Tag 19: Eine Maus, große Bäume und viele alte Steine

4. Juli 2012. 22:38 Uhr. Zimmer 302, Bun Seda Angkor Villa. Siem Reap, Kambodscha.

Unsere Nacht endete heute Morgen um 2:30 Uhr als irgendsoein blöder Köter anfing, direkt unter unserem Fenster herum zu heulen. Man muss dazu noch erwähnen, dass Fenster in dieser Region keinerlei lärmschützende Funktionen haben, sondern lediglich dazu dienen, den Raum von der Außenwelt zu trennen.

Als das Konzert nach etwa einer halben Stunde vorbei war, wollte ich eigentlich nur kurz auf die Toilette gehen und dann weiter schlafen. Ich stand also auf, ging ins Bad, schloss die Tür und schaltete das Licht an — und etwas lief panisch durch den Raum und quiekte sehr beunruhigt. Wir hatten eine Maus im Zimmer.

Da ich nun ebenfalls panisch wurde, wusste ich keine bessere Lösung als die Badtür zu öffnen und unseren Gast im Dunkel unseres Zimmers verschwinden zu lassen. Wir hörten sie immer wieder herumlaufen und an unserem Essen rascheln, das wir dann in einem Schrank versteckt haben. Die Nacht war damit aber trotzdem beendet. Zum Glück mussten wir sowieso um 4:30 Uhr aufstehen.

Die beiden Schotten aus unserer Gruppe hatten ebenfalls Besuch und so durften wir heute in ein anderes Zimmer ziehen, leider waren die Doppelzimmer alle belegt und so blieb uns nur ein Zweibettzimmer übrig. Bleibt zu hoffen, dass das neue Zimmer mäusefrei ist oder niemand heute Nacht auf die Toilette muss.

Buddha-Gesicht in Angkor

Buddha-Gesicht in Angkor

Wir brachen jedenfalls pünktlich um 5:00 Uhr auf Richtung Angkor. Angkor ist ein etwa 400 Quadratkilometer großer Tempelkomplex und war vom 9. bis zum 15. Jahrhundert das kulturelle Zentrum des Khmer-Reiches. Angkor Wat ist der größte Tempel des Komplexes und das Wahrzeichen Kambodschas. Er ist auf der Nationalflagge, auf dem Geld, eine Biermarke und auch sonst fast so allgegenwärtig wie Ho Chi Minh in Vietnam.

Damit am Eingang niemand schummeln konnte, wurde jeder einmal fotografiert und erhielt seine personalisierter Eintrittskarte mit Foto. Dass die uns überhaupt rein gelassen haben, so wie wir um diese Uhrzeit aussahen, können wir immer noch nicht ganz nachvollziehen.

Wir fuhren mit unserem Kleinbus und einem kambodschanischen Reiseführer weiter zum Tempel von Angkor Wat und bekamen am Eingang noch eine ganze Menge Informationen aufgetischt. Spätestens da war klar, dass das heute ein sehr anstrengender Tag werden würde. Unser Tour Guide wusste nämlich alles, was über Angkor Wat bekannt ist, und war fest entschlossen, uns an seinem gesamten Wissen teilhaben zu lassen.

Angkor Wat vor Sonnenaufgang

Angkor Wat vor Sonnenaufgang

Es war schon fast hell als er mit dem ersten Vortrag fertig war und wir endlich weiter gehen konnten. Wir setzten uns an einen kleinen künstlichen See vor dem Tempel und warteten mit etwa 200 weiteren Leuten auf den Sonnenaufgang, der sich allerdings hinter den Wolken abspielte und nicht zu sehen war. Trotzdem war es sehr schön, den Tag auf dem Gelände anbrechen zu sehen.

Anschließend gingen wir aber nicht etwa hinein, sondern erst mal frühstücken. Denn wenn es ums Essen geht, sind die Khmer ungefähr genauso tolerant wie die Vietnamesen, nämlich gar nicht. Als alle versorgt waren, fuhren wir zum Angkor Thom, der größten Stadt der Welt im 12. Jahrhundert, als hier mehr als eine Million Menschen lebten.

Bayon

Bayon

Wie Angkor Wat war auch Angkor Thom von einer sehr hohen Stadtmauer und einem Fluss umgeben. Also über die Schlangen-Buddha-Brücke, durch das Stadttor und man sah… absolut nichts außer Wald. Da Stein als Baumaterial den religiösen Bauwerken vorbehalten war und Holzhäuser nicht allzu langlebig sind, hat der Wald das Gebiet zurück erobert und von einer frühen Khmer-Siedlung war hier nichts mehr zu erahnen.

Daher fuhren wir mit dem Bus weiter ins Innere der Stadt zum zweitgrößten Tempel Angkors, Bayon. Dieser hat 54 Türme, von denen jeweils vier Gesichter Buddhas in alle Himmelsrichtungen schauen. Alle Teile des Tempels sind reich verziert mit Symbolen, Menschen und Tieren und die Verzierungen bereits verwittert. Das schafft ein tolles Ambiente.

Buddha sieht alles

Buddha sieht alles

Der ursprünglich buddhistische Tempel wurde irgendwann mal von einem hinduistischen König erobert. Das hieß, dass alle Buddhas, die sich entfernen ließen, entfernt wurden. Allen anderen wurde ein drittes Auge auf die Stirn gemeißelt. Sie wurden firtan „Shiva“, nach einer hinduistischen Gottheit, genannt. Da Buddha meist im Schneidersitz sitzt, Shiva aber nicht, bekamen alle Buddha-Statuen, bei denen es möglich war, ein weiteres Paar angewinkelte Beine. Das erste musste man sich dann halt wegdenken.

Als wir auf den Tempel stiegen, fiel uns auf, dass die Stufen ziemlich hoch und steil waren. Da die Khmer nicht die größten sind und die Menschen vor 800 bis 900 Jahren ja noch kleiner waren, fragten wir den Guide, was es damit auf sich hätte. Dieser erklärte uns dann, dass Tempel ursprünglich gebaut wurden, damit die Menschen ihrem Gott näher kommen konnten. Dieser lebt schließlich im Himmel und der ist ziemlich weit entfernt. Und da man dem Himmel normalerweise nur näher kam, indem man einen Berg bestieg, der für gewöhnlich hoch und steil ist, hat man den Tempel diesem nachempfunden und ihn ebenfalls hoch und steil gebaut.

Auf der Pagode

Auf der Pagode

Anschließend liefen wir zu einer Pagode, die auch über hohe, steile Stufen bestiegen werden konnte. Das aber auch nur, wenn Knie und Ellenbogen bedeckt waren. Diese Regel gilt für die meisten buddhistischen Gotteshäuser. In manchen Pagoden sind die Regeln sogar so streng, dass schwangeren Frauen der Zutritt verwehrt wird. Aber wir waren nicht schwanger und hatten etwas zum Überziehen dabei, also durften wir aufsteigen. Da die Sonne nicht schien, war das auch ganz okay, aber warm war es trotzdem. Von oben hatten wir einen tollen Ausblick auf die Pagode, deren Vorbau und den umgebenden Wald.

Danach liefen wir noch ein Stück, sahen einen weiteren kleinen Tempel, das Gebiet, auf dem der Königspalast stand und zwei Pools, deren künstliche Ufer schon etwas lädiert aussahen. Einer Legende nach soll dort nämlich Gold vergraben sein und danach hat schon der eine oder andere Glückspilz erfolglos gegraben. Außerdem waren wir noch an den Elefantenterrassen, die mit Elefanten und anderen Tieren dekoriert sind. Sie sind dem hinduistischen Gott Vishnu gewidmet und ihr Bau dauerte etwa 30 Jahre.

Ta Prohm

Ta Prohm

Eigentlich waren wir an dieser Stelle schon fertig, konnten keine Informationen mehr aufnehmen und wollten nur noch ins Bett. Unser Reiseleiter hatte aber andere Pläne und so fuhren wir weiter zu Ta Prohm, dem Tempel, in dem zum Großteil der Tomb Raider-Film gedreht wurde. Dieser Tempel war absolut beeindruckend, weil er zum Teil eingefallen und bewachsen war. Und zwar nicht mit irgendwelchen Gräsern und Büschen, sondern mit Bäumen, und zwar mit richtigen Bäumen. Diese hatten Wurzeln, die größer waren als manche Bäume und sich durch die Tempel wanden, mit den Steinen verwuchsen und ein unbeschreibliches Ambiente bildeten.

Da es nun schon 12:00 Uhr war, mussten wir unbedingt was essen gehen. Anschließend fuhren wir zurück zum Angkor Wat, wo wir den Hintereingang nahmen. Dieser war viel ruhiger, grüner und viel weniger besucht als der Haupteingang. Auf dem Weg zum Tempel saßen einige Affen und warteten darauf, dass die vorbei kommenden Touristen der Futterverkäuferin etwas abkauften, um sie (also die Affen) zu füttern.

Hintereingang von Angkor Wat

Hintereingang von Angkor Wat

Im Inneren des Tempels bekamen wir riesengroße Wandbilder zu sehen, die alle fein säuberlich in den Stein gemeißelt worden waren. Wir bekamen auch die Geschichten dazu erzählt. Der Reiseführer hatte aber bereits zu viel gesabbelt, als dass wir wirklich zuhören geschweige denn davon noch etwas aufnehmen konnten.

Als der Vortrag beendet war, stiegen wir weiter den Tempel hiauf, sahen uns ein wenig um und kletterten weiter. Um ganz nach oben zu gelangen, mussten wieder die Ellenbogen bedeckt werden, was in der heißen Nachmittagssonne nun nicht mehr ganz so angenehm war. Das war es aber auf jeden Fall wert, denn wir bekamen einen wunderbaren Ausblick auf die Vorbauten des Tempels und die Umgebung.

Dann reichte es aber auch mit alten Tempeln und unserem Tour Guide und wir waren froh, wieder im Bus Richtung Hotel zu sitzen. Dort angekommen, bezogen wir unser neues Zimmer und fielen umgehend ins Bett.

Das war etwa gegen 15:00 Uhr. Aufgewacht sind wir vom Wecker um 18:45 Uhr, weil wir um 19:15 Uhr zum Group Dinner verabredet waren. Dort hatten wir wunderbares Khmer Curry mit Reis und konnten einer Show mit einheimischen Tänzen zu einheimischer Musik beiwohnen. Das war echt sehr nett anzusehen, aber nach einer halben Stunde war dann auch genug mit der kambodschanischen Musik, die live und um einiges zu laut gespielt wurde.

Morgen wird erst mal richtig ausgeknackt, denn wir haben erst um 14:00 Uhr eine Tour zum Schwimmenden Dorf gebucht.

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