Tag 4: So schief ist der Turm gar nicht!

11. Oktober 2011. 21:15 Uhr. Zimmer 350 Best Western Grand Hotel Lucca, Italien.

Unser erstes Ziel heute Morgen war Pisa. Nachdem wir gestern bis auf den Flughafen nicht viel von der Stadt gesehen haben, sollten heute der Schiefe Turm und Co. dran glauben. Die Fahrt dauerte eine halbe Stunde und nach gefühlten 38 Kreisverkehren haben wir auch einen Parkplatz gefunden.

Als wir vor zwei Jahren in Rom waren, war uns schon aufgefallen, dass es dort übermäßig viele Kreisel gibt. Dies führten wir darauf zurück, dass dort vor vielen hundert Jahren alle 10 Meter ein Springbrunnen gebaut wurde und die Straßen drum herum angelegt werden mussten. Die Theorie passt auf die Toskana nicht unbedingt, aber trotzdem werden hier vielerorts Ampeln durch Kreisel ersetzt. Das ist auch gar nicht so schlecht, denn überall, wo Ampeln stehen, läuft der Verkehr viel langsamer. Es ist mir aber weiterhin schleierhaft, was das für Leute sind, die in einem dreispurigen Kreisverkehr die innerste Spur benutzen.

Campo die Miracoli

Campo die Miracoli

Also Pisa. Den Schiefen Turm, den Dom und das Baptisterium haben wir schon von Weitem gesehen, weil Lucca etwas höher liegt als Pisa und man auf dem Weg nach unten einen tollen Blick auf die Stadt hat. Vom Parkplatz waren es ein paar Minuten Fußweg zum Tor durch die Stadtmauer und schon standen wir am Campo die Miracoli, wo die größten Sehenswürdigkeiten Pisas auf einem Platz versammelt stehen.

An der Seite des Platzes stand etwa 100 Meter lang Touristenkramstand an Touristenkramstand. Allerdings waren auch genug Leute vor Ort, die dort einkaufen würden. Man mag sich gar nicht vorstellen, was dort in der Saison los ist. Alle Leute machten ihr eigenes gaaanz individuelles Foto, wie sie den Turm stützen oder schief davor stehen.

Pisa

Pisa

Interessant war die Staffelung der Eintrittspreise. Auf dem Campo die Miracoli gibt es sechs Sehenswürdigkeiten – den Turm, den Dom, das Baptisterium, einen Friedhof und zwei Museen. Der Eintritt in alle fünf Sehenswürdigkeiten, die nicht der Schiefe Turm sind, kostet zusammen 10 Euro. Wer in den Turm will, muss allein dafür 15 Euro zahlen.

Insgesamt war Pisa aber ein bisschen enttäuschend. Der Turm und die anderen Sehenswürdigkeiten sahen aus wie gerade neu gebaut und haben damit den Charme des Alten verloren. Der Rest der Innenstadt war ziemlich laut und alt. Aber wenn man schon mal hier ist, muss man das schließlich mitnehmen. Der Schiefe Turm ist übrigens gar nicht so schief wie wir immer dachten. Da er schon beim Bau auf der einen Seite abgesackt ist, hat man das nach oben hin korrigiert. Daher wirkt er ein bisschen wie eine Banane. Und von der richtigen Seite betrachtet ist er sogar ziemlich gerade.

Nachdem wir mit Pisa fertig waren, fuhren wir 20 Kilometer weiter südlich nach Livorno, einer etwas größeren Stadt als Pisa mit Hafen. Dort war es ganz nett, aber der Ort hat uns auch nicht von den Socken gehauen. Das lag wohl einerseits daran, dass im Hafen nur große Kreuzfahrt- und Containerschiffe lagen und man dort nicht gemütlich Eis essen konnte. Andererseits war es vielleicht auch ein bisschen zu warm.

Mittelmeerküste

Mittelmeerküste

Wir waren uns nicht mehr ganz sicher, wo wir jetzt genau geparkt hatten. Daher irrten wir ein bisschen durch die Straßen. Nachdem wir unser Auto dennoch wiedergefunden hatten, fuhren wir relativ schnell weiter nach Castiglioncello, einem Badeort, der noch eine Dreiviertelstunde weiter südlich als Livorno liegt. Dort war es richtig schön. Es war ein kleiner Ort am Mittelmeer mit Yachthafen, das Wetter war bombastisch und es war sehr ruhig. Letzteres ist in der Saison wohl anders, wenn auch wirklich Urlauber vor Ort sind. Heute waren 98 Prozent aller Restaurants und Läden geschlossen, da diese außerhalb der Saison nur noch am Wochenende öffnen, die Parkplätze waren leer und die Fensterläden aller Ferienhäuser und –residenzen geschlossen. Manche waren sogar mit Brettern vernagelt. Nachts ist Castiglioncello wohl eine Geisterstadt.

Nach einigem Suchen haben wir eine kleine originale Gelateria gefunden, die tatsächlich geöffnet war. Endlich gab es Eis! Und das konnten wir auch mit Blick auf das Meer genießen. Die Kugeln sind hier keine Kugeln im klassischen Sinne sind, sondern mit einem Eisspachtel zusammengekratztes unförmiges Eis. Unsere drei Eisklumpen waren wohl ein bisschen zu groß für die kleine Waffel, denn die Hälfte des Eises ist wohl auf die Straße oder unsere Hände getropft. Lecker war es trotzdem!

Nach dem Eis fuhren wir wieder nach Norden Richtung Lucca. Dabei kamen wir auch nach Marina di Pisa, einem Ferienort bei Pisa, vorbei, der mal der Hafen dieser Stadt gewesen ist. Dort kam man ans Wasser nur über eine der zahlreichen Badeanstalten, die natürlich in der Saison Eintritt kosten und außerhalb der Saison geschlossen sind. Eine andere Bademöglichkeit haben wir hier jedenfalls nicht gesehen.

Lucca

Lucca

Anschließend ging es weiter nach Lucca, das wir uns natürlich auch noch anschauen wollten. Die Altstadt Luccas ist komplett von einer sehr hohen Stadtmauer umgeben und das Tor, das wir nach Innen nahmen, war wohl früher nur der Dienstboteneingang.

Lucca hat eine wunderschöne Altstadt mit stark bevölkerten, engen Gassen, gepflegten Häusern und vielen kleinen Restaurants und Boutiquen. Eigentlich hätte nur noch gefehlt, dass im Hintergrund italienische Musik gespielt wird und die Kulisse für einen Kitschfilm mit allen Klischees wäre perfekt. Wir sind in Lucca etwas spazieren gegangen und haben viele Kirchen, den Uhrenturm und die Piazza del Mercato gesehen. Letztere ist ein runder, von Häusern in verschiedener Höhe und Farbe gesäumter Platz, der früher mal ein Amphitheater war.

Die Ruhe und die kleinen Restaurants mit den Tischen auf der Straße waren ein Traum. Da war es fast schon schade, dass unser Hotelgutschein neben Übernachtung und Frühstück auch Abendbrot beinhaltet.

Nach dem Spaziergang fuhren wir ins Hotel und machten uns auf zum Dinner. Hier stellten wir mal wieder fest, dass wir noch ein paar Seiten im Knigge lesen müssen. Wer kippt den Wein nach, wenn der Mann aufstehen müsste, um an den Weinkühler heran zu kommen? Warum kommt das zweite Messer erst mit dem Hauptgang? Und wie zum Teufel steht man nach drei Gläsern Wein auf, ohne Krach zu machen?

Zwei Gänge und einen Dreiviertelliter Wein später liegen wir nun vollgefressen auf unserem Bett und haben sogar schon einen Plan für unsere Fahrt morgen nach Florenz.

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