Tag 2: Hochgeschwindigkeitszüge und Personalplanung auf Rumänisch

5. Juni 2011. 14:43 Uhr. Im Zug nach Sighisoara, Rumänien.

Budapest keleti pu

Budapest keleti pu

Die Ankunft in Keleti pu war relativ pünktlich (+ ca. 15 Minuten) und unsere Koffer waren auch noch da. Das Hotel konnte man vom Bahnhof aus bereits sehen. Es befand sich im sechsten Stock eines Hochhauses mit Innenhof. Zuerst haben wir den Eingang nicht gefunden. Aber dank Denis‘ Adleraugen wurden wir vor einer peinlichen Nachfrage in der Bar nebenan bewahrt. Unser Zimmer war ziemlich groß, gemütlich, klimatisiert und sauber. Das Bett war allerdings ein bisschen klein und hart. Heute Morgen gab es Frühstück vom reichhaltigen Buffet (oder „Büfe“, wie wir ungarischen Insider es nennen) mit Rührei, Würstchen, Cornflakes, Joghurt, Schokocroissants und vor allem: ungarischer Salami.

Wir sind dann relativ früh zum Bahnhof gegangen und haben uns dort mit rumänischer Lei und Schnitzelbrötchen versorgt. Die Fahrt nach Sighisoara begann pünktlich um 9:10 Uhr. Als wir zum ersten Mal frische Luft an einem Bahnhof schnappen wollten, habe ich gelernt, dass die Türen von rumänischen Wagons schließen, wenn sie halt schließen wollen. Egal, ob da jemand steht oder nicht…jetzt habe ich ein bisschen Angst vor diesem Zug. Unser Wagon ist – im Gegensatz zu den ungarischen, die noch weiter hinten hingen – klimatisiert und mit Tischen ausgestattet. Schade, dass diese Wagons nicht nach Sighisoara fahren.

Abfahrt nach Sighisoara

Abfahrt nach Sighisoara

In Lököshaza wurden die ungarischen Wagons abgekoppelt und in Curtici wurde die Lok gewechselt. (Lököshaza = letzter ungarischer Bahnhof, Curtici = erster rumänischer Bahnhof) Mit unserem Zug waren in Curtici zehn Leute beschäftigt. Sechs waren für die Lok zuständig, eine Dame notierte die Zugnummern und die drei anderen waren auch Angestellte des Bahnhofes, die nichts weiter zu tun hatten und zusahen. Wir fragen uns auch, was Leute den ganzen Tag an diesem Bahnhof zu tun haben, wenn gerade mal kein Zug da ist. Curtici ist zwar ein Grenzbahnhof, aber auf den sechs Gleisen kann ja den ganzen Tag auch nicht so viel passieren…

Bitte achten Sie auf den Höhenunterschied zwischen Zug und Bahnsteigkante

Bitte achten Sie auf den Höhenunterschied zwischen Zug und Bahnsteigkante

Einen Bahnsteig im herkömmlichen Sinne gab es in Curtici nicht. Der Ein-/Ausstieg war ebenerdig, sodass die unterste Stufe zum Einstieg ungefähr auf Bauchhöhe hing. Zum Glück gab es Griffe, mit denen man sich in den Zug ziehen konnte…sonst hätten wir dort bleiben müssen. Alte und behinderte Menschen können in Curtici also nicht einsteigen.

Mittlerweile fahren wir nun schon eine ganze Weile durch Rumänien und stellen fest: hier gibt es viele halb verfallene Häuser und viele halb fertige Neubauten.

Außerdem scheint es eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Züge zu geben, die nicht höher sein kann als 50 Kilometer pro Stunde. Gerade hat uns ein LKW überholt.

In Arad ist ein Typ eingestiegen, der zuerst irgendwelche Sammelkarten mit Bibelsprüchen verkauft hat. Ihm scheint keiner was abgekauft zu haben und nun rennt er die ganze Zeit durch den Zug. Merkwürdiger Kerl.

Denis knackt und ich werde mal weiter die Augen offen halten und ein bisschen Gegend gucken.

5. Juni 2011. 19:27 Uhr. Im Zug nach Sighisoara, Rumänien.

Weitere rumänische Eindrücke:

  • Hier gibt es keine Bäume (zumindest nicht viele), die Rumänen sitzen abends alle draußen (auf der Terrasse, im Garten, auf der Straße), an jeder zweiten Straße hängt Jesus am Kreuz, die Ortschaften in Rumänien liegen alle auf einem Haufen (erst kommen vier bis fünf Orte, dann kommt eine Stunde Gegend und dann wieder ein paar Ort).
  • In jedem Bahnhof, an dem wir halten oder vorbei fahren, steht jemand mit Uniform und winkt dem Lokführer.
  • Große Wohnhäuser gibt es nur sehr wenige und jedes Ein-/Mehrfamilienhaus hat ein Grundstück, auf dem kleine Felder stehen.
  • Zug fahren nur wenige Leute und die, die mitfahren, unterhalten sich kaum (bis auf ein paar alte Damen).
  • Während wir zu Beginn der Fahrt die Bahnhöfe meist zu früh erreichten, sind wir jetzt 20 Minuten verspätet.
  • Die Schienen sind auch für Fußgänger ein legitimer Gehweg…in den Bahnhöfen kommt man zu anderen Bahnsteigen auch nur direkt über die Schienen.

 

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