Tag 21: Mittelalterkram, Nebel und ein Zelt hinter der Düne 

11. August 2017. Bjärby, Schweden.

Das Breakfast in unserem Bed & Breakfast wird stilecht im Speisezimmer mit schwedischer Flagge auf dem Tisch serviert. Wir haben die Nacht nämlich in einem Haus am Stadtrand Stockholms verbracht, das wie ein altes schwedisches Landhaus eingerichtet ist. Blau-weiße Karotapeten, ein ein riesiger robuster Kleiderschrank im Schlafzimmer, ein altes Klavier im Wohnzimmer. Einzig die IKEA-Bettwäsche erinnert an das moderne Schweden.

Unser Bad ist so klein, dass die Inhaberin es gar nicht richtig als Bad bezeichnen mag. Sitze ich auf der Toilette stoßen meine Beine an das 1:10-Modell eines Waschbeckens, zum Duschen muss ich den Vorleger zusammenfalten, weil er sonst mitduscht, der Duschvorhang klebt gleichzeitig am Waschbecken und meinem Oberschenkel. Immerhin muss ich mich nicht ducken.

Heute wollen und müssen wir eine ganze Menge Kilometer machen, um einigermaßen entspannt am Samstag nach Trelleborg fahren zu können. Deswegen geht es am Morgen direkt auf die Autobahn (übrigens immer noch die E4), der wir bis Norrköpping folgen. Dort wechseln wir auf die Landstraße nach Kalmar, ohne nochmal einen Umweg über die Küste zu nehmen.

Schloss Kalmar

In Kalmar angekommen, parken wir keine 100 Meter vom Schloss entfernt. Leider müssen wir den engagierten wie freundlichen Viktor am Eingang etwas unfreundlich abwimmeln, denn mit seinen Tipps zu Besichtigung und Führung versperrt er uns den Weg zur Toilette, die uns vorerst wichtiger erscheint als irgendwelcher Mittelalterkram.

Schloss Kalmar

Wenig später können wir uns diesem Mittelalterkram dann doch etwas entspannter und interessierter widmen. Das Schloss Kalmar steht auf einer eigenen kleinen Halbinsel und verfügt über einen Wall auf Ostseeseite, der einen schönen Blick auf die Insel Öland bietet.

Die Burg wurde ab Ende des 17. Jahrhunderts zweckentfremdet und als Gefängnis, Getreidespeicher und königliche Schnapsbrennerei genutzt. Dabei ging leider die gesamte Einrichtung verloren, weshalb auch heute noch viele Räume leerstehen.

Einige Räume sind im Stil der damaligen Zeit eingerichtet, ein Schlafzimmer mit Baldachin über dem Bett, ein Speisezimmer mit meterlanger, gedeckter Tafel, ein paar Salons mit Gemälden und Möbeln, eine Schlosskirche.

Für den kleinen Hunger zwischendurch

Wir spazieren noch einmal über das Gelände und machen uns schließlich auf in Richtung Altstadt.

Musik und Zucker

Durch den Park vor dem Schloss, wo ein Fest mit Musik, Marktständen und vielen Menschen stattfindet, geht es am Bahnhof vorbei auf einen Platz, auf dem das Fest weitergeht. Es gibt eine Menge Stände, in denen Zucker in allen erdenklichen Farben und Formen feilgeboten wird und viele Menschen, die diese Angebote gern annehmen.

Altstadt von Kalmar

Am Ende der Fußgängerzone rund um die Storgatan gelangen wir auf den Rathausmarkt, wo auf einer großen Bühne das Sinfonieorchester mitten in einer Vorführung steckt. Der Platz ist sehr gut gefüllt, die Atmosphäre ist angenehm und entspannt, man lauscht der Musik oder unterhält sich mit seinen Begleitern.

Weiter nach Öland

Nach einem Spaziergang zurück zum Auto geht es für uns über die Brücke Ölandsbron auf die Insel Öland, wo wir die Nacht verbringen wollen. Wir verlassen die Landstraße in Bjärby und biegen auf einen unbefestigten Weg ein, an dessen Ende sich ein Strand, ein Wald und ein Parkplatz befinden.

Für ein geringes Entgelt von 50 Kronen (5 Euro) kann man hinter der Düne sein Zelt aufgeschlagen, muss aber auch mit einem Plumsklo vorlieb nehmen. Weil wir bisher die schönsten Übernachtungen an Orten ohne fließendes Wasser hatten, fällt uns diese Entscheidung nicht schwer.

Zelten in Bjärby

Strand und Nebel

Wir stellen das Zelt also direkt hinter der Düne auf und gehen gleich mal die 20 Meter zum Strand, um uns etwas umzuschauen. Das ist leider nicht ganz so einfach möglich, denn vom Wasser her zieht Nebel auf. Und zwar kein einfacher Küstennebel, sondern die Art von Nebel, die man gemeinhin mit dem ersten Auftritt des Mannes mit der Kettensäge in Verbindung bringt.

Nebel. Aber nur ein bisschen.

Der Strand leert sich nach und nach, nur einige hartgesottene Familien, deren Kinder in Neoprenanzügen baden, bleiben bis zum letzten Sonnenstrahl hier. Weil wir unsere Neoprenanzüge leider vergessen haben, trauen wir uns nicht weiter als zu den Knien ins Wasser und gehen stattdessen ein wenig am Strand spazieren.

Der Nebel zieht immer mal wieder kurzzeitig ab, ist aber einige Minuten später wieder so präsent als wäre er nie fort gewesen. Am Ende trifft er die gleiche Entscheidung wie wir und bleibt über Nacht.

Hatte ich den Nebel erwähnt?

Zeltplatz

Am Abend sitzen wir lange am Zelt und erfreuen uns an dem Geschehen auf dem Zeltplatz um uns herum. Die Leute nebenan mit dem zwei Meter hohen, bunten Zelt machen es sich mit Kerzen, auf deren Anzahl man in jeder IKEA-Dekoabteilung neidisch wäre, sehr romantisch. Andere veranstalten ein Lagerfeuer und die beiden jungen Bayern hinter uns trinken ihr Dosen-Schultheis aus Weizengläsern, die ja bekanntlich in keiner gut sortieren Campingausrüstung fehlen dürfen.

Als wir schließlich ins Bett gehen, wird uns bewusst, dass diese Reise so gut wie vorbei ist. Heute wird die letzte Nacht im Zelt sein, denn in Trelleborg, das wir morgen schon erreichen werden, werden wir im Hotel übernachten. Und übermorgen geht die Fähre nach Rostock schon sehr früh.

Wir lauschen also noch ein letztes Mal der Ostsee am Abend und sind schon ein bisschen wehmütig.

Der Tag in Zahlen und Fakten

  • Kilometerstand: 7.087 km
  • Heute: 454 km
  • Streckenverlauf: Nacka – Kalmar – Bjärby
  • Länder: Schweden

Aufgezeichnet mit dem Geo Tracker von geo-tracker.org

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