Tag 18: Begegnungen mit Meeresfrüchten und Chinesen

27. Juli 2015. Fähre nach Kobe (Japan).

Heute dürfen wir ausschlafen. Die obligatorische Ansage von Uhrzeit und Datum erfolgt nämlich erst um 7:30 Uhr. Wir sind aus dem Häuschen und machen uns sogleich auf zum Frühstück. Heute ist der Tag, den wir aufgrund der Taifunwarnung zusätzlich auf See verbringen, weshalb es heute Frühstück, Mittag und Abendbrot in der Mensa umsonst gibt. Überraschenderweise begegnen wir dort vielen Menschen, die wir die letzten beiden Tage noch nicht gesehen haben.

Begegnungen mit Meeresfrüchten und Chinesen

Wir haben eine ruhigere Fahrt, der Seegang hat stark nachgelassen und die Sonne scheint den ganzen Tag. Gegen Mittag sehen wir die ersten Inseln, die nahelegen, dass wir uns bereits in der Nähe Japans befinden müssen. Es geht voran, die Stimmung ist gut.

15 Shanghai - Kyoto (87)

Land in Sicht

An Deck ist es heute etwas voller als am Vortag, obwohl die meisten anderen Passagiere eher Stubenhocker zu sein scheinen und sich in ihren Kabinen verkriechen. Ich bin ohne Denis dort und kann zuerst Quallen, später fliegende Fische und schließlich sogar einen kleinen Hai beobachten. Kaum zu glauben, dass wir uns auf dem gleichen Gewässer befinden, das am Vortag sehr hart daran gearbeitet hat, dass sich möglichst viele Leute übergeben müssen.

Irgendwann kommt ein junger Chinese auf mich zu, der mich schon länger auffällig unauffällig beobachtet hat und fragt mit Handzeichen, ob er ein Foto mit mir machen könnte. Ich bin ein wenig verwirrt, will noch fragen warum, spare mir die Frage, weil ich eh keine Antwort erwarten kann, die ich verstehe, und stimme schließlich zu. Seitdem hoffe ich inständig, dass ich nicht auf dem Facebook-Profilbild eines Chinesen zu sehen bin, das den Titel „Meine neue Freundin und ich“ trägt.

Als kulinarisches Highlight hat der Tag heute etwas zu bieten, das in Reisteig eingewickelt ist, mit Bindfäden zusammengehalten gehalten wird und schmeckt wie kalte Füße. Ihr seht, es passiert eine Menge an Bord der Xin Jian Zhen.

Japan

Später gibt es eine Durchsage, nach der alle ganz aufgeregt an Deck laufen und sich auf den besten Aussichtsplätzen versammeln. Kurze Zeit später durchqueren wir nämlich die Kammon-Brücke und fahren damit erstmals in japanische Gewässer ein. Bis Kobe ist es zwar noch eine Nacht, aber immerhin ist Japan bereits zum Greifen nah. Na ja, zumindest sieht man es.

15 Shanghai - Kyoto (94)

Nachdem wir die Brücke hinter uns gelassen und die anderen Passagiere das Deck wieder verlassen haben, bleiben wir oben und wollen uns noch ein wenig die Gegend anschauen. Nachdem wir zwei Tage lang nur Smog und Wasser gesehen haben, ist es doch mal eine angenehme Abwechlung, von Festland umgeben zu sein. Leider werden wir nach kurzer Zeit nach unten komplementiert, weil die Crew das Deck schrubben muss, was natürlich nur geht, wenn keiner im Weg steht.

Obwohl wir es auf langen Zugfahrten gewohnt sind, wenig Beschäftigungsmöglichkeiten zu haben und auf der Xin Jian Zhen deutlich mehr Bewegungsfreiheit vorhanden ist, zieht sich die Zeit unerträglich lang hin. Das liegt wahrscheinlich daran, dass man aus unserer Kabine nicht bequem rausgucken kann und draußen hauptsächlich nichts zu sehen ist. Also sollten wir uns das mit der geführten Mittelmeer-Gruppenreise auf der AIDA nächstes Jahr nochmal überlegen. [Muss ich erwähnen, dass das ironisch gemeint ist? Ich weiß es nicht genau. Aber sicher ist sicher: Wir wollen das nicht wirklich machen. Dieser Satz ist nur ein Stilmittel, um zu verdeutlichen, dass Schifffahren nicht so viel Spaß macht wie Zugfahren.]

Der Abend klingt in der Mensa mit Bouletten und Pommes aus. Oder so was ähnlichem. Was entfernt damit verwandt ist. Oder so. Es ist jedenfalls Hackfleisch im Spiel. Hoffen wir.

Heutige Verbindungen

Xin Jian Zhen Shanghai (ab 25.07.2015, 11:30 Uhr) – Kobe (an 28.07.2015, 10:00 Uhr) / 3.500 Yuan = 516,25 Euro (2 Personen in der First Class, 4er-Abteil)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.