Tag 18: Lass mich an deinen Füßen knabbern!

3. Juli 2012. 21:29 Uhr. Zimmer 306, Bun Seda Angkor Villa. Siem Reap, Kambodscha.

Heute Morgen ging es zeitig los, denn von Phnom Penh nach Siem Reap sind es etwa 400 Kilometer. Und diese sind in einem Land ohne Autobahn nicht mal eben in drei Stunden erledigt. Von Hotel zu Hotel benötigten wir etwa acht Stunden.

Gegenverkehr

Gegenverkehr

Dafür war die Fahrt aber auch ziemlich spannend. Nachdem wird aufgebrochen und eigentlich alle Sitzplätze belegt waren, hielten wir noch ein paar Mal, um weitere Fahrgäste einsteigen zu lassen. So kam es, dass zwischenzeitlich bis zu fünf Personen in dem Teil des Busses neben dem Fahrer standen, der Zuhause meist mit „Kein Stehplatz vor der Schranke“ oder so ähnlich markiert ist.

Die Straßen waren außerorts gar nicht so schlecht – meist befestigt, mit einer Spur in jede Richtung und mit gar nicht so vielen Schlaglöchern. Innerorts sah das schon anders aus. Da waren die Straßen meist unbefestigt, es gab Schlaglöcher in der Größe von Toilettendeckeln und am Rand standen Autos und Verkaufswagen, die die Straße zusätzlich verengten. In einigen Orten gab es etwa einen Meter unter dem Niveau der befestigten Straße unbefestigte Seitenstreifen für die Mopeds, was die befestigte Straße natürlich weiter verengte.

Häuser auf dem Weg nach Siam Reap

Häuser auf dem Weg nach Siem Reap

Zu sehen gab es unterwegs Holzhäuser auf Stelzen, ein Holzfachgeschäftdorf, in dem sich mindestens zwanzig Holzfachgeschäfte direkt aneinander reihten, viele Obstmärkte, Wagen am Straßenrand, die geräucherte (?) Enten oder rohes Fleisch verkauften, Entenauslaufgehege, Kühe, tropisches Gehölz und vieles mehr. Der größte Teil der Gegend bestand allerdings aus Reisfeldern.

Irgendwann hat es dann angefangen zu regnen. Der Fahrer schien das allerdings erst nach zehn Minuten gemerkt zu haben, denn so lange blieben die Scheibenwischer aus. Als sie eingeschaltet wurden, bekam das aber der ganze Bus mit. Dieses liebliche Quietschen konnte man einfach nicht überhören. In dieser Situation fiel uns auch zum ersten Mal auf, dass wir einen Steinschlag auf der Scheibe hatten.

Der Rest der Fahrt verlief ganz normal: hupen, überholen, wo es möglich ist, überholen, wo es nicht möglich ist, hupen und vor allem ruhig bleiben.

Busbahnhof Siam Reap

Busbahnhof Siem Reap

Gegen 15:15 Uhr erreichten wir den Busbahnhof Siem Reap. Oder besser gesagt, den Matschplatz, auf dem die Busse abgestellt werden. Zum Glück standen schon genug Tuk-Tuks bereit, um alle Leute zum Hotel zu bringen. So hatten wir noch eine kleine Stadtrundfahrt durch Siem Reap, das in der Nähe des Busbahnhofes echt verlassen wirkte. Das einzige Highlight hier war ein Van, der vier Mopeds geladen hatte, die zur Hälfte aus dem Kofferraum schauten. Was lernen wir daraus? Alles passt in einen Van, wenn man nur fest genug drückt und ein paar Tüddelbänder verarbeitet. Das Prinzip ist das gleiche wie bei den Mopeds in Vietnam.

Dann kamen wir in eine belebtere Gegend, in der sich die Einheimischen aufhielten, wo es Märkte und weitere Fachgeschäfte gab, z.B. einen Fahrradladen, vor dem mindestens hundert Fahrräder herumstanden. Irgendwann überquerten wir einen Fluss und waren im Touristenviertel gelandet. Hier gab es „richtige“ Läden, französische Kolonialbauten und Hotels. Trotzdem ist es sehr nett hier. Siem Reap ist viel kleiner als Phnom Penh und wirkt daher um einiges übersichtlicher und angenehmer.

Siam Reap

Siem Reap

Wir machten einen kleinen Orientierungsspaziergang durch das Touristenviertel, kamen an ein paar Krokodillederläden vorbei und gingen schließlich in der Gruppe essen. Hier hatten wir als Vorspeise frittierte Samosa (Stampfkartoffeln und Bohnen im Teig) und einen Mango-Shrimps-Salat. Als Hauptgericht hatte Denis Khmer-Geflügel auf grünem Blattgemüse und ich Geflügel und Ananas in Kokossauce.

Nach dem Essen gingen wir zu zweit auf den Nachtmarkt, von dem wir ein bisschen enttäuscht waren, weil er zu 80 Prozent aus Ständen bestand, die alle das gleiche verkauften: T-Shirts, Schals und/oder Taschen. Schade, aber wir waren ja schließlich im Touristenviertel. Es gab auch ein paar Stände, die Schmuck und Bilder verkauften und einige, die Massagen anboten.

Fischmassage

Fischmassage

Da wir schon an mehreren Fischmassageaquarien vorbei gegangen waren, waren wir neugierig geworden und wollten das auch einmal ausprobieren. Für zwei US-Dollar (1,60 Euro) pro Person inkl. Getränk war das auch drin. Also gingen wir an so einen kleinen Pool, auf dessen Rand man sitzen konnte, Schuhe aus und ab dafür. Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: die Fische haben Hunger und fressen am liebsten tote Haut vom Fuß. Zuerst kitzelte das ganz unangenehm an den Füßen, weshalb Denis sich mit den Fischen auch nicht so gut anfreunden konnte und immer nur einen Zeh oder Hacken ins Wasser gehalten hat. Ich fand das nach einer Zeit ganz angenehm, weil es sich anfühlte, wie Mineralwasser mit Kohlensäure. Ob es Zufall war, dass gerade bei mir zwei Fische mit dem Bauch nach oben schwammen, möchte ich an dieser Stelle mal nicht beurteilen. Nach etwa zwanzig Minuten merkte ich, dass die Fische fertig waren mit der toten Haut, denn einer fing an, meine gesunde Haut vom Zeh zu knabbern. Der ist jetzt rot und brennt. Ansonsten ist es im Nachhinein aber sehr angenehm an den Füßen.

Nach der Massage gingen wir in einen Supermarkt, um eine Kleinigkeit zu Essen für morgen zu besorgen. Dann fahren wir nämlich um 5:00 Uhr zur Tempelanlage Angkor Wat, um den Sonnenaufgang anzuschauen. Gute Nacht!

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