Tag 18: „Zug hält an allen Unterwegsbahnhöfen!“

4. Juli 2013. Almaty, Kasachstan.

Die Fahrt gestaltete sich recht langwierig. Landschaftlich gab es wenig Highlights – hauptsächlich Wüste, hin und wieder mal ein paar Pferde. Der komische Typ nahm auf Denis‘ Liege mit Platz, um sich mit der Oma zu unterhalten und diese hatte hin und wieder Besuch von anderen Omas. So lag ich auf meiner Liege oben und Denis saß auf seiner quer darunter und wir warteten auf die Ankunft.

Gegend

Gegend

Gut vorbereitet wie wir (Denis) sind, hatten wir auch einen Zuglauf parat und wussten, dass wir mittlerweile 50 Minuten Verspätung hatten. Im Laufe des Tages ist uns das Gefühl für die Verspätung allerdings abhandengekommen. Wir haben nämlich an jeder Milchkanne in der Wüste gehalten, von denen natürlich keine beschildert war. Und so konnten wir nur ahnen, wo wir waren und wie lange es noch bis Almaty dauern würde.

Man muss sich die Halte so vorstellen, dass weit und breit nur Wüste war, zu einigen „Bahnhöfen“ führte sogar eine unbefestigte Straße. Dort ist weder jemand aus- noch eingestiegen. Es war also so ähnlich wie mit dem Zug durch Vorpommern zu fahren, nur dass hier unterwegs keine Bäume standen. Bei der Deutschen Bahn hätte an der Abfahrtstafel gestanden: „Zug hält an allen Unterwegsbahnhöfen“. Auf dieser Strecke waren es etwa dreißig, wir sind nicht ein einziges Mal eine Stunde am Stück gefahren.

Da es von der Fahrt also relativ wenig zu berichten gibt, gibt es hier nochmal einen kleinen Rückblick auf Usbekistan:

Bahnübergang

Bahnübergang

Usbekistan ist kein Land, vor dem man als Reisender Angst haben muss. Nicht nur weil (oder obwohl?) viel Polizei unterwegs ist, auch weil man sich nie bedroht fühlt und die Leute meist sehr nett sind. Da sich hier die Tourismusindustrie zumindest in den kleineren Orten noch nicht entwickelt hat, gibt es wenig Touristenkitsch und Abzocke.

Sollten wir irgendwen überzeugt haben, einmal nach Usbekistan zu reisen, dem sei gesagt, dass er auf jeden Fall Desinfektionsmittel für die Hände und Durchfalltabletten braucht, am besten aus Deutschland. Außerdem muss man hier schon mal ein bisschen schmerzfrei bzgl. der Hygiene sein können. Im Zweifel gilt: „Augen zu und durch“. Man kann halt nicht damit rechnen, dass es in allen Ländern auf der Welt so hohe Standards gibt wie bei uns.

Die Orte, die wir auf der Seidenstraße bereist haben, sind auf jeden Fall sehenswert, die Bauwerke beeindruckend. Über welche großen Flächen Muster mit bunt glasierten Steinen gestaltet wurden, ist unbeschreiblich. Uns haben die kleineren Ort Chiva und Buchara am besten gefallen, weil es hier sehr gemütlich zuging und nicht so viele Touristen zugegen waren. Das könnte allerdings daran liegen, dass wir wohl zur Nebensaison gereist sind. In unseren Hotels waren wir immer (fast) die einzigen Gäste, abgesehen von Taschkent, aber das ist ja auch die Hauptstadt. Die Restaurants, Teehäuser und Unterkünfte waren jedenfalls für mehr Besucher ausgelegt und in Reiseführern wird als optimale Reisezeit April bis Mai und August bis September angegeben. Wir waren im Juni und Juli unterwegs.

Gegend

Gegend

Die Reise durch das Land mit dem Zug hat sich als optimal herausgestellt. Denn auf den Wegen von den Bahnhöfen, die meist außerhalb oder in Nachbarorten lagen, zu den Hotels konnten wir die katastrophalen Straßenverhältnisse aus nächster Nähe erleben. Nicht nur, dass viele Straßen unbefestigt sind, auch auf den befestigten hangelt man sich von einem Schlagloch zum nächsten. Das passiert im Zug nicht. Der bremst vielleicht hin und wieder mal etwas härter, aber grundsätzlich hat man hier eine ruhige Fahrt. Außerdem sieht man so am meisten vom Land und lernt am schnellsten Leute kennen.

In Usbekistan fahren die meisten Leute entweder einen Kleinbus, von denen zwei nebeneinander auf eine Spur passen oder einen weißen Matiz, wahlweise von Chevrolet oder Deawoo. Daewoo ist der einzige Autobauer, der in Usbekistan produziert.

Man muss als Tourist wissen, dass Usbekistan ein autoritär geführtes Land ist. Islam Karimow ist seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion Präsident, war es auch vorher schon und bleibt es wohl noch länger, obwohl verfassungsgemäß eine Person nur zwei Wahlperioden hintereinander Präsident sein darf. Entsprechend sollte man nicht öffentlich den Präsidenten kritisieren und mit Polizisten so umgehen, dass daraus keine Probleme entstehen. Sprich, dem Folge leisten, was sie sagen und nicht diskutieren, was aufgrund der Sprachkenntnisse sowieso schwierig werden könnte.

Ankunft in Almaty

Ankunft in Almaty

So, Usbekistan Ende, Kasachstan Anfang.

Wir sind jedenfalls pünktlich in Almaty 1 angekommen, dort aber ohne erkennbaren Grund verspätet abgefahren. So kamen wir auch zu spät in Almaty 2 an, wo wir aussteigen mussten. Da von unserem Usbekistan-Budget noch etwas übrig geblieben ist, haben wir am Bahnhof ein paar Dollar in Tenge gewechselt und sind mit dem Taxi zum Hotel gefahren.

Auf dem Weg dorthin haben wir viele Leute am Straßenrand stehen sehen, die mit ihren Schlüsseln gewedelt haben. Das ist wohl das nationale Zeichen dafür, dass sie nach Hause mitgenommen werden wollen. Unser Hotel liegt mal wieder in einem Hinterhof und wir haben den Haupteingang erst für einen Dienstboteneingang gehalten. Unser Zimmer und das Bad sind aber sehr neu, sauber und modern. Und morgen kann es auch losgehen mit der Erkundung von Almaty.

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