Tag 22 & 23: Ein krönender Abschluss

12. & 13. August 2017. Hamburg, Deutschland.

Wir verlassen Bjärby relativ früh, weil offenbar über Nacht alle Algen aus der Ostsee an Land gekommen sind, um zu verenden, und die Kühe der benachbarten Weide ihren Haufen darauf gesetzt haben. Jedenfalls riecht es so. Natur pur und so. Aber zum Frühstück müssen wir das nicht haben, weshalb wir in einiger Entfernung an einem Platz mit Lagerfeuerstelle und Bänken gemütlich picknicken.

Campingküche

Weil wir bisher in keinem schwedischen Supermarkt stilles Wasser gefunden haben, spielen wir mal Physikunterricht (Oder Chemie? Ich weiß es nicht, ich habe beides frühstmöglich abgewählt.) und versuchen, was passiert, wenn man aus Sprudelwasser Kaffee kochen will. Um es kurz zu machen: das Wasser tut von Beginn an so als würde es kochen und der Kaffee schmeckt genauso wie vorher. Also, was man bei löslichem Kaffee so „schmecken“ nennt.

Bauernhof am Meer

Nach dem Frühstück verlassen wir Öland schließlich und folgen der E22 in Richtung Süden. In Torhamns Udde legen wir einen Halt ein und schauen uns ein wenig um. An diesem unscheinbaren Landzipfel haben wir einen tollen Blick auf die vorgelagerten Schären. Das Gebiet ist weitläufig eingezäunt und bis auf ein paar Mauern aus Stein ziemlich naturbelassen. Folglich fühlen sich die Kühe und Schafe, die hier wohnen, pudelwohl und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen.

Torhamns Udde

Karlskrona

Wenig später erreichen wir Karlskrona. Karlskrona ist eine sehr angenehme kleine Stadt im Süden Schwedens. Die Häuser sind bunt, die Straßen laden zum Schlendern ein, im Hafen liegen die Segelboote, mit denen die Einwohner zu den Inseln fahren, die von hier aus zu sehen sind. Man kann hier ohne weiteres einen entspannten Nachmittag verbringen.

Karlskrona

Oder man macht es so wie die Teilnehmer des Swimrun, die auf neun Lauf- und acht Schwimmetappen von jeweils sehr unterschiedlicher Länge etwa zehn Kilometer zurücklegen. Und als wäre das nicht schon anstrengend genug, sind immer zwei Sportler über eine Schnur miteinander verbunden. Entsprechend unentspannt sehen die Leute am Zieleinlauf auf dem Marktplatz auch aus.

Leider wird uns in Karlskrona vollends bewusst, dass die Reise so gut wie beendet ist. Fast jedes zweite Nummernschild ist mittlerweile ein deutsches, viel zu viele Menschen sprechen unsere Sprache. Wir sind fast wieder Zuhause. Wie schade.

Nach einem letzten Kaffee geht es direkt in Richtung Trelleborg, das noch drei Stunden entfernt ist. Das letzte Stück fahren wir auf der Route 9, die direkt am Wasser entlang durch niedliche Orte voller Holzhäuser mit bunten Gärten führt. Ein letztes Mal wie bei Pippi Langstrumpf fühlen.

Just bed, no breakfast

In Äspö verbringen wir die letzte Nacht in einem Bed & Breakfast, in dem wir das Breakfast auslassen, weil wir am nächsten Morgen bereits gegen 5:00 Uhr aufbrechen. Unsere Fähre geht um 7:00 Uhr, Check-In ist bis 6:00 Uhr, Trelleborg ist noch 25 Minuten entfernt. Ausschlafen ist was für Leute mit Urlaub.

Sonnenaufgang am Fährterminal

Als unsere sechsstündige Überfahrt beginnt, stellen wir fest, dass der direkte Landweg nach Hamburg fünfeinhalb Stunden gedauert hätte. Aber da wir keinen Wert darauf legen, auf der schnellstmöglichen Route zu reisen, sondern auf der schönsten, ärgern wir uns nicht. Denn es gibt absolut keinen besseren Abschluss dieser Reise als die Hafeneinfahrt in Warnemünde bei schönstem Sonnenschein während der Hanse Sail.

Die ersten Segelboote begegnen uns bereits eine Stunde, bevor wir Rostock erreichen sollen. Je weiter wir an Warnemünde herankommen, desto mehr werden es. Rund um den Teepott herum tummeln sich hunderte Menschen, zwei Kreuzfahrtschiffe werden für die nächste Fahrt fertig gemacht. Es ist wirklich wunderschön.

Hanse Sail

Ende

Das war sie also, unsere erste große, dreiwöchige Autoreise. Wir sind ohne größere Zwischenfälle (die estnisch-russische Grenze mal ausgenommen) und vor allem ohne Pannen (die leere Batterie an der estnisch-russischen Grenze mal ausgenommen) einmal um die Ostsee gekommen. Wir haben 7.824 Kilometer zurück gelegt und sieben Länder gesehen. Im Durchschnitt sind wir 340 Kilometer am Tag gefahren, haben aber nicht ein einziges Mal Stress gehabt.

Im Gegensatz zu unseren Zugreisen sind wir deutlich flexibler und spontaner unterwegs gewesen und konnten vor allem kleinere Orte und Natur besichtigen. Im Gegenzug haben wir allerdings weniger Menschen kennengelernt, weniger von der Kultur der Länder erfahren, weil wir selten in den Städten waren, und – dem geschuldet, dass wir Selbstversorger mit Gaskocher waren – weniger einheimische Gerichte probiert. Auf dem Campingplatz ist die kulinarische Vielfalt zumeist eingeschränkt.

Es ist dennoch eine ganz wunderbare Reise gewesen, auf der wir viele neue Eindrücke sammeln konnten und die Ostsee, die unser Leben schon seit Kleinauf begleitet, aus so vielen verschiedenen Perspektiven kennenlernen durften. Und eins ist klar: Egal, ob man an der deutschen, polnischen, russischen, litauischen, lettischen, estnischen, finnischen oder schwedischen Küste steht: die Ostsee ist windig, riecht salzig und rauscht immer noch am schönsten.

Der Tag in Zahlen und Fakten

  • Kilometerstand: 7.824 km
  • Heute: 378 & 359 km
  • Streckenverlauf: Bjärby – Torhamns Udde – Karlskrona – Äspö
  • Streckenverlauf: Äspö – Trelleborg – Rostock – Hamburg
  • Länder: Schweden, Deutschland

Aufgezeichnet mit dem Geo Tracker von geo-tracker.org

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