Tag 3: Fußballfreier Tag auf Zypern

20. Oktober 2014. Larnaca, Zypern.

Wir wohnen auf Zypern in einer Apartmentanlage in der Nähe von Larnaca, einer Stadt mit knapp 80.000 Einwohnern an der Südküste der Insel. Auf Zypern sind wir, weil wir das Champions League-Spiel zwischen Apoel Nikosia und Paris Saint-Germain morgen Abend in Nikosia sehen wollen. An der Südküste wohnen wir, weil wir uns dort in unmittelbarer Nähe zu unserem Flughafen befinden.

Heute hatten wir keine weiteren Fußballpläne und wollten den Tag nutzen, uns an den Linksverkehr zu gewöhnen und Larnaca anzuschauen. Und damit der Lerneffekt besonders groß ist, wollten wir mit dem Auto direkt in die Innenstadt von Larnaca fahren und den Stadtverkehr aus nächster Nähe kennenlernen. Ein ehrgeiziger Plan, zumindest für Denis, denn ich habe mich beim Thema Autofahren dezent zurückgehalten. Ich war ja auch gar nicht als Fahrer eingetragen und das war wahrscheinlich für alle Beteiligten das Beste.

Bevor es aber so weit war, machten wir noch einen kleinen Abstecher an den Strand, der zu unserer Apartmentanlage gehört und sicher – oder für alle Strandurlauber hoffentlich – zu den weniger schönen Exemplaren seiner Art gehört. Mit einem Steinstrand kann man sich ja noch arrangieren, aber einem derart ungemütlichen Ambiente aus alten, teilweise verrosteten Sonnenliegen, einer Reihe orangener Mülleimer mitten auf dem Strandstreifen und so wenig Steinen, dass der Begriff „Steinstrand“ eigentlich übertrieben ist, hätte ich persönlich meine Probleme.

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Aber wir waren ja nicht hier, um auf der faulen Haut zu liegen. Also schnappten wir uns unserem blauen Kugelblitz und machten uns auf den Weg. Die Eingewöhnungsphase für den Linksverkehr dauert noch an. Vor allem das Abbiegen bleibt weiterhin ein Problem, denn beim Rechtsabbiegen einmal die Straße zu überqueren und die hintere Spur zu nehmen, fühlt sich einfach falsch an. Wir steigen unterdessen beide auf der richtigen Seite ein – Fahrer rechts, Beifahrer links – greifen aber grundsätzlich auf die falsche Seite, wenn wir den Gurt suchen.

Wir sind dennoch ohne Unfälle durch den Tag gekommen. Auf dem Weg nach Larnaca haben wir einen Umweg durch ein paar Nachbarorte genommen und konnten ein paar erste Eindrücke von dieser Gegend Zyperns gewinnen. Der Tourismus und das Investmentgeschäft haben hier klar die Oberhand. Die meisten Häuser sind noch relativ neu und alle nach dem gleichen Stil gebaut – klein, eckig, braun bis gelb gehalten. Untergebracht sind in diesen Häusern meist Ferien- oder zu verkaufende Eigentumswohnungen. Die Straßen sind jetzt in der Nebensaison nicht übermäßig bevölkert.

Leider gab es hier nicht viel zu sehen, weil die Gegend sehr flach und meist wenig bewachsen ist. Außerdem sahen die Orte alle gleich aus, weil fast alle Häuser nach demselben Stil in denselben Farben gestaltet sind. Die Vorgärten sind aber meist sehr grün gestaltet, was für ein bisschen Abwechslung sorgt. Anhand der Supermärkte und Geschäfte in den Hauptstraßen sind die Orte auf den ersten Blick voneinander zu unterscheiden.

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Bevor wir Larnaca erreichten, kamen wir an einer großen Fläche vorbei, die nicht die typische Sandfarbe hatte wie der Rest der Gegend, sondern komplett weiß war. Dabei handelte es sich um einen der zwei großen trockenen Salzseen auf Zypern. Im richtigen Licht besehen hätte es auch eine Fläche am Nordpool sein können, wenn nicht an deren Ende Wohnhäuser zu sehen gewesen wären.

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In Larnaca selbst haben wir sehr schnell einen unerwartet günstigen Parkplatz mitten in der Innenstadt gefunden und sind anschließend einfach mal auf blauen Dunst durch die Stadt gelaufen. Wir hatten keinen Stadtplan, also liefen wir zuerst einfach mal an die Promenade. Dort gab es einen kleinen Streifen Strand, an dem Sonnenliegen vermietet wurden und kostenloses WLAN für jeden Sonnenliegenmieter bereitgestellt wurde. Ob das der Grund war, warum so viele Leute am Strand lagen, oder ob sie einfach zu faul waren, aus der Stadt raus zu fahren und sich einen schönen Strand zu suchen, bleibt ungeklärt. Jedenfalls war dieser kleine Strandabschnitt direkt neben den Kränen des Hafens vollkommen übervölkert.

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Um das Bild von der Mittelmeeridylle abzurunden, lief direkt hinter dem Strand eine große Straße, an die große Hotel- und Wohngebäude grenzten, in deren Erdgeschoss Restaurants und Cafés aller großer Ketten der Welt untergebracht waren. Kann man sich irgendwo besser vom stressigen Stadtleben entspannen als am Strand von Larnaca?

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Nachdem wir uns ein wenig umgesehen hatten, kehrten wir in ein kleines Restaurant im Hinterland der Promenade ein. Dieses war so gestaltet wie es ein Kitschfilm nicht besser hätte zeichnen können: eine kleine Seitengasse, gerade breit genug für ein paar Tische, ein paar Tische mit blau-weiß karierten Tischdecken, die Wände der angrenzenden Häuser mit wilden Pflanzen bewachsen und mit blauen Toren versehen, von denen bereits an einigen Stellen die Farbe abblätterte. Herrlich.

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Die Speisekarte gab es auf einer kleinen Kreidetafel, auf der das Angebot händisch vermerkt und ein Gericht bereits wieder weggewischt worden war. Das Essen war mit viel Liebe zubereitet worden und schmeckte phantastisch. Wir hatten jeder ein Kebab mit Gemüse und Kartoffelecken als Beilage.

Um das Mahl abzurunden machten wir einen kleinen Abstecher zum Café einer großen Eismarke an der Promenade, hatten das geilste Schokoeis und den geilsten mit flüssiger Schokolade gefüllten Schokokuchen, die es auf dieser Welt gibt. Fortan konnten wir uns nur noch rollenderweise fortbewegen.

Wir liefen die Promenade noch einmal in die Gegenrichtung ab und fanden das genaue Gegenteil zu dem Abschnitt mit dem Strand. Dort war alles auf Hochglanz poliert, mit riesigen Investitionsobjekten und großen Marken vollgestopft. Auf der anderen Seite waren die Häuser kleiner, älter, teilweise schon ein kleines bisschen heruntergekommen und mit lokalen Restaurants und Läden gespickt. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit bis das große Geld auch hier ankommt und der Promenade das letzte Stück Individualität nimmt.

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Auf dem Weg zurück zum Parkplatz liefen wir durch die Altstadt, die durch eine kleine Fußgängerzone mit alten byzantinischen Gebäuden, ein paar Museen und einer Kirche glänzen konnte. Im beginnenden Sonnenuntergang gab das Ambiente eine wunderschöne Stimmung ab. Schade, dass dort nur so wenige Leute unterwegs waren.

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Nachdem wir eine Ehrenrunde gedreht hatten, fanden wir auf der linken Spur auch wieder aus Larnaca heraus, verpassten aber noch einmal eine Abbiegung, weil wir es beim Linksabbiegen verpasst hatten, gleich die erste Spur zu nehmen. Auf dem Weg zum Apartment machten wir einen kleinen Abstecher zu einem Supermarkt. Wir mussten nämlich noch etwas zum Frühstück für morgen besorgen und die Minibar wieder auffüllen.

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Den Abend verbrachten wir in Vorbereitung auf die kommenden Spiele mit YouTube und den besten Szenen der Fans der Mannschaften, die wir in dieser Woche noch sehen würden. Von dort gelangten wir zu Videos von anderen Fanszenen und zu der Erkenntnis, dass wir auf jeden Fall noch mal zu dem einen oder anderen Derby in Athen, Split und anderen südosteuropäischen Stadien reisen müssen. Und zum Basketball nach Griechenland. Und zum Fußball nach Südamerika. Und, und, und …

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