Tag 4: Wintersport, Grundsatzfragen des Lebens und nackte Menschen in Oslo

10. März 2016. Oslo, Norwegen.

Derzeit findet in Oslo am Holmenkollen die Biathlon-Weltmeisterschaft statt. Um 15:30 Uhr startet heute das Entscheidungsrennen der Herren über 20 Kilometer. Weil wir allerdings zu jung sind, um an einer derartigen Veranstaltung teilnehmen zu können (spätere Vor-Ort-Recherchen legen das Biathloneintrittsalter auf ca. 43,4 Jahre fest), und noch vor dem Ansturm der Zuschauermassen die Skisprungschanze, an deren Fuß sich die Biathlonstrecke befindet, besichtigt haben wollen, machen wir uns direkt nach dem Frühstück auf den Weg dorthin.

Ist Fußball eigentlich cooler als Biathlon?

Es ist kurz nach 10:00 Uhr, also fünfeinhalb Stunden vor Anpfiff, und alle anderen Fahrgäste in der Metro Richtung Holmenkollen sind Biathlonfans. Unsere unmittelbaren Nachbarn tragen schwarz-rot-gold-geringelte Bommelmützen, man unterhält sich über den heutigen Standort an der Strecke und prahlt mit Biathlonerfahrungen an anderen namhaften Orten wie Rupolding.

Nach dem Ausstieg macht man sich auf den Weg zum Gelände, der Eingang ist bereits geöffnet. Was man dort fünfeinhalb Stunden bis zum Anpfiff macht? Ehrlich, keine Ahnung. Weil man seinen Platz an der Strecke offenbar nicht mit einem Handtuch markieren darf, muss man wohl möglichst früh vor Ort sein, um ihn zu sichern. Man will ja schließlich die beste Sicht auf die Sportler haben, die später viermal an einem vorbeifahren.

Aber gut, als jemand, der jedes Wochenende einen Tag auf Reisen verbringt, um 22 erwachsenen Männern zuzugucken, wie sie mit einen Ball spielen (um hier mal in der klischeehaften Bildsprache zu bleiben), sollte man die Augenbrauen wohl nicht allzu hoch ziehen.

Die Antwort auf die o.g. Frage lautet dennoch ganz eindeutig: JA!

So, nachdem wir jetzt eine der Grundsatzfragen der modernen Philosophie ohne große Umschweife beantwortet haben, können wir endlich weiter machen.

Horrorfilm am Hüpfturm

Im Gegensatz zu allen anderen Passagieren, die die Metro am Holmenkollen verlassen, laufen wir in Richtung Skisprungschanze und müssen einmal mehr feststellen, was für eine ganz wunderbare Sprache das Norwegische ist. Was wir umständlich „Skisprungschanze“ (Gibt es eigentlich ein deutscheres Wort?) nennen, heißt hier schlicht „Hopp tårn“, was ich ohne Norwegischkenntnisse irgendeiner Art und Weise frei mit „Hüpfturm“ übersetzen würde. Großartig!

Nicht ganz so großartig ist leider der Ausblick von der Aussichtsplattform des Hüpfturms. Mit einem Fahrstuhl kann man den Turm hinauffahren und vom höchsten Punkt, also dort, wo die Skispringer vor dem Anlauf auf der Schanze sitzen, eine tolle Aussicht auf Oslo einfangen. Zumindest in der Theorie.

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Bester Blick auf Oslo.

In der Praxis ist ein Nebel aufgezogen, auf den so mancher Horrorfilm neidisch wäre. Dieser ist leider so dicht, dass man nicht mal das Ende der Schanze sieht. [Später am Tag sollen wir übrigens im Fernsehen sehen, dass das Biathlonrennen bei bestem Wetter und strahlendem Sonnenschein stattfindet. Timing ist alles.]

Kultur. Oder so.

Wieder in der Innenstadt angekommen, wird es endlich Zeit für ein bisschen Kultur, die wir uns im Vigelandpark geben wollen. Beim Vigelandspark handelt es sich um einen Park, den der norwegische Künstler Gustav Vigeland entworfen hat und der vollgestellt ist mit dessen Skulpturen. Es ist eine fast schon verstörende Anzahl an nackten Steinmenschen zu sehen, die mehr oder weniger ineinander verschlungen miteinander interagieren.

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Vigelandpark.

Der Vigelandpark ist Teil des Frognerparks und sehr großzügig und weitläufig angelegt. Sobald die Bäume nicht mehr kahl und die Blumenbeete nicht mehr durch Frostschutzmatten bedeckt sind, weiß dieser Ort mit Sicherheit sehr zu gefallen. Anfang März bei wolkenverhangendem Himmel ist die Magie des Parks eher übersichtlich.

Oslo vom Wasser aus betrachtet

Am Nachmittag wollen wir eine Bootstour mit einer Fähre unternehmen, die als Teil des öffentlich Nahverkehrs Oslos die größten vorgelagerten Inseln der Stadt miteinander verbindet. Die Linie B3 legt ganzjährig zur vollen Stunde vom Rathaus (Rådhuset) ab und ist etwa eine Stunde unterwegs.

Bei dieser Gelegenheit kann man nebenbei noch das Rathaus bestaunen, das die UNESCO als „häßlichestes Rathaus der Welt“ ausgezeichnet und unter Denkmalschutz gestellt hat. [Diesen Teil muss ich nicht als Ironie kennzeichnen, oder?]

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Rathaus Oslos. Von der Schokoladenseite aus fotografiert.

Die Fährfahrt selbst ist sehr entspannt, da kaum andere Passagiere an Bord sind, und bietet einen schönen Blick auf die Stadt und die vielen bunten Häuschen auf den Inseln. Diese stehen derzeit noch fast vollständig leer und scheinen die Schrebergarten-Alternative der Norweger zu sein.

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Sommerwohnsitz vor Oslo.

Weihnachtsmarkt und schon wieder Wintersport

Am Abend wohnen wir noch der Siegerehrung des heutigen Biathlonrennens bei, die in der Innenstadt unweit unseres Hotels stattfindet. Es gibt eine große Videoleinwand, vorn an der Bühne (nach der obligatorischen Sicherheitskontrolle) schwenken einige Österreicher und Franzosen pflichtbewusst ihre Fahnen, die Medallien werden verteilt, die französische Nationalhymne gespielt. Nach acht Minuten ist alles vorbei und man verteilt sich auf der Fanmeile, die an einen Weihnachtsmarkt erinnert. Dort gibt es viele kleine Holzbuden, Glühwein und Rentierburger.

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Siegerehrung.

Verbindungen

Keine.

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