Tag 20: Über das Leben auf dem Wasser

5. Juli 2012. 22:05 Uhr. Zimmer 302, Bun Seda Angkor Villa. Siem Reap, Kambodscha.

Nachdem wir heute ordentlich ausgeknackt hatten, machten wir uns auf die Suche nach einer netten Frühstücksgelegenheit. Das Essen ist in unserem Hotel zum Glück nicht inklusive, denn wenn wir schon Mäuse auf dem Zimmer haben, wollen wir gar nicht wissen, was in der Küche alles herumläuft. Die Nacht war übrigens sehr mausfrei, auch wenn ich mich nicht getraut habe, im Dunkeln auf die Toilette zu gehen.

Da wir langsam genug von den südostasiatischen Frühstückskünsten haben, kehrten wir im örtlichen Irish Pub ein, um ein europäisches Frühstück zu bekommen. Wir fanden ja Leute, die sich über das Frühstück im Urlaub beschweren, immer ziemlich spießig. Aber nach zweieinhalb Wochen in dieser Region der Welt müssen wir diese Meinung wohl etwas relativieren. Wenn es jeden Morgen ein Buffet gibt, das zu 90 Prozent aus Nudeln, Reis, Curry, gekochtem Gemüse und anderem Mittagszubehör besteht, hört der Spaß auf. Zum Glück gab es bisher immer ein bisschen Weißbrot und Omelette. Wir hatten im Pub jedenfalls ein englisches Frühstück und das war auch ganz okay. Trotzdem freuen wir uns auf ein ordinäres Käsebrot, denn aus irgendeinem Grund gibt es hier einfach keinen Käse.

Alle Zutaten für eine Tintenfischsuppe

Alle Zutaten für eine Tintenfischsuppe

Nach dem Frühstück liefen wir zu einem Supermarkt, um uns für morgen zu versorgen. Das Tagesziel ist, über die Grenze nach Thailand zu kommen, was wohl sehr zeitintensiv sein soll. Also sind wir lieber auf lange Wartezeiten vorbereitet. Der Lucky Supermarket hat jedenfalls alles zu bieten, was man für so einen Reisetag alles braucht.

Nebenbei findet man hier auch importierten Käse aus Österreich für vier bis sechs US-Dollar pro 100 Gramm und ein paar sehr interessante einheimische Spezialitäten. Es gibt zum Beispiel eine Schale mit allen vorbereiteten Zutaten für leckere Tintenfischsuppe, gekochte Nudeln im Kühlregal und allerlei sehr schmackhaft klingende Süßigkeiten: Grüne Bohnen-Chips, Tintenfisch-Chips, Brokkoli-Chips und Kuchenfüllung in mehreren Geschmacksrichtungen aus der Tüte.

Häuser auf Stelzen

Häuser auf Stelzen

Am frühen Nachmittag machten wir uns auf den Weg zum Tonle Sap See, dem größten See Südostasiens. Da außer uns beiden nur der komische Neuseeländer zum Schwimmenden Dorf auf dem See wollte, passten wir mit unserem Tour Guide von gestern und dem Fahrer in ein Auto. Nach nur zwanzig Minuten Fahrt erreichten wir schon den Touristenanleger. Schon auf dem Weg zum See waren sehr viele Häuser zu sehen, die auf Stelzen gebaut worden sind. Der Grund ist ganz einfach: während der Regenzeit dehnt sich der See von seinen normalen 3.000 Quadratkilometern auf 10.000 bis 12.000 Quadratkilometer aus. In dieser Zeit würden die Häuser am „Ufer“ unter Wasser stehen, also hat man sie sinnvollerweise auf Stelzen gebaut.

Ziemlich einzigartig ist wohl, dass der See im Laufe des Jahres seine Fließrichtung ändert. In der Trockenzeit kommt frisches Wasser von Norden und fließt Richtung Mekong nach Süden ab. Wenn in Tibet der Schnee schmilzt und das Schmelzwasser in den Mekong fließt, steigt dieser dermaßen an, dass der Tonle Sap See nun frisches Wasser vom Mekong bekommt, das nach Norden abfließt. Verrückte Welt.

Schwimmendes Dorf

Schwimmendes Dorf

Wir fuhren einige Minuten mit unserem Boot auf einem Zubringerarm des Sees und bekamen hier schon einen Teil des Dorfes zu sehen, das derzeit nicht sehr weit draußen auf dem See liegt. Die Menschen haben ihre Häuser auf alles gebaut, was schwimmen kann, wie alte Boote, leere Öltonnen oder Plastikkanister.

Bei einer Veränderung des Wasserstandes ist es hin und wieder notwendig, dass das gesamte Dorf umzieht. Da die Häuser keine Motoren haben, besitzen einige Dorfbewohner Motorboote, mit denen alle Häuser zur neuen Wohnstelle transportiert werden können. So können immer alle gemeinsam umziehen und wer seinen Nachbarn nicht mehr mag, muss sein Haus ja nicht wieder neben diesen bringen lassen. Die Häuser „stehen“ allerdings nicht so eng nebeneinander, dass man sich ernsthaft auf die Nerven gehen kann. Die meisten Dorfbewohner können ihre Nachbarn nicht einmal zu Fuß besuchen.Sie müssen schwimmen oder rufen.

Supermarkt auf dem Wasser

Supermarkt auf dem Wasser

Neben Häusern gibt es natürlich auch alles andere auf dem Wasser, was lebensnotwendig ist: Läden, Schulen, ein Basketballfeld, Bars, Restaurants und eine Werft. Da die Touristenboote nicht an den „stationären“ Läden anhalten, gibt es auch immer ein paar mobile Händler. Dies bemerkten wir, als es plötzlich einen unnatürlichen Ruck auf unserem Schiff gab, dessen Ursache sich als eine Dame herausstellte, die an Bord gekommen war, um Getränke zu verkaufen. Für den täglichen Bedarf gibt es auch mobile Läden, in denen Obst, Gemüse, Wasser und so weiter verkauft werden. Die meisten Leute leben allerdings nicht vom Handel, sondern – Überraschung! – vom Fischfang.

Wir hielten schließlich an einer Bar mit integriertem Laden und Fisch- und Krokodilfarm. Die Fische gibt es zu essen und die Krokos werden lebend weiter verkauft, wenn sie groß genug sind. Im angeschlossenen Heimatkundemuseum gab es noch ein paar getrocknete Krokodilhäute zu sehen und anzufassen. Von der Aussichtsplattform hatten wir noch einen sehr schönen Ausblick auf den See, das Dorf und die Wasserpflanzenfelder.

Und dann ging es auch schon wieder zurück Richtung Bootsanleger. Normalerweise dauert so ein Besuch im Schwimmenden Dorf wohl länger, weil das Dorf weiter draußen liegt und der Anfahrtsweg weiter ist. Aber wir hatten Glück mit der Jahreszeit und Größe des Sees, sodass wir keinen allzu langen Weg zurücklegen mussten.

Lenkrad

Lenkrad

Ziemlich interessant war es noch, unterwegs zu sehen, wie hoch das Wasser in der Regenzeit ansteigen kann. Am Ufer gab es braune unbewachsene Stellen, die davon zeugen, wie viel Wasser dieser See führen kann. Dass das Ufer überhaupt bewachsen ist, ist sowieso ein Wunder, da bis Oktober das Wasser die Bäume wohl komplett bedeckt haben wird.

Erst beim Aussteigen am Bootsanleger sahen wir, wie unser Boot eigentlich gesteuert wurde: mit einem originalen Toyota-Autolenkrad und Pedalen, die man mit dem Fuß sehr genau treffen muss, da man sonst ins Leere tritt.

Zurück nach Siem Reap fuhren wir einen Weg über eine nicht ganz so stark befestigte Straße und konnten noch mal einen Einblick in das kambodschanische Dorfleben gewinnen. Immer wieder interessant die ganzen Reisfelder, Kühe und Entengehege.

Wir fuhren dann mit dem Rest der Gruppe zu einem Waisenhaus, legten ein bisschen Geld zusammen und kauften für die Kinder im Laden nebenan noch Reis, Waschmittel und Duschbad. Wir wurden auf dem Gelände herumgeführt und bekamen eine Menge über die Einrichtung erzählt, die schon über einen Bauernhof verfügt und Expansionspläne für eine Autowerkstatt und eine Waschanlage hat, in der die größeren Kinder arbeiten können. Mit unseren mitgebrachten Luftballons waren wir beide sehr schnell die Stars des Tages und hatten eine Menge Freunde. Einige der Kinder funktionierten die Ballons zu Wasserbomben um und andere hatten Spaß daran, sie auf vielfältige Weise platzen zu lassen.

Als alle Kinder von der Schule gekommen waren, gab es Abendbrot für sie und danach ging die Show los, einheimische Musik mit dazu passendem Tanz und Kostümen. Die Jungs und Mädels waren richtig gut in dem, was sie zeigten und einigen stand der Spaß daran ins Gesicht geschrieben. Auch wenn nicht alle Kinder jeden Tag auftreten und das auch erst ab einem bestimmten Alter, bleibt es doch bedenklich, dass es hier wirklich jeden Abend eine Vorstellung gibt. Das ist zwar werbe- und spendenwirksam, aber einige der Kinder haben sicherlich wenig Freude daran, zumal sich die Shows ja auch ziemlich regelmäßig wiederholen müssen.

Da wir nun auch hungrig waren, nahmen wir uns ein Tuk-Tuk und fuhren Richtung Pub-Street. Unterwegs hatte es angefangen zu regnen, sodass wir schnellstmöglich ins erstbeste Restaurant liefen und trotzdem komplett durchgenässt dort ankamen. Wir aßen also und mussten noch ein bisschen sitzen bleiben, um nicht sofort wieder komplett durch zu sein. Nach knapp anderthalb Stunden regnete es nur noch ein bisschen. So gingen wir über den Nachtmarkt zurück zum Hotel und waren nur halb durchgenässt als wir dort ankamen.

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