind wir aber in die Altstadt von Kotor gegangen, die noch von ihren originalen Stadtmauern umgeben ist und die man nur durch ein paar alte Tore erreicht. Die Altstadt ist wunderschön. Die Häuser sind alle alt (Überraschung), aber gut erhalten, die Gassen sind eng und es wimmelt vor kleinen Restaurants und Boutiquen. Außerdem ist es sehr angenehm, dass hier nicht so viele Urlauber umher laufen.

Kommt man aus der Altstadt heraus, so läuft man direkt auf einen kleinen Hafen zu, wo einige Segelboote und Yachten liegen. Das Highlight ist eine riesige vierstöckige Yacht von den Cookinseln mit eigenem Beiboot. Die Damen und Herren, die darauf unterwegs waren, haben Ihren Stadtführer übrigens in einer Limousine vorfahren lassen. Außerdem waren noch eine große Yacht aus Malta zu sehen und eine etwas „kleinere“ aus einem Land, dessen Flagge wir noch nicht zuordnen können. [Es war ein Schiff aus „St. Vincent und die Grenadinen“.] Letztere hatte eine eigene Fußmatte mit dem Namen des Schiffes drauf. Wahrscheinlich, damit man nicht versehentlich auf das falsche Boot steigt.

Wir sind dann eine Weile am Wasser spazieren gegangen und haben ein paar Mal die Füße ins Wasser gehalten – einmal mit, einmal ohne Sandalen. Die Bucht von Kotor ist der Hammer. Klares Wasser, riesige Berge in der Umgebung, überall Badestellen, Boote, Restaurants, ein Beachclub. Echt toll. Die ganze Zeit ist ein großes Partyboot hin und her gefahren, auf dem laute Musik gespielt wurde und viele Menschen getanzt haben.

Hauptstraße in Kotor

Hauptstraße in Kotor

Ich sitze gerade auf dem Balkon, während Denis im Wohnzimmer auf der Couch liegt und knackt. Vom Balkon haben wir einen tollen Blick auf die Altstadt und den direkt dahinter liegenden Berg. Ich frage mich gerade, warum man auf einem Berg, der ca. 80 Prozent Steigung hat und sehr felsig wirkt, ein Gebiert durch Mauern abtrennt. Echt seltsam, da kommt so schon kein Mensch hoch. Ich will mir auch gar nicht vorstellen, was das für eine Schweinearbeit war, die ganzen Steine nach oben zu schleppen.

Auf der Terrasse unter uns hat sich jetzt eine Gruppe Amerikaner niedergelassen, die laut redet und lacht. Ich glaube, ich werde gleich mal Denis wecken. Wir wollen nämlich noch in der Altstadt oder am Wasser essen gehen und ich habe langsam Hunger.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.