Tag 20: Bosnische Volksmusik und schwedische Geschenke

22. Juni 2011. 16:52 Uhr. Bahnhof Ploče, Kroatien.

Gegend

Gegend

Nachdem die Nacht aufgrund einer Blasenentzündung etwas durchtrieben war, besserte sich die Stimmung nach der ersten Tablette, die wir in der nächstbesten Apotheke gekauft haben. Was ich da jetzt genau nehme, weiß ich nicht, aber es hilft super.

Wir versorgten uns im örtlichen „Konzum“ mit allem, was wir für die Fahrt benötigen würden und hatten noch genug Geld, um mit dem Taxi zum Autobusni Kolodvor, dem Busbahnhof, zu fahren. Dort warteten wir ein bisschen und dann kam auch schon unser klimatisierter Reisebus, der uns nach Ploče bringen sollte, von wo aus wir den Zug nach Sarajevo nehmen. Es verging eine weitere Busfahrt mit wunderschöner Gegend und zwei Grenzkontrollen (Kroatien – Bosnien und Herzegowina – Kroatien).

Unser Zug

Unser Zug

Wir erreichten den Bus- und Zugbahnhof in Ploče gegen 15:00 Uhr, hatten also noch zwei Stunden Zeit, um diesen wunderbaren Bahnhof zu genießen. Dieser hatte genau drei Gleise und der einzige Zug, den wir in dieser Zeit gesehen haben, war unserer. Einen kleinen Imbiss gab es auch, viele Gäste hatte dieser aber nicht.

Unser Zug ist echt ein Highlight und gehört genau zu der Art von Zügen, auf die wir auf unserer Reise viel häufiger gehofft hatten. Die drei Wagons unseres Zuges sind eine Spende aus Schweden und gehörten der Innenausstattung nach zu urteilen vor einigen Jahrzehnten zu einem Luxuszug. Von den drei Wagons hatte jeder eine eigene Kategorie: Erste Klasse, Restaurant und Zweite Klasse.

Mal sehen, was diese Fahrt so mit sich bringt. Landschaftlich soll sie ja ein ähnliches Highlight sein wie unsere Fahrt von Belgrad nach Bar. Hoffentlich gibt es nicht ganz so viele und ganz so lange Tunnel, denn das Licht in unserem Zug funktioniert momentan nicht.

22. Juni 2011. 21:40 Uhr. Im Zug nach Sarajevo, Bosnien und Herzegowina.

Eigentlich hätten wir ja schon vor 40 Minuten in Sarajevo sein sollen…eigentlich. Dieses „eigentlich“ hatte sich schon bei unserem einen Halt in Metkovic erledigt als unser Gegenzug 20 Minuten Verspätung hatte. Auf einer einspurigen Strecke hilft in einer solchen Situation einfach nur abzuwarten.

Wenig später standen wir ohne erkennbaren Grund eine Stunde in Mostar herum. Es waren weder Gegenzug noch Anschlussreisende zu sehen und Ansagen im Zug gab es auch nicht. Mittlerweile haben wir insgesamt eine Verspätung von zwei Stunden. Hoffentlich ist unser Hotel darüber informiert, denn am Bahnhof soll ein Fahrer auf uns warten, der uns abholt.

Innenausstattung unseres Zuges nach Sarajevo

Innenausstattung unseres Zuges nach Sarajevo

Im Zug haben wir nun schon einen ersten Einblick in die Gepflogenheiten hierzulande erhalten. Die Bosnier sind demzufolge ein sehr lautes und trinkfestes Volk, das gern Volksmusik hört, aber nicht viele verschiedene Lieder braucht, um glücklich zu sein und mitzusingen. Die Rauchverbotszeichen interessieren hier auch wirklich niemanden. So wird so viel am Platz geraucht wie es gerade passt. Sind die Zigaretten dann aufgeraucht, werden sie aus dem Fenster geworfen. Was? Waldbrandgefahr? Ist ja nicht so, dass wir den ganzen Tag über 30°C hatten. Außerdem: wenn man seinen Müll gleich hinterher wirft, wird schon alles gut.

Der Schaffner in unserem Zug ist ein lustiger Geselle. Bei der Fahrkartenkontrolle hat er den ersten Balkan Flexi Pass noch entwertet. Beim zweiten war er sich nicht mehr so sicher. Das Problem ist nämlich, dass auf dem Balkan Flexi Pass alle Länder aufgeführt sind, in denen diese Fahrkarte gilt. Leider ist Bosnien und Herzegowina nicht aufgeführt, gültig ist sie trotzdem. Das haben wir in Belgrad extra noch mal nachgefragt. Wir fingen dann also an, mit dem Schaffner zu diskutieren und das war ihm dann wohl zu viel. Er hat den zweiten Pass ohne ihn abzustempeln wieder auf den Tisch geworfen und ist gegangen. Seitdem würdigt er uns keines Blickes mehr.

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