Tag 22: …und deutsches Fernsehen bildet doch!

24. Juni 2011. 8:52 Uhr. Bahnhof Zagreb, Kroatien, im Zug nach Villach, Österreich.

Ankunftstafel - unser Zug ganz oben

Ankunftstafel – unser Zug ganz oben

Wir haben unseren Anschlusszug nach München natürlich nicht bekommen. Gegen 8:30 Uhr und mit 100 Minuten Verspätung haben wir Zagreb erreicht – mit der insgesamt vierten Lok auf der Strecke.

Jetzt fahren wir – falls alles klappen sollte – über Villach, Salzburg, München und Fulda nach Hamburg. Wir haben ja eigentlich Zugbindung, aber wir sind fest entschlossen, die Schaffner von unserer Unschuld zu überzeugen. Wir haben zwar eine Bestätigung am Bahnhof Zagreb bekommen, dass unser Zug aus Sarajevo Verspätung hatte. Leider ist diese auf Kroatisch und außerhalb Kroatiens wohl ziemlich unbrauchbar. Es bleibt spannend.

24. Juni 2011. 20:11 Uhr. Starbucks München Hbf, Bayern.

In Ljubljana setzte sich ein 17-jähriger Slowene in unser Abteil, der sich in äußerst fließendem Deutsch mit uns unterhielt. Auf die Frage, woher er so gut deutsch spricht, die einfache Antwort: Er hat schon als Sechsjähriger lieber deutsches Fernsehen geguckt, weil dort mehr Trickfilme liefen. So hat er nebenbei Deutsch gelernt und sprach es auch fast akzentfei. Bis heute schaut er lieber deutsche Nachrichten und Dokumentationen und war daher erstaunlich gut über Deutschland informiert. Ob wir denn auch gegen Atomkraftwerke demonstrieren und wie wir zu Stuttgart 21 stehen. Da sag noch mal einer, das deutsche Fernsehen bildet nicht.

Wir konnten unsterwegs noch die Alpen bestaunen, die mit Schnee und Wolken bedeckt und ein tolles Bild boten.

Alpen

Alpen

Nachdem bis Salzburg alles geklappt hat und wir unsere Stunde Aufenthalt sinnvoll mit Essen verbracht haben, hat uns jetzt das Glück verlassen. Wir hätten in München genau 20 Minuten Übergangszeit gehabt; unser Railjet kam mit 19 Minuten Verspätung hier an. Unseren ICE nach Fulda haben wir noch aus dem Bahnhof herausfahren sehen. Das war einer dieser Augenblicke, die zur Ewigkeit werden und die Hoffnung auf ein schnelles Ende verschwinden lassen.

Also gingen wir zum ServicePoint, um die Weiterfahrt zu klären. Hier wurde nun unsere schlimmste Ahnung Gewissheit: Die letzte Möglichkeit, heute noch nach Hamburg zu kommen ist der IC 2020 ab Frankfurt. Wer noch nie mit dem 2020 gefahren ist, kann sich hier einmal über das Filetstück des deutschen Bahnnetzes informieren. Da dem netten Herrn hinterm Schalter diese Verbindung sichtlich peinlich war, bot er uns sofort an, dass wir auch in München übernachten und morgen früh den ersten Zug nach Hamburg nehmen könnten. Er hatte schließlich schon auf der Fahrkarte gesehen, dass wir gerade aus Zagreb kamen.

Bei der Suche nach der ersten Verbindung morgen früh fiel auf, dass es noch einen CityNightLine ab 22:10 Uhr gab, den wir dann lieber nehmen wollten. Also haben wir uns Reservierungen im Reisezentrum besorgt und auch gleich ein Fahrgastrechteformular mitgenommen. Schließlich sind wir, wenn alles klappt, 9 (in Worten: neun) Stunden später in Hamburg als geplant. [Laut Fahrgastrechte-Zentrale waren es 534 Minuten.] Und bei der Deutschen Bahn bedeutet das: Rückerstattung! Jetzt bekommen wir mehr Geld wieder als wir für meinen Balkan Flexi Pass ausgegeben haben. Dieser hat 86 Euro für zehn Reisetage gekostet. Denis‘ war ein bisschen teurer, weil er schon über 25 ist.

München Hbf - Warten auf den Nachtzug

München Hbf – Warten auf den Nachtzug

Vom ServicePoint-Mann bekamen wir noch Verzehrgutscheine im Wert von acht Euro, mit denen wir uns noch heftig die Kante geben wollen. Der gute Mann war peinlich berührt von unserer Verspätung, obwohl wir ihm versicherten, dass er ja nichts dafür kann. Der Herr im Reisezentrum hingegen war eher amüsiert.

Zurück in Deutschland lernt man auch den ohnehin guten Service der Bahn mal richtig zu schätzen: Rückerstattungen bei Verspätungen, ernsthafte Alternativverbindungen, ein sehr gut ausgebautes, zweigleisiges (!) Schienennetz, und zu guter Letzt moderne Züge, deren Toilette man auch im Bahnhof stehen nutzen kann. Aber natürlich haben alte Züge mit Fenstern, die geöffnet werden können und so gemütlich rattern und ruckeln, eingleisige Strecken mit Warten auf Gegenzüge, Wind im Haar, wenn man auf die Toilette geht und ständiger Lokwechsel und –mangel auch ihre Reize.

[Die Heimfahrt mit dem CityNightLine lief wie geplant. Wir waren pünktlich in Hamburg und wurden in Harburg schon mit frischen Franzbrötchen und den neusten Neuigkeiten empfangen. So endete unsere Reise mit neun Stunden Verspätung. Die drei Wochen waren sehr spannend und abenteuerlich. Wir haben viel gesehen und erlebt und wir freuen uns schon auf den Oktober, wenn es nach Kopenhagen, Pisa und Florenz geht.]

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