Tag 2: Einmal ins Nicht-EU-Ausland und zurück

9. Oktober 2011. 17:40 Uhr. Chill Out-Lounge im Generator Hostel Kopenhagen.

Nach einem ausgedehnten Frühstück führte unser erster Weg zu der Metrostation, an der wir morgen früh einsteigen müssen, um zum Flughafen zu kommen. Wir wollten eigentlich nur sehen, wie lange wir dorthin brauchen, damit wir nicht zu früh aufstehen.

Danach spazierten wir ein bisschen durch die Kopenhagener Innenstadt, die wunderschön und auch sonntags nicht ausgestorben ist. Trotz der 7°C war das Wetter ganz gut und die Stimmung dort sehr entspannt. Kopenhagen ist sowieso eine sehr leise Stadt, was wohl daran liegt, dass mindestens genauso viele Fahrräder unterwegs sind wie Autos. Für Fahrradfahrer gibt es fast überall eine eigene Fahrspur, die höher liegt als die Fahrbahn, aber niedriger als der Gehweg.

Im Rundetårn

Im Rundetårn

Nachdem wir ein bisschen unterwegs waren, kamen wir zum Rundetårn (Runder Turm). Dieser unterschied sich zwar nicht in der Form von anderen runden Türmen, war aber dahingehend besonders, dass er keinerlei Stufen besaß. König Christian IV. wollte nämlich nicht jedes Mal ins Schwitzen kommen, wenn er die Sterne beobachten wollte. Er zog es vor, auf seinem Pferd dort hoch zu reiten. Na klar! Man muss auch eingestehen, dass der Aufstieg ohne Stufen gar nicht so anstrengend ist. Von oben hatte man jedenfalls einen tollen Blick über Kopenhagen. Da es dort aber windiger war als in Bodennähe, hielten wir uns nicht lange oben auf.

An der Kopenhagen Kathedrale, der Universität und der Helligands Kirche vorbei, kamen wir zum Nationalmuseum. Da der Eintritt frei war, riskierten wir mal einen Blick ins Innere. Von Speerspitzen der Neandertaler über Wikingerschmuck und mittelalterliche Ritterrüstungen bis hin zu einer riesigen Münzsammlung haben wir eine Menge gesehen.

Christiansborg

Christiansborg

Danach ging es durch die Christiansborg und an der alten Börse vorbei nach Christianshavn. Da wir uns auf dieser kleinen Insel eigentlich mit Bus und Fähre fortbewegen wollten, gingen wir in die hiesige Metrostation in der Hoffnung, dass es dort einen Automaten gibt, der uns Fahrkarten verkaufte. Automaten gab es tatsächlich, nur leider waren alle 24-Stunden-Tickets ausverkauft. Das zumindest war die Fehlermeldung auf dem Bildschirm. Also machten wir uns erstmal weiter zu Fuß auf den Weg, weil uns das Schwarzfahren mit 600 Kronen (85 Ruro) pro Persond ein bisschen zu teuer war.

Wir kamen dann relativ schnell nach Christiania. Christiania ist ein Freistaat im Stadtgebiet Kopenhagens, der Ende der 1960er ausgerufen wurde. Da die Regierungen dies seitdem tolerieren, hat sich hier eine sehr entspannte, sehr alternative Gemeinde entwickelt. Das wollten wir uns natürlich mal anschauen.

Zuerst kamen wir in den Greenlight District. Dort ist Drogendealen zwar genauso verboten wie im Rest Dänemarks. So richtig zu stören scheint es aber keinen, dass hier alle zwei Meter ein Stand steht, an dem Gras in allen Formen und Farben verkauft wird.

Kopenhagen

Kopenhagen

Abseits des etwas schmuddeligen und heruntergekommenen Greenlight Districts ist Christiania ein kleines Paradies – sehr ruhig, viel Grün und Natur, ein kleiner See und Häuser, die aus dem gebaut worden sind, was halt gerade da war. Die Gärten waren ähnlich alternativ wie unserer Zuhause in Hamburg und Autos gab es nur vereinzelnt an der Staatsgrenze. Dafür waren viele Leute mit dem Fahrrad oder Pferd unterwegs. Fotos haben wir nicht gemacht, da die Einwohner das – verständlicherweise – nicht so gern sehen, wenn hier Touris ankommen, die alles und jeden fotografieren. Wer sich trotzdem ein Bild von Christiania machen will, kann das hier. Am Ausgang gab es noch zur Verabschiedung zu lesen: „You are now entering the EU“.

Wieder in der EU angekommen, wollten wir Christianshavn noch ein bisschen weiter erkunden. Schließlich sagte unser Reiseführer, dass Christianshavn sehr angesagt ist und „man“ dort jetzt wohnt. Na ja, so toll war es nun auch wieder nicht. Es war der krasse Gegensatz zu Christiania – künstlich, geradlinig und versnobbt. Es erinnerte alles so ein bisschen an die Hafencity – alle Häuser sahen gleich, aber schweineteuer aus, man kam sich vor wie in einer sehr teuren Ferienanlage und es war vollkommen ausgestorben. Als wären das nicht schon genug Parallelen nach Hamburg, befand sich hier auch das neue Opernhaus Kopenhagens. Dieses war ähnlich hässlich wie das Parken-Stadion, aber im Gegensatz zu manch anderem Konzerthaus in Hamburg wenigstens schon fertig gestellt. Denis bezeichnete die Oper passenderweise als „Sport- und Kongresszentrum Kopenhagen“, denn genauso sah es aus.

Nyhavn

Nyhavn

Wir fuhren dann mit der Fähre wieder Richtung Alt-/Innenstadt. Angelegt haben wir im wunderschönen Nyhavn. Dort mussten wir aber feststellen, dass unser ursprünglicher Plan, mit Blick auf das Wasser und die Boote Abendbrot zu essen, aufgrund der allgemeinen Preislage geändert werden musste. Satt geworden sind wir trotzdem, auch wenn es kein Smørebrød gab.

Kopenhagen ist sowieso eine ziemlich teure Stadt. Ein kleiner Hot Dog an den vielen Hot Dog-Wagen kostet 25 Kronen (ca. 4 Euro), Eintritt wird in den meisten Sehenswürdigkeiten 60 bis 70 Kronen (9 bis 10 Euro) genommen und für einen Apfelcider und ein Bier bezahlt man an unserer Hostelbar schon mal 65 Kronen (ca. 9,50 Euro).

Jetzt sitzen wir mal wieder in der Chill Out-Lounge und trinken was. Allzu spät wollen wir heute allerdings nicht auf unser Zimmer. Denis muss schließlich noch die Tasche packen. Ich darf das nicht, denn dann müsste die Hälfte hier bleiben. Außerdem müssen wir sehr früh aufstehen, denn der Check In-Schalter am Flughafen schließt schon um 8:00 Uhr.

 

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