Tag 4: Allez, Monaco!

30. Oktober 2012. 23:09 Uhr. Zimmer 209, Best Western Alba Hotel. Nizza, Frankreich.

Gestern Abend haben wir mal wieder gemerkt, dass es besser ist, der Tante Hildegard in unserem Navi hin und wieder mal einen neuen Straßenatlas zu kaufen. Sie führte uns nämlich direkt in die Straße, in der unser Hotel liegt. Das meinte sie natürlich nur gut. Leider ist diese Straße aber seit etwa zwei Jahren für den Verkehr mit dem Auto gesperrt, da hier jetzt die Straßenbahn läuft. Aber zum Glück war es schon spät, sodass keine Bahnen mehr fuhren und kaum Fußgänger unterwegs waren.

Da wir aber nun schon in der Straßenbahn- und Fußgängerzone waren und nicht wussten, wohin, hielten wir direkt vor unserem Hotel und fragten nach einem Parkplatz. Da das Hotel selbst keinen hat, wurde uns ein 24-Stunden-Parkhaus ganz in der Nähe empfohlen. Wir sind uns relativ sicher, dass wir für 22 Euro auch jemanden gefunden hätten, der das Auto die ganze Nacht durch die Stadt fährt. Wir können aber leider nicht gut genug Französisch, um jemanden mit dieser Aufgabe zu betrauen. Also parkten wir das Auto für diesen Preis im Parkhaus. Dafür wurde uns aber auch mit einer sehr netten Stimme die Parkplatznummer genannt, als wir ausgestiegen sind. Sehr aufmerksam!

Am Markt

Am Markt

Vor unserem heutigen Tagesziel Monaco wollten wir uns Nizza ein bisschen anschauen und taten gut daran, das zu Fuß zu machen. Enge Straßen, keine Parkplätze, viele Mopeds – das alles hat nicht direkt Lust auf Autofahren gemacht. Nizza macht ohne Auto auch viel mehr Spaß. So liefen wir ein bisschen durch die Fußgängerzonen und genossen den entspannten Trouble auf dem Markt, auf dem neben frischen Lebensmitteln und Pflanzen auch Gewürze, Aquarelle und Portraits angeboten wurden.

Nizza ist eine typische Mittelmeerstadt mit vielen engen Gassen und bunten Häusern mit Fensterläden. Das Leben läuft hier ganz entspannt und die Menschen haben viel Zeit. Auf dem Markt waren viele Leute ganz gemütlich unterwegs und die Cafés waren gut besucht.

Nizza

Nizza

Anschließend bestiegen wir einen Hügel am Wasser und nach nur etwa gefühlten 400 Stufen waren wir auch schon oben. Der Hügel war teilweise bewohnt und teilweise wie ein Park mit Grünflächen angelegt und mit allerlei Bäumen, Strächern und Agarven bewachsen. Es gab viele Sitzbänke und wir konnten ein paar sehr tolle Aussichtspunkte auf Nizza, das Mittelmeer und den Hafen finden.

Nach einem Espresso unten in einem Restaurant direkt am Wochenmarkt, von dem aus man das Geschehen ein bisschen beobachten konnte, machten wir uns auf den Weg zurück zum Hotel, um den Autoschlüssel und das Navi zu holen und vorher noch ein Mittagsschläfchen einzulegen.

Mittelmeer

Mittelmeer

Dann machten wir uns aber wirklich auf den Weg in das nur 23 Kilometer entfernte Monaco. Nachdem wir es irgendwie aus Nizza heraus geschafft hatten, hielten wir in ein paar sehr netten Orten an der Küste. Wir stoppten in Villefranche-sur-Mer, Beaulieu-sur-Mer, Les Pissarelles und ein paar anderen, genossen Aussichten, wunderschöne kleine Städte und die entspannte Atmosphäre. Mittag besorgten wir uns im örtlichen Supermarché einer Kleinstadt. Mit Toast, Salami und Käse saßen wir im Schatten eines Vier-Sterne-Hotels und aßen eine Kleinigkeit.

Dann ging es weiter und es flog die Frage auf, ob man für die Einreise nach Monaco einen Ausweis benötigen würde, da Monaco ja kein Mitglied der EU ist. Denis hatte seinen dabei, ich hatte mein Portemonnaie inklusive Perso vorausschauenderweise allerdings im Hotel gelassen. Wir fuhren aber weiter und wollten es aber erst mal darauf ankommen lassen. Zur Not wären die 23 Kilometer zurück nach Nizza ja auch nicht unerreichbar weit entfernt.

Zum Glück sind wir nicht auf halber Strecke umgekehrt. Denn wäre nicht plötzlich direkt an der Straße ein Ferrari-Laden aufgetaucht, hätten wir es gar nicht gemerkt, dass wir schon in Monaco waren.

Stade Louis II - links im Bild

Stade Louis II – links im Bild

Die Verkehrssituation in Monaco ist mindestens doppelt so unübersichtlich wie die in Nizza. Dafür sind aber die Straßen noch stärker ineinander verwoben und viel stärker befahren. Eigentlich musste man die ganze Zeit einen Fuß auf der Bremse und mindestens vier Paar Augen haben, um halbwegs unbeschadet durch die Stadt zu kommen.

Wir wollten in der Nähe des Stade Louis II parkten, weil wir abends noch das Ligapokal-Achtelfinale zwischen Monaco und Troyes sehen wollten. Hätte es nicht groß dran gestanden, hätten wir gar nicht gemerkt, dass wir schon da waren. Das Stadion sah nämlich genauso nichtssagend aus wie die Gebäude drum herum und hätte auch genauso gut ein Bürogebäude sein können. So war es auch wenig überraschend, dass sich direkt neben dem Haupteingang ins Stadion der Eingang zur International University of Monaco befand. Wir fuhren also in eines der angeschlossenen Parkhäuser und trauten uns kaum, auszurechnen, was der Spaß kosten würde. Die Tarife waren nämlich im 20-Minuten-Takt angegeben.

Wir machten uns zu Fuß auf in Richtung Stadt und Hafen. Hier war gerade Dom und es reihte sich eine Fressbude an die nächste, unterbrochen von Karussells und Losbuden. Ein Unterschied zum Hamburger Dom oder den Randowfesttagen war – bis auf die Französische Sprache und die Zahlen auf den Preisschildern – nicht zu erkennen.

Monaco

Monaco

Vom Hafen aus konnte man ganz gut auf den Hügel hinauf gucken, wo die ganzen Hochhäuser, Hotels, Casinos, Banken und so weiter stehen. Diese sahen – ähnlich wie in Brüssel – größtenteils aus wie schnell in den Siebziger Jahren hochgezogen. Hübsch ist anders, aber das Bild insgesamt machte schon was her, vor allem, weil alles so gedrängt auf engstem Raum stand. Monaco ist flächenmäßig gar keine so große Stadt, dafür aber unheimlich eng und hoch gebaut.

Wir spazierten am Hafen entlang und kamen aus dem Staunen über die Größe und von außen sichtbare Ausstattung der hier liegenden Boote nicht heraus. Da gab es welche mit mehreren „kleinen“ Beibooten, ein paar exquisit eingerichtete Sonnendecks, eine Waschküche, die besser ausgestattet war als unsere ganze Wohnung und ein paar Fender, die größer waren als wir beide zusammen. Dazu kam noch die schiere Anzahl der Luxuskutter in diesen relativ kleinen Hafenbecken. Hier lag definitiv genug Geld, um Griechenland sehr kurzfristig aus der Krise zu holen. Unglaublich.

Wir liefen ein bisschen herum und fanden ein paar tolle Aussichtpunkte mit Blick auf Monaco mit dem Hafen im Vordergrund und auf das Meer.

Imbiss im Stadion

Imbiss im Stadion

Anschließend tranken wir einen Espresso und einen halben Liter Wasser im „Bilig Café“ für 7,10 Euro und machten uns auf den Weg zurück zum Stadion. Auf diesem wurde es uns erst richtig bewusst, was es heißt, in Monaco zu sein. Wo alle anderen Städte auf der Welt nur poplige Steinstufen haben, gibt es hier zusätzlich überall eine Rolltreppe, auch im Freien. Endlich mal eine Stadt, in der man weiß, wie man Steuergelder sinnvoll investiert.

Am Nachmittag hatten wir schon unsere personalisierten Eintrittskarten gekauft – Business-Seats auf Höhe der Mittellinie für je 31 Euro. Warum soll man nicht zeigen, wenn es einem gut geht?

Circa eine Stunde vor Anwurf waren wir fast allein im Stadion und in unserem Block sowieso. So liefen wir ein bisschen herum, um uns das Stadion etwas näher anzusehen. Es war von innen auch nicht viel schöner als von außen, dafür hatte es aber auch Rolltreppen auf dem Weg zum Block. Es gab ein paar kleine Verkaufstresen, aber ansonsten war es sehr leer vor den Eingängen zu den Blöcken.

Wiederanpfiff

Wiederanpfiff

Den Klassiker AS Monaco, Erster der 2. Liga, gegen Estac Troyes, Letzter der 1. Liga, im Achtelfinale des französischen Ligapokals wollten 5.103 Zuschauer auf keinen Fall verpassen. Wir sahen kein schönes Spiel. Monaco spielte in der ersten Halbzeit schneller und beweglicher und ging durch einen Elfmeter in Führung. In der zweiten Halbzeit drehte Troyes auf und das Spiel auf 1:2. Eine gelb-rote Karte für den besten Spieler der Gäste  brachte noch mal ein bisschen Spannung ins Spiel, obwohl dieser erst mal zwei Minuten quer über den Platz spazierte, um den Innenraum zu verlassen. Der Ausgleich gelang Monaco zum Glück nicht, denn für eine Verlängerung war es mittlerweile zu kalt geworden.

Nach dem Spiel ging es zurück ins Parkhaus. Die Kreditkarte steckte bereits im Automaten als uns jemand darauf aufmerksam machte, dass wir nicht zahlen mussten. Die Schranken waren nämlich offen und alle durften kostenlos herausfahren. Wir hatten uns auch schon gewundert, dass sich keine Schlange vor dem Automaten gebildet hatte.

Was bleibt von dem Spiel in Erinnerung?

  • In Monaco gibt es keine Stadionbratwurst, sondern Baguette und Hot Dogs.

    Louis Vuitton-Tasche mit Fernglas

    Louis Vuitton-Tasche mit Fernglas

  • Alex Mendy muss einen Bruder oder Cousin haben, der ebenfalls Fußballprofi ist. Denn beim AS Monaco spielt mit der Nummer 23 ebenfalls ein schwarzer Spieler mit dem gleichen Namen.
  • Es gibt im Stadion Espresso, der für uns umsonst war, weil wir den allerletzten Rest bekommen haben, der nur einen halben Plaste-Espressobecher (!) füllte. Den Herrn am Kaffeestand habe ich versehentlich auf Französisch gefragt, ob er Kaffee ist und nicht ob er Kaffee hat. Er war trotzdem sehr nett.
  • Das Publikum ist hier noch schlimmer als in Hamburg und beginnt wegen jedem Scheiß, gleich zu pfeifen.
  • Vor uns saß eine Louis Vitton-Tasche mit Fernglas.
  • Es gibt hier viele Banner und wenig Leute. Die Ultrá-Gruppe ist etwa so groß wie eine halbe Schulklasse.
  • Beim Tor wird mit einer Konfettikanone Konfetti geschossen.
  • Die Schiedsrichter sind hier ähnlich schlecht wie bei uns.

Der Rückweg führte uns durch die Berge mit einem tollen Blick auf die Küste und später auch an Nizza. Morgen geht’s nach Marseille und jetzt ins Bett. Gute Nacht.

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