Tag 19: Kleiner Spaziergang durch Almaty

05. Juli 2013. Almaty, Kasachstan.

Der Tag begann relativ unspektakulär mit einem Englischen Frühstück für rund 22 Euro in einem Café. Wir hatten gestern am Bahnhof 50 US-Dollar gewechselt und waren uns ziemlich sicher, dass das für zwei Tage reicht. Dem ist aber leider nicht so. Wir sind in Almaty wieder bei Hamburger Preisen angekommen, die uns allerdings immer noch lieber sind als die Moskauer.

Kriegsdenkmal

Kriegsdenkmal

Wir begaben uns heute auf eine Erkundungstour durch Almaty zu Fuß, was zur Folge hat, dass ebendiese am Ende des Tages plattgelaufen sind. Wir waren zuerst im Astana-Park, wo es ein Denkmal für zwei Kasachische Frauen gab, deren Umhänge so flatterten als trügen sie Superhelden-Capes.

Anschließend gingen wir in den Park der 28 Panfilowzy, der zu Ehren des Herrn Iwan Panfilow und seiner 28 Gardisten, die sich im Zweiten Weltkrieg in Moskau gegen doppelt so viele deutsche Panzer verschanzten. Entsprechend gibt es hier ein riesiges Denkmal der in den beiden Weltkriegen Gefallenen mit einem Ewigen Feuer.

Christi-Himmelfahrts-Kathedrale

Christi-Himmelfahrts-Kathedrale

In diesem Park befindet sich übrigens auch die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale, die – die christlichen Leser, falls dieser Bericht denn solche haben sollte, sollen es uns bitte verzeihen – ein bisschen aussah wie ein Clowns-College. Ein Bauwerk mit einem bunt karierten Dach kann man leider nicht so einfach ernst nehmen. Die ganze Szenerie wurde dadurch abgerundet, dass nebenan mehrere Luftballon- und Süßigkeitenverkäufer und der Rasende Roland standen.

Das weitere Vorankommen wurde in der Folge immer wieder gesundheitsbedingt unterbrochen und konnte nur sehr langsam fortgesetzt werden. Aber wir schafften es dennoch zur Zentralen Moschee, die von einer großen goldenen Kuppel gekrönt ist.

Durch den Park, der sich davor befindet ging es zur nächsten großen Straße Richtung Bahnhof. An einer zentralen Bushaltestelle fiel uns ein Bus mit Werbung für ein sehr lackschonendes Autowaschverfahren auf, der mal in Deutschland gefahren ist. Die Werbung und das Hinweisschild, dass im Bus das Essen zu unterlassen ist, waren jedenfalls auf Deutsch.

Plattenbau

Plattenbau

Unser Weg durch die Stad führte immer wieder durch Wohngebiete mit hohen Plattenbauten. Meist waren diese bis in den ersten Stock – zumindest von außen – etwas modernisiert. Alle Stockwerke oberhalb der Augenhöhe waren dann schon etwas unschöner und sahen meist sehr abenteuerlich aus.

Am Bahnhof hofften wir, eine Touristeninformation zu finden, da es eine solche in der Stadt nicht zu geben scheint. An jeder Ecke steht hier ein Reisebüro, das Reisen in alle Welt anbietet, aber sich leider nicht um den Tourismus vor Ort kümmert. Wir fanden am Bahnhof auch keine Touristeninfo, konnten aber wenigstens noch ein bisschen Geld wechseln. Von dort aus liefen wir weiter zur Metro, die in Almaty bisher nur sieben Stationen anfährt, dafür aber sehr neu und angenehm klimatisiert ist. Und für 80 Tenge (0,40 Euro) pro Person kann man so weitfahren, wie man will und kommt.

Wir fuhren bis zur Haltestelle Abaja, in deren Nähe sich die Talstation zur Seilbahn befindet. Almaty liegt am Fuße des Tienshan-Gebirges und mit der Seilbahn gibt es eine Möglichkeit, hoch auf einen Berg zu fahren. Die Fahrt kostete allerdings 2.000 Tenge (10 Euro) pro Person und führte direkt in einen Vergnügungspark. Wir waren heute schon an einem vorbei gelaufen und hatten unterwegs schon welche gesehen und nun wenig Lust darauf, zwanzig Euro für so einen Vergnügungspark auszugeben. Wir entschieden, erstmal unten zu bleiben und heute Abend online weitere Nachforschungen zu einer Fahrt in die Berge anzustellen.

Unabhängigkeitsdenkmal

Unabhängigkeitsdenkmal

Nun ging es also weiter zum Platz der Republik, der – wie sollte es anders sein – von einem großen Springbrunnen gesäumt war  und so richtig einladend nicht wirkte. Nach einer kurzen Pause ging es weiter am Unabhängigkeitsdenkmal vorbei, das wegen Istnicht mit Absperrband gesperrt war und in einem tollen Ambiente mit zwei großen Plattenbauten im Hintergrund liegt.

Wir hatten natürlich noch ein Ass im Ärmel und kamen nach einem kurzen Spaziergang am Zentralstadion an. Im Stadion, in das wir leider nicht hineinkamen, drehten gerade einige Läufer ihre Runden. Und draußen rang(elt)en ein paar Jungs. Um welche Sportart es sich hier genau handelte, war nicht von Weitem erkennbar.

Stadion

Stadion

Nachdem wir die Nikolaus-Kathedrale, an die ein gut besuchter Park mit Klettergerüsten und Hüpfburg grenzte, gesehen hatten,  machten wir einen kleinen Abstecher ins Hotel, bevor wir noch eine Kleinigkeit essen gingen. Als das erledigt war, wollten wir uns nur kurz im Supermarkt um die Ecke zwei bis drei Kleinigkeiten für den restlichen Abend auf dem Hotelzimmer kaufen. Es stellte sich heraus, dass der kleine Laden ziemlich groß war und es dort alles zu kaufen gab, was man brauchte und auch alles, was nicht.

Allem voran standen hier auf zehn Regalmetern neben allerlei anderen Spirituosen bestimmt 40 bis 50 verschiedene Sorten Vodka. Es gab ein Aquarium mit ziemlich großen Lebendfischen, Trockenfisch, fertig geformte und eingeschweißte rohe Bouletten mit ganz schlimmen Augen und die Überraschung des Tages: Oettinger für 160 Tenge (0,80 Euro) die Flasche. Auf dem Etikett wurde auch noch damit geworben, dass es sich um deutsches Bier handelte.

Am Ende des Tages bleibt – neben den Plattfüßen – die Erkenntnis, dass Kasachstan und Almaty sich grundlegend von Usbekistan und Taschkent unterscheiden. Das wird, zumindest für uns, am deutlichsten daran, dass hier jeder in den Bahnhof kommt, wenn er Lust dazu hat. Das klingt trivial, zeigt aber, dass der Staat hier weniger Einfluss auf den Alltag nimmt und weniger stark reglementiert wird. Das soll nicht heißen, dass die Kasachen unbegrenzte Freiheiten haben, denn u.a. das Internet wird hier aus Angst vor Kritik zensiert. Es ist vielmehr so, dass hier weniger vorgeschrieben und kontrolliert wird. Und die Leute, die sich auf der Straße, im Park, im Café treffen, sind einfach freier und lockerer.

Außerdem fahren hier nicht alle Leute die gleichen Autos von Daewoo oder Lada. Es gibt hier eine ganze Menge große Protzkarren und anscheinend geringe Einfuhrzölle. Viele der älteren Autos und auch Busse auf den Straßen sind sicherlich schon in Europa unterwegs gewesen, einige in Großbritannien, denn hier sitzen viele Fahrer auf der rechten Seite.

Ich persönlich finde es auch sehr angenehm, dass Almaty eine sehr grüne Stadt ist. Im Nachhinein merke ich, dass mir das Grüne in Usbekistan ein bisschen gefehlt hat. Es gibt dort natürlich auch Pflanzen und diese sind auch grün. Aber mitten in der Wüste sind diese einfach nicht so frisch.

Dies alles soll nicht heißen, dass Usbekistan schlechter oder weniger schön ist als Kasachstan. Die Länder sind nur grundlegend verschieden und das Gefühl in Almaty ist schon ein weit westlicheres als in Taschkent, obwohl wir uns hier weiter im Osten befinden. Verrückte Welt.

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