Tag 20: Schären, Stein, Papier*

10. August 2017. Nacka, Schweden.

Das Thema des heutigen Tages soll der Stockholmer Schärengarten sein, den wir am frühen Nachmittag erreichen wollen. Als Schären werden die zahlreichen kleinen Inseln bezeichnet, die die starke Gliederung der Ostseeküste im Süden  verursachen und in großer Zahl rund um Stockholm auftreten. In der Ostsee vor Schwedens Hauptstadt liegen 30.000 Inseln, die zum Teil bewohnt und zum Teil unbewohnt sind.

Öregrund und Furusund

Bevor es allerdings losgeht mit der Gartenbesichtigung, legen wir in Öregrund einen kleinen Halt ein und spazieren ein wenig durch den Ort am Hafen entlang. Hier sind viele Touristen in den zahlreichen Restaurants und Cafés zugegen und von der Kaikante aus können wir hunderte kleiner Fische auszumachen, die geschäftig ihrer Arbeit nachkommen.

Öregrund

Am frühen Nachmittag kommen wir in Furusund an, wo wir heute zum ersten Mal wirklich die Schären sehen können. Hier sind wir im Übrigen bereits vor zwei Jahren auf unserem Weg nach Japan vorbei gekommen – die Fähre Stockholm – Turku fährt hier nämlich längs.

Wir laufen durch den Ort und stellen fest, dass mal wieder nur ein mittelalter Mann mit Schnauzbart fehlt, der „MICHEEEL!“ brüllend die Straße herunter läuft, um Astrid Lindgrens Bild eines schwedischen Dorfes perfekt zu machen.

Schären

In den folgenden Stunden bleiben wir eng an der Küste und haben auf Brücken und den Straßen am Wasser immer wieder die Möglichkeit, die Schären zu beobachten, mit ihrer schroffen, felsigen Oberfläche, den Bäumen, die genügsam genug sind, hier zu überleben, und den einzelnen, verstreuten roten Holzhäusern. Es ist wunderschön, keine Insel ist wie die andere und je länger man schaut, desto mehr gibt es zu entdecken.

Leben auf einer einsamen Insel. Oder so.

In Vaxholm bei Stockholm fahren wir dann auch endlich selbst auf die Schären, die über ein enges Netz an Brücken und Fähren miteinander verbunden sind. Als wir auf der Fähre Rindö – Myttinge unterwegs sind, interpretiert Google Maps unsere GPS-Daten derart falsch, dass es annimmt, wir befänden uns auf der Verbindung Stockholm – Riga, die unseren Weg kreuzt. Als Restzeit bis zur Unterkunft wird ein Tag und drei Stunden angegeben, inklusive Fähre von Tallinn nach Stockholm.

Schärengarten

Stockholm

Glücklicherweise hält unsere Fähre doch nicht außerplanmäßig in Riga, sondern in Myttinge, von wo aus es nicht mehr weit zu unserer Unterkunft in Nacka, einem Vorort Stockholms, ist. Am Abend wollen wir dann noch kurz zum Abendessen in die Stadt fahren, weil es ja nicht angehen kann, dass wir Schweden komplett durchqueren, ohne ein einziges Mal Köttbullar gegessen zu haben.

Der kürzeste Weg führt über eine Mautstraße, an der wir allerdings keine Zahlstation ausmachen können. [Nachdem wir im Anschluss wochenlang aufgrund unseres schlechten Gewissens nachts kaum ein Auge zugemacht haben, wurden wir Mitte September mit einer Rechnung in Höhe von 1,57 Euro erlöst. Dass wahrscheinlich allein der Brief teurer gewesen ist, tut nichts zur Sache, denn Ordnung muss sein. Dennoch halten wir es aus Liquiditätsgründen für notwendig, das Zahlungsziel bis zum letzten Tag Mitte Oktober auszunutzen.]

In der Altstadt angekommen, erwischen wir ein Lokal, das neben Köttbullar eine ganze Weltreise an Gerichten anbietet und daher nicht unbedingt zur absoluten Spitzenklasse gehört. Das Eis zum Nachtisch und der gemütliche Spaziergang durch die Stadt mit dem Schloss und der Ostsee entschädigen aber ganz gut.

Stockholm am Abend

Der Tag in Zahlen und Fakten

  • Kilometerstand: 6.542 km
  • Heute: 313 km
  • Streckenverlauf: Brämsand – Öregrund – Furusund – Nacka – Stockholm – Nacka
  • Länder: Schweden
  • Fußnoten: *in Rohform mit Stamm und Wurzeln

Aufgezeichnet mit dem Geo Tracker von geo-tracker.org

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