Tag 2: Cohibas und Havana Club

27. Juni 2014. Havanna, Nordwest-Kuba.

Der Tag begann mit einem Frühstück im Frühstücksraum unseres Casas, das von den beiden Frauen des Hauses bereitet wurde. Wir waren die ersten Gäste an diesem Morgen und hatten Rührei, Brötchen und Marmelade. Dazu einen kubanischen Kaffee, der ähnlich schmeckt wie Espresso, und Mangosaft.

Danach machten wir uns auf den Weg, Havanna zu erkunden. Immer wieder wurden wir in der Altstadt von verschiedenen Leuten angesprochen. Die meisten wollten nur wissen, woher wir kommen und uns dann Tipps geben, wo man super essen könnte. Ein junger Mann sprach uns an und sagte, dass wir im Casa seiner Mutter wohnen würden. Das Casa hieße La Habana und er Raul. Der erste Name war korrekt, also nahmen wir auch mal an, dass der zweite ebenso korrekt wäre. Er hätte ein Super-Angebot für uns. Nur heute gab es nämlich bei seinem Kumpel richtig günstige Zigarren und zwar weil der in einer Zigarrenfabrik arbeitet und diese ein Jubiläum hat. Oder er. Das war nicht so ganz verstehen.

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Zigarrengeschäft

Nun ja, wir sind auf Kuba und da gehört es wohl auch dazu, dass man Zigarren kauft. Also hat uns Raul in die Wohnung seines Freundes gebracht, wo wir Cohibas in allen Sorten und Verpackungseinheiten präsentiert bekamen. Da unser Bedarf nun nicht so exorbitant hoch ist, haben wir eine kleine Packung mit drei Zigarren gekauft. Als diese mit allen Siegeln und Aufklebern versehen war, bekamen wir den Preis gesagt und haben uns spontan gefragt, ob es wirklich Touristen gibt, die so doof sind und diesen Preis zahlen. Als wir Rauls Kumpel zu verstehen gaben, dass das zu teuer ist und wir nicht vorhaben, diesen Preis zu zahlen, wurde der ein bisschen unruhig, weil die Packung schon versiegelt war. Und weil wir sooo gute Freunde sind, haben wir am Ende nur die Hälfte gezahlt und uns vom Acker gemacht. Aber selbst die Hälfte war wahrscheinlich noch zu viel.

Nun machten wir uns auf den Weg zum Capitol, das äußerlich eine verblüffende Ähnlichkeit zu seinem Namensvetter aus den USA hat und genau wie dieses dem Petersdom in Rom nachempfunden sein soll. Laut unserem Reiseführer kann man es auch besichtigen, laut den Schildern und Absperrungen vor Ort wird dort aber gerade gebaut.

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Universalgeschäft

Vor dem Capitol standen eine ganze Reihe aufgehübschter Oldtimer in allen Farben, deren Fahrer auf Touristen warteten. Diese zahlen nämlich entweder dafür, durch die Stadt gefahren zu werden oder um die alten Schlitten fotografieren zu dürfen. Meist weiß der Tourist aber erst hinterher, dass ein Foto von den Schmuckstücken Geld kostet.

Wir bewegten uns weiter Richtung Süden und passierten einige Einkaufsläden. Wir waren etwas geschockt über das, was wir sahen. Das war nämlich hauptsächlich nichts. Die Schaufenster sahen nämlich größtenteils so leer aus, als würden die Läden kurz vor Ende des Ausverkaufs stehen und demnächst schließen. Sozialismus in Reinkultur.

Wir sahen hier hauptsächlich Läden mit Haushaltswaren, die Artikel wie Ventilatoren, Zahnpasta, Wäschekörbe und ein bisschen (aber nicht viel) mehr verkauften. Es gab auch ein Schuhgeschäft, in dessen Schaufenster etwa zehn Paar Schuhe standen, die so aussahen, als gäbe es nur in der ausgestellten Größe. Selbst die Lebensmittelgeschäfte sehen hier kaum anders aus. Wenn die Eier im Eierladen ausverkauft sind, dann schließt dieser eben. Da gibt es nicht viel zu machen. Mit Bäckern sieht es ähnlich aus. Nur die Geschäfte, die hauptsächlich Rum und Zigaretten verkaufen, sind nie leer.

An dieser Stelle müssen wir einmal einen kleinen Exkurs zum Thema „Währung“ machen. Kuba hat zwei offizielle Währungen, den Peso Cubano (CUP) und den Peso Convertible (CUC). Der Peso Cubano, meist „Peso“ oder „Moneda Nacional“ genannt, ist die Währung, in der die Kubaner ihren Lohn erhalten und in der staatlich subventionierte Waren und Dienstleistungen verkauft werden. In Peso-Geschäften gibt es also nur ganz wenige verschiedene Waren und davon auch nicht immer viel. Oft erfolgt die Zuteilung aufgrund von Lebensmittelkarten. Die Nachfrage übersteigt das Angebot um einiges.

Der Peso Convertible, „CUC“, ist 1:1 an den US-Dollar gebunden und die Währung, in der alles andere bezahlt wird. Da der CUC im Gegensatz zum CUP in Fremdwährungen getauscht werden kann, ist beim CUC auch häufig von „Devisen“ die Rede.

Der Umrechnungskurs von CUP zu CUC beträgt 25:1, sodass sich bei einem monatlichen Durchschnittsgehalt von etwas über 400 CUP (etwa 17 CUC = 17 US-Dollar < 13 Euro) nur sehr wenige Kubaner leisten können, die einheimische Währung in Devisen zu tauschen. Entsprechend ist es für den Großteil der Bevölkerung nur sehr selten möglich, in Devisengeschäften, einzukaufen. Dort gibt es zwar auch bei weitem nicht alles zu kaufen, aber das Angebot ist ein kleines bisschen breiter als in einheimischen Läden.

Diese Zweiteilung der Währung ist der Hauptgrund, warum Jobs im Tourismus hier so dermaßen beliebt sind. Wer in einem Restaurant oder Hotel arbeitet, hat sehr gute Chancen, Trinkgeld zu erhalten. Und das geben die meisten Touristen in CUC, weil sie gar keine einheimische Währung besitzen. Das Trinkgeld von Angestellten in Urlauberorten übersteigt das Grundgehalt um ein Vielfaches, weshalb bereits für eine Anstellung in einem großen Hotel schon mal ein paar Leute bestochen werden müssen.

Der Exkurs ist an dieser Stelle beendet und deshalb bewegten wir uns nun in Richtung des Bahnhofes. Weil uns von allen Seiten davon abgeraten wurde, ist dieser Urlaub nämlich der erste ohne eine richtige Zugfahrt. (Die S1 zum Flughafen zählt nicht). Daher wollten wir uns wenigstens einmal anschauen, was wir denn verpassen würden. Im Bahnhof stand nur ein Zug und der sah – zumindest von Weitem – gar nicht so schlecht aus. Auf den Bahnsteig durfte nur, wer eine Fahrkarte hatte. Und das auch erst kurz vor Abfahrt. Vietnam und Usbekistan lassen grüßen.

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Abfahrtstafel

In der Wartehalle gab es ziemlich viele Sitzplätze, die zum Teil auch von Personen besetzt waren. Diese schienen aber keineswegs auf den Zug zu warten, sondern die Mittagshitze in einem schattigen öffentlichen Gebäude verbringen zu wollen. Bei dieser Gelegenheit haben auch gleich ein paar von ihnen einen Mittagsschlaf eingelegt.

Einen Fahrkartenschalter gab es in der Wartehalle ebenso wie ein Münztelefon und eine Abfahrtstafel. Auf dieser waren die Abfahrtszeiten, die Zielorte sowie der Takt angegeben, in dem die Züge verkehren. Entweder fuhren sie täglich oder jeden dritten Tag. Leider war nicht so ganz ersichtlich, welcher Tag denn nun genau der nächste dritte war.

Nachdem wir uns hinter dem Bahnhof auf einer Bank etwas ausgeruht und einen kleinen Touristenkrammarkt hinter uns gelassen hatten, erreichten wir das Havana Club Museum. Wenn wir schon in Havanna waren und sogar schon Zigarren gekauft hatten, durfte das natürlich auf keinen Fall fehlen. Für sieben CUC (um und bei fünf Euro) pro Person bekamen wir eine kurze und sehr übersichtliche Führung. Es wurde ein bisschen über die Herstellung von Rum erzählt und über dessen Geschichte auf Kuba. Diese hängt ganz eng mit dem Sklavenhandel zusammen, da der Rohstoff für Rum Zuckerrohr ist, das im 18. Jahrhundert fast ausschließlich von Sklaven abgebaut wurde.

Das interessanteste an dem Museum war die Aneinanderreihung der verschiedenen Rumsorten, die Havana Club herstellt. Die Palette reicht von dreijährigem Rum, der nur zum Mixen verwendet wird bis hin zu siebzigjährigem, der 1.700 CUC (1.250 Euro) pro Flasche kostet. Bei diesem kann das genaue Alter allerdings nicht mehr exakt bestimmt werden. Ma kann lediglich versichern, dass er MINDESTENS siebzig Jahre alt ist. So genaue Aufzeichnungen aus dieser Zeit hat niemand mehr.

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Plaza de Armas

Okay, einen weiteren interessanten Fakt gab es noch: Der Rum reift in Eichenfässern, die in ihrem ersten Leben für die Lagerung von Whiskey zuständig waren. Diese werden in Schottland gekauft und verleihen dem Rum seine braune Farbe.

Wir liefen vom Museum aus auf die Calle de Oficios, frei übersetzt die Straße der Jobs. Das war eine kleine, sehr angenehme Straße, auf der es viele kleine Läden, Cafés und Restaurants gab. Und alle anderen Touristen, die sich derzeit in Havanna aufhalten. Der Straße folgten wir bis zu deren Ende am Plaza de Armas, wo viele kleine Stände aufgebaut waren, an denen alte Bücher und Plakate verkauft wurden.

Nachdem wir eine Pause auf unserem Zimmer eingelegt und ein bisschen Geldnachschub besorgt hatten, liefen wir weiter durch die Altstadt und kehrten in einer Lokalität ein. Dort stärkten wir uns mit einem Mojito und einer Kleinigkeit aus der Küche des Landes. Denis hatte Geflügel- und Schweinefleisch mit Reis und Soße und ich Fisch mit Shrimps und Ananas. Der Preis war für das, was wir bekamen, zwar relativ hoch, aber satt geworden sind wir trotzdem.

Anschließend wollten wir zum Malecon spazieren und die Stimmung dort einfangen. Der Malecon ist die Uferstraße Havannas und soll DER Treffpunkt schlechthin sein. Dies ist er sicherlich aus, aber wohl nicht tagsüber, sondern dann, wenn die Sonne untergegangen ist. Der Weg war zu Fuß sehr weit und es war schweineheiß. Dennoch schienen wir die einzigen Menschen in Havanna gewesen zu sein, die schwitzen. Die einzigen Menschen am Malecon waren wir allemal.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichtem wir die Straße La Rampa, auf der wir Restaurants und Parks erwarteten. Vorgefunden haben wir allerdings nur hohe Häuser und Feierabendverkehr. Richtig einladend wirkte die Gegend nicht und wir wollten nur kurz eine Pause einlegen. Dazu gingen wir in ein Devisengeschäft und wollten Wasser und Cola kaufen. Wasser war kein Problem, Cola gab es nur in ungekühlten Zwei-Liter-Flaschen, also nahmen wir Fanta.

Als wir uns auf eine Steintreppe vor dem Laden setzten, wollten wir nur kurz die Füße entspannen und ein kaltes Getränk genießen. Das war leider nicht ganz so einfach, denn bereits in dem Moment, in dem wir uns hinsetzten, war klar, dass wir nicht lange sitzen bleiben konnten. Sonst wären wir nämlich komplett durch gebraten worden. Wir leeren dann schnell unsere Fanta, was umso schneller ging, da sie komplett ohne Kohlensäure serviert worden war.

Egal. Wir liefen zurück in Richtung Altstadt. Der Rückweg stellte sich als um einiges leichter heraus als der Hinweg, da nun ein paar Regenwolken aufgezogen waren und Schatten und ein paar Nieseltropfen spendeten.

Zurück in der Altstadt kamen wir an einer Wechselstube vorbei. Wir wollten noch etwas Geld wechseln und stellten uns an. Eigentlich wollten wir das schon etwas früher am Tage erledigt haben., die Wechselstube auf unserem Weg war aber aus technischen Gründen geschlossen gewesen. Kurz bevor wir an der Reihe waren, fiel uns auf, dass wir gar keinen Pass dabei hatten, ohne den wir gar kein Geld tauschen konnten.

Das macht aber nichts, denn so konnten wir nebenbei wenigstens einen Einblick in die Beschäftigungspolitik Kubas bekommen. Es gab in der Wechselstube nämlich jemanden, der dafür zuständig war, die Tür zu öffnen und darauf zu achten, dass immer nur so viele Kunden wie offene Schalter drinnen waren.

Diesen Ansatz der Anstellung hatten wir schon beim Frühstück festgestellt. In unserem Casa arbeiten nämlich zwei Frauen, die für Frühstück zuständig sind und den Rest des Tages eigentlich nur anwesend sein müssen. Sie haben auch zwischendurch ein bisschen geputzt und sind dafür zuständig, die Tür zu öffnen, wenn jemand ins Haus will. Außerdem gibt es noch einen Kellner für die Bar und einen alten Mann, der für das Haus einkauft.

Am Bahnhof hatten wir bereits beobachten können, wie es in der Frachtabfertigung für die Schiene zugeht. Auf dem Betriebsgelände neben dem Personenbahnhof waren sehr viele Leute unterwegs, ohne eine richtige Aufgabe zu haben oder sich sonderlich engagiert zu bewegen. Ein Mann füllte ein paar Mal einen Eimer mit Wasser und verteilte dieses auf dem staubigen Boden. Als er keine Lust mehr hatte, hörte er damit auf, ohne auf dem riesigen staubigen Hof irgendwas bewirkt zu haben.

Dann kam ein beladener LKW, der wahrscheinlich entladen werden musste. Ziemlich entspannt kamen viele Leute auf ihn zu, wussten aber nicht recht etwas mit sich und dem LKW anzufangen. Es wurde viel geredet, das Fahrzeug ein wenig hin und her dirigiert und vor allem erst mal geschaut. Mit dem Entladen wurde jedenfalls nicht begonnen, während wir vor Ort waren.

Trotzdem gibt es auf Kuba Arbeitslose. Und wenn diese versuchen, ein paar CUC an den Touristen zu verdienen, werden sie polizeilich registriert. Das haben wir bei einer Zigarrenverkäuferin und ein paar anderen Handeltreibenden beobachtet. Kein Gewerbe, das nicht vom Staat kontrolliert oder wenigstens geregelt wird.

Nach einem weiteren Getränk in einer Bar in der Altstadt sind wir nun auf unserem Zimmer und haben schon einen Plan für morgen gemacht. Dann bekommen wir nämlich unseren Mietwagen und fahren in den Westen des Landes.

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