Tag 3: Fjordpflichtprogramm in Flåm

09. März 2016. Flåm, Norwegen.

Wir verlassen Bergen mit dem wahrscheinlich allerersten Zug, der am Hauptbahnhof an diesem Tag abfährt. Unser Tagesziel ist zwar Oslo, aber auf dem Weg dorthin haben wir einen kleinen Abstecher eingeplant. Wer Norwegen bereist, muss nämlich mindestens einen Fjord besucht haben (sonst darf man nicht ausreisen). Und weil wir so vorbildlich sind, haben wir uns gleich für zwei Fjorde eingetragen: den Nærøyfjorden und den Aurlandsfjorden, die ineinander übergehen und etwa auf der Hälfte der Strecke nach Oslo liegen.

Winter Wonder Land

Es dauert nicht allzu lange und wir haben die Schneefallgrenze weit unter uns gelassen. Hier oben gibt es nicht viel zu sehen. Die schneebedeckte Landschaft, die nur durch Flüsse, Bäume und kleinere Orte unterbrochen ist, geht nahtlos in den bedeckten, ebenso weißen, Himmel über. Liefen ein Eisbär, ein Schaf und Karl Lagerfeld neben dem Zug her, man würde sie nicht sehen.

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Farbexplosion auf Norwegisch

Nach zwei Stunden müssen wir in Myrdal umsteigen, denn hier befindet sich die Bergstation der Flåmsbana, einer einspurigen Bahnstrecke, die auf 20 Kilometern die 867 Meter Höhenunterschied zum im Tal befindlichen Flåm überwindet. Die Fahrt dauert eine Dreiviertelstunde und bietet einige tolle Aussichtspunkte auf das Tal und einen Halt direkt an einem Wasserfall, der sicherlich sehr beeindruckend ist, wenn das Wasser wirklich fällt und nicht eingefroren am Berg klebt.

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Wasserfall im Winterschlaf

Natur und so

In Flåm angekommen steigen wir direkt in den Bus nach Gudvangen, wo  das Schiff zurück nach Flåm ablegt. Auf dem Landweg beträgt die Entfernung 20 Kilometer durch einen Tunnel, auf dem Seeweg 40 Kilometer durch den Nærøyfjorden und den Aurlandsfjorden. Obwohl der Himmel bedeckt ist und der Wind kalt und scharf weht, sind die zwei Stunden Schifffahrt ganz wunderbar. Denn der Ausblick auf den Fjord ist der absolute Oberhammer. Wäre der Schiffsmotor nicht so laut und die Asiaten an Bord nicht so aufgeregt, hätte man von einer entspannten und entschleunigenden Überfahrt sprechen können.

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Nærøyfjorden

Die schneebedeckten Berghänge ragen zu beiden Seiten steil auf und spiegeln sich im stillen Wasser des Fjords eins zu eins wider. Hin und wieder passieren wir eine kleine Ansammlung von Häusern und Hütten, die sich „Ort“ nennen und teilweise nur über den Seeweg erreicht werden können. Einmal wird einige Meter vor uns Wasser aufgewirbelt, ein Gerücht macht die Runde, dass es sich um einen Wal handeln soll. Alle sind ganz aufgeregt, nur besagter Fjordbewohner lässt sich nicht mehr blicken.

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Unruhige Geschäftigkeit unter den Anwohnern des Fjords

Weil ich es layouttechnisch nicht so hübsch finde, zwei Fotos direkt hintereinander zu zeigen, euch aber trotzdem noch ein weiteres Bild vom Fjord bieten möchte, steht an dieser Stelle etwas Text, um die Fotos voneinander zu trennen. Noch ein kleines Bisschen mehr und der Absatz ist auch optisch lang genug, um ihn gelten zu lassen. Eine Zeile mehr wäre noch ganz gut Ja. So. Jetzt reicht’s.

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Aurlandsfjorden

Abstecher in die spektakuläre Unterhaltungsindustrie Südnorwegens

Wieder in Flåm angekommen, versuchen wir, ein bisschen Zeit totzuschlagen. Wir sind etwa um 14:00 Uhr wieder dort, können die nächste Flåmsbana nach Myrdal um 14:45 Uhr allerdings noch nicht nehmen, weil wir dort keinen Anschluss hätten und zwei Stunden in einem mäßig beheizten Bahnhofsgebäude warten müssten. Deshalb wollen wir auf die übernächste und letzte Abfahrt des Tages um 16:50 Uhr warten.

Das klingt erstmal halb so wild, denn es handelt sich ja um nicht mal ganz drei Stunden, die wir totschlagen müssen, und wir kennen ja Flåm schließlich noch gar nicht. Macht man sich allerdings klar, dass der Ort nur aus einer Touristeninfo, einigen Restaurants, einem Hotel und ein paar Souvenirläden besteht, von denen im Winter auch noch jeweils die Hälfte geschlossen ist, wird es schon etwas schwieriger. Nachdem wir den großen Souvenirladen und das Flåmsbana-Museum nach einer halben Stunde erledigt haben, stellt sich Ratlosigkeit ein. Was nun?

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Wuseliges Flåm

„Erstmal was Essen gehen und dann schauen wir mal weiter.“, lautet der Plan. Wir gehen zum einzigen Hotel im Ort, das ziemlich groß und ziemlich nobel aussieht und stehen vor einem Schild, das die Öffnungszeiten des Restaurants auf morgens und abends datiert. Tagsüber geschlossen. Wir finden glücklicherweise sowas ähnliches wie ein Restaurant, das über ausreichend bequeme Sitzmöglichkeiten für den Rest des Nachmittags verfügt, und lassen uns dort nieder.

Eine ereignisreiche Weiterfahrt und große Schmiedekunsttradition

Mit der letzten Bahn kommt ein handgezählter Fahrgast in Flåm an. Den Ort verlässt der Zug schließlich mit mehr Lebensmitteln als Passagieren an Bord. Bevor letztere in Myrdal ausgeladen werden, verlassen erstere am vorletzten Bahnhof den Zug. Ein Mann mit Kochmütze auf einem Schneemobil erwartet die Lieferung schon ganz sehnsüchtig und verlässt den Bahnhof mitsamt der Ladung noch vor dem Zug.

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Flåm Hauptbahnhof

Im Zug nach Oslo haben wir wieder beste Aussicht auf das Winter Wonder Land und die Schneemassen, die teilweise so hoch aufgeschoben wurden, dass man den Ort hinter der weißen Wand nicht mehr sehen kann. Irgendwann halten wir in einem Ort namens Geilo und müssen kurz kiechern. Und zwar weil wir uns so darüber freuen, an einem Ort mit einer sehr langen Schmiedekunsttradition halten zu dürfen. Nicht, wie ihr wieder denkt, wegen des Namens. Ihr seid echt kindisch.

Noch vor Oslo gehe ich ins Bordbistro, um die Versorgung der Reisegruppe sicherzustellen. „Hi, I’d like two sandwiches, one coffee and one tea, please.“ – „Kaffee und Tee gibt’s am Automaten. Und welches Sandwich darf es denn sein?“ Ich habe mich nicht getraut zu fragen, ob ich wirklich so einen schlimmen Akzent habe oder einfach so unhöflich war, dass ich sofort als Deutsche enttarnt wurde. Weil ich beide Möglichkeiten gleichermaßen traumatisierend finde, schiebe ich es auf die hellseherischen Fähigkeiten des Herrn hinter dem Tresen und leg mich hin.

Schlussbemerkung

Den Ortsnamen Flåm spricht man übrigens nicht „Flaaahm“ aus, sondern eher „Flomm“ – mit einem sehr kurzen O. In etwa so wie das Geräusch, das eine Weißnackentaube macht, wenn sie gegen eine Glasscheibe fliegt.

Verbindungen

Region Bergen (ab 7:57 Uhr) – Myrdal (an 9:50 Uhr)

Region Myrdal (ab 9:55 Uhr) – Flåm (an 10:45 Uhr)

Region Flåm (ab 16:50 Uhr) – Myrdal (an 17:40 Uhr)

Region Myrdal (ab 17:54 Uhr) – Oslo (an 22:35 Uhr) / 2.356 NOK = 255,04 Euro (2 Personen)

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