Tag 3: Ballsäle und die richtige Abendgarderobe

6. Juni 2011. 12:15 Uhr. Auf dem Bahnhof Sighisoara, Rumänien.

Zentraler Platz in Sighosoara

Zentraler Platz in Sighosoara

Pünktlich zu unserer Ankunft in Sighisoara (Schäßburg) hat es angefangen zu regnen. Na ja, zumindest kurz davor. Das war dann aber zum Glück schnell vorbei, sodass wir uns entschieden, zu Fuß zum Hotel zu laufen anstatt ein Taxi zu nehmen…sah ja auf der ausgedruckten Karte von Sighisoara auch nicht so weit aus. Was die Karte allerdings verschwieg: das Hotel lag auf einem Berg… Na ja, egal. Wir hatten uns entschieden zu laufen, also taten wir das dann auch. Das nächste, was unsere Karte uns verschwieg: die Straßennamen. So irrten wir ein bisschen auf dem Berg umher bis wir schließlich auf einen kleinen Platz kamen, der von Cafés, Restaurants und auch von unserem Hotel gesäumt war.

Wir versuchten dann auf Englisch einzuchecken, bis der Herr an der Rezeption dann deutsch mit uns sprach, nachdem er Denis‘ Ausweis sah. Das war der Moment, an dem ich entschloss, erst mal alle Leute auf Deutsch anzuquatschen. (Hat bis jetzt noch nicht geklappt.)

Der gute Mann erzählte uns dann, dass er diese Nacht nur drei oder vier Zimmer belegt hat und – da wir ja nur eine Nacht da waren – dass wir deswegen das beste Zimmer bekommen würden. Na ja, das Hotel war ja echt nett und hübsch eingerichtet, aber so richtig viel erwartet hatten wir wohl nicht. Also hoch in den ersten Stock, am Klavier (!) vorbei und rein in Zimmer 3.

Ballsaal

Ballsaal

Dieses Zimmer war der Hammer. Zuerst kamen wir ins Vorzimmer, das schon mal genauso groß war wie unser ganzes Zimmer in Budapest. Dort stand ein alter Schrank, eine Schlafcouch, ein richtig unbequemes Sofa (Holz mit Stoff überzogen) und zwei Stühle. Danach kam das „Schlafzimmer“, in dem man auch bequem einen Tanzball hätte veranstalten können. Dieses war ca. viermal so groß wie das Vorzimmer und hatte eine riesig hohe, reich verzierte Decke. Auch hier gab es ein paar große Schränke, einen Schreibtisch, einen Ganzkörperspiegel, zwei Ministühle (viel zu tief, aber gut gepolstert), unser Bett und jede Menge Platz zum Tanzen.

Nachdem wir fertig gestaunt hatten, sind wir ins hoteleigene Restaurant gegangen. Zuerst fühlten wir uns ein bisschen fehl am Platze und falsch angezogen. Wir waren auch nicht ganz sicher, ob wir noch genug Geld dabei hatten (150 Lei, ca. 40 Euro). Als wir die Karte durchgingen, war dann klar, dass das Geld ausreichen würde…auch für eine Vorspeise. (Wir haben im Endeffekt 100 Lei – 25 Euro – inkl. Trinkgeld gezahlt.) Auf der Karte war auch eine Spezialität des Hauses angepriesen: „Muschi de vita“…ahja. Später fanden wir heraus, dass es diese Speise auch in anderen Restaurants gab und wohl so viel wie „Kalbfleisch“ hieß. Ich erntete dann – wie meist im Ausland – beim Kellner angewiderte Blicke, als ich „Beer mixed with Sprite“ bestellte. Als Denis sein Bier und ich mein Biermixgetränk in die Weingläser eingeschenkt bekamen, die schon auf dem Tisch standen und zum Abendgedeck gehörten, war die Unsicherheit über unsere Abendgarderobe schnell verflogen.

Weil zehn Stunden Zugfahrt doch nicht so entspannend sind wie man meinen könnte, und weil es für Sandalen und kurze Hosen schon frisch war, sind wir gleich nach dem Essen in unser Abendgemach aufgebrochen.

Frühstück gab es heute Morgen im Restaurant. Da nur eine handvoll Gäste im Hotel waren, wurde auf ein Buffet verzichtet. Der Kellner, der unser Frühstück auftischte, war der gleiche Höflichkeitsbolzen wie gestern Abend.

Geburtshaus von Graf Dracula

Geburtshaus von Graf Dracula

Wir haben uns dann Sighisoara angeschaut und festgestellt, dass es nur auf dem Berg so richtig schön ist und dass man nach zwei Stunden spazieren gehen durch ist. Die Altstadt ist sehr schön und gut erhalten. Viele Leute (meist ältere) sprechen hier noch deutsch und alle Erklärungen an den Sehenswürdigkeiten sind neben Rumänisch auch auf Deutsch geschrieben.

Wir haben ein selbstgemachtes Eis im „Geburtshaus“ von Graf Dracula gegessen und ein bisschen auf dem zentralen Platz herumgelungert.

Planmäßig sollte unser Zug gegen 15:00 Uhr nach Brasov fahren, aber wir sind schon mal früher nach unten zum Bahnhof gegangen, in der Hoffnung, dass auch schon früher ein Zug fährt…fährt aber nicht. Also haben wir eine Reservierung für den Schnellzug gekauft, der ein paar Minuten vor der eigentlich geplanten Regionalbahn abfährt. Für uns beide kosteten die Reservierungen 5,60 Lei (ca. 1,50 Euro).

Regionalbahn nach Brasov

Regionalbahn nach Brasov

Die Regionalbahn nach Brasov steht schon auf dem Bahnsteig seitdem wir hier sind und sieht aus wie eine alte Regionalbahn von der DB, nur verrostet und schlecht übergemalt. Da drin ist es nach drei Stunden Standzeit bestimmt auch schön muckelig.

Jetzt sitzen wir also noch am Bahnhof und warten auf unsere Bahn, die in etwa anderthalb Stunden fährt. Neben unserer Bank befindet sich ein Schalter, aus dem heraus eine Dame alle Leute anschreit, die eine Frage haben. Denis ist nach einer gefühlten halben Stunde von seinem Rundgang um den Bahnhof zurück und überlegt gerade noch, ob er hier zum Friseur gehen sollte.

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