Tag 4: Wo ist eigentlich die Kreuzung?

29. Juni 2014. Viñales, West-Kuba – Soroa, Kuba. 160 Kilometer.

Viñales - Soroa. 160 Kilometer

Viñales – Soroa. 160 Kilometer

Unser Frühstück war heute Morgen genau das gleiche wie in Havanna. Allerdings mit einem Unterschied: es gab Omelette statt Rührei. Der Kaffee, der Obstsaft, das Brot und die Marmelade waren aber fast genauso wie wir sie schon in Havanna hatten.

Danach stellten wir kurz die beiden Besorgungen des Tages an: Geld und Benzin. Wir waren uns erst nicht richtig sicher, was wir genau tanken sollten, aber der beiden Zapfsäuleneinweiser an der örtlichen Tankstelle zeigte uns die richtige Säule. Eine Zahlung mit Kreditkarte war dort aber leider nicht möglich, weil das Lesegerät keine Verbindung herstellen konnte. Das war aber kein Problem, denn wir hatten ja vorher Geld gewechselt und mussten gar nicht so viel bezahlen, nur 29 CUC (22 Euro). Das lag aber nicht daran, dass der Treibstoff hier so günstig ist, sondern daran, dass der Tank unseres Autos so klein ist. Der Preis pro Liter Superbenzin (oder so ähnlich, 94 Oktan) liegt bei knapp einem Euro.

Anschließend begann schon unsere Tour durch das Valle de Viñales. Das Valle de Viñales ist ein Tal in der Sierra de los Órganos, dem Orgelpfeifengebirge, eine der beeindruckendsten Gegenden Kubas und sehr reich an Flora und Fauna. Es gibt 20 Arten, die ausschließlich in diesem Tal leben. Das Valle de Viñales ist gespickt von Kalkfelsen, die Mogotes genannt werden und von oben bis unten bewachsen sind.

Wir hatten einen privaten Guide, Pedro, mit seinem Hund, Rocky Balboa, seines Zeichens eine Promenadenmischung, etwas größer als ein Dackel, dafür nicht ganz so lang. Wir waren wohl die einzigen Touristen, die diese Tour zu Fuß unternahmen, alle anderen waren auf dem Pferd unterwegs. Dazu hatten wir aber keine Lust, weil Pferde stinken und wir lieber selbst ein bisschen ins Schwitzen kommen wollten. So warm ist es hier ja nicht, schon gar nicht um die Mittagszeit.

Toller Blick auf das Valle de Viñales

Blick auf das Valle de Viñales

Wir liefen also mit Pedro in das Tal hinein und konnten die Gegend ganz langsam erkunden und genießen. Zurzeit sind die meisten Felder mit Mais bestellt, der schon gut und gerne 2,20 Meter hoch ist. Ansonsten formten vor allem Palmen und Bananenbäume die Gegend. Und natürlich die Mogotes. Es war ein Traum, über die roten Lehmwege durch die Natur zu streifen und die Pflanzen- und Tierwelt zu beobachten. Letztere bestand größtenteils aus Schweinen, Büffeln, Kühen, ein bisschen Geflügel und Pferden, mit denen hauptsächlich andere Touristen unterwegs waren.

Unseren ersten Zwischendurchhalt legten wir in einem kleinen Holzhaus ein, in dem Tabakblätter getrocknet werden. In ein paar Monaten werden die Mais- nämlich durch Tabakfelder ersetzt und hier wird der beste Tabak der Welt angebaut. So sagen zumindest die Einheimischen, die mit dieser Meinung nicht ganz allein dastehen. Wir bekamen von einem jungen Herrn eine Vorstellung, wie echte Zigarren gerollt werden und durften währenddessen probieren, wie das Endprodukt schmeckt. Als Nichtraucher muss ich sagen, dass die Zigarre echt gut war, zumindest nach meiner unqualifizierten Meinung. Sie hat überhaupt nicht im Hals gekratzt, war sehr süß und hat nicht mal im Ansatz so gestunken wie die Zigarren, die in Deutschland geraucht werden.

Das kann daran liegen, dass die Zigarren im Valle de Viñales vollkommen ohne chemische Zusätze hergestellt werden. Sie bestehen nur aus den zusammengerollten Tabakblättern und erhalten Aromen aus verschiedenen Obstsorten und Rum, verklebt werden sie mit Honig. Dieser stand auch bereit, damit wir das Mundstück unserer Zigarre eintauchen konnten, was eine super Idee war. Wir kauften ein paar Zigarren und zogen weiter.

Immer wieder an tollen Aussichtspunkten vorbei und durch die atemberaubende Gegend laufend, kamen wie schließlich zu einer natürliche Höhle, in der ein ganz kleiner Bach floss, an dem wir uns ein wenig erfrischen. Wir hielten uns etwas in der Höhle auf, weil es dort Schatten gab und die Luft sehr angenehm war. Weit ins Innere sind wir allerdings nicht gegangen, weil dort laut Aussagen Pedros tagsüber hunderte von Fledermäusen von der Decke hängen und schlafen.

Über einen Stopp an einer Bar, an der wir eine kleine Erfrischung einnahmen, ging es zurück zu unserem Casa. Die Tour hat etwas über drei Stunden gedauert und wir waren hinterher gut durchgeschwitzt und dreckig vom Lehmboden. Ich bin zusätzlich noch ein bisschen rot geworden, weil ich am Morgen die Sonnencreme vergessen hatte. Super Voraussetzungen für die anstehende Fahrt.

Unebener Straßenbelag

Unebener Straßenbelag

Wir machten uns nun gegen 13:00 Uhr auf den zum nächsten Ziel: Soroa, das gar nicht so weit entfernt liegt von Viñales. Auf direktem Wege sind es nur etwa 120 Kilometer. Deshalb und weil wir ja genug Zeit hatten, wollten wir den Weg über kleine Straßen zurücklegen, um ein bisschen vom Leben und der Gegend zu sehen.

Nachdem wir für ein fünf Kilometer langes Stück direkt hinter Viñales allerdings über eine halbe Stunde gebraucht hatten, planten wir ein bisschen um. Die Strecke war nämlich dermaßen schlecht, dass wir kaum schneller als 20 Stundenkilometer fahren konnten und immer wieder ganz abrupt auf sehr langsame Schrittgeschwindigkeit abstoppen mussten. Obwohl die Schlaglöcher riesig groß waren, hat man sie erst unmittelbar vorher gesehen. An einigen Stellen war die Straße sogar so schlecht, dass daneben schon ein Weg in den Sand gefahren war. Wir haben ein paar Male trotz größter Vorsicht aufgesetzt und sind immer in Schlangenlinien gefahren, um den Löcher auszuweichen. Allein dadurch hat sich die Strecke wahrscheinlich schon mehr als verdoppelt.

Unser Plan B besagte, dass wir nun nicht mehr ausschließlich die kleinen Straßen benutzen wollten, sondern die Hauptstraße, die wir gestern nicht gefunden hatten. Nach etwa 60 oder 70 Kilometern müssten wir nur rechts abbiegen und schon sollten wir uns auf der Straße befinden, die direkt nach so Soroa führt. Soweit die Theorie.

Die Praxis zeigte, dass wir auf jeden Fall auf der richtigen Straße waren und eine wunderschöne Gegend sahen. Wir hatten einen tollen Blick auf das Tal mit seinen Feldern, Palmen und Hügeln und konnten diesen auch genießen, weil es nur ganz wenig Verkehr gab. Und der Verkehr, der da war, war zum größten Teil nicht motorisiert, sondern fand zu Pferde statt. Außerdem waren die Straßenverhältnisse zwar etwas besser, ließen es aber nicht zu, dass man übermäßig beschleunigen konnte.

Wir fuhren durch einige kleinere Orte und passierten auch Bahia Honda, welcher der letzte Ort sein sollte, bevor wir nach rechts auf die Straße nach Soroa abbiegen mussten. Von dort bis zur Kreuzung waren es schätzungsweise zehn Kilometer. Die Fahrt mit der Landkarte ließ einige absurde Dialoge wie diesen hier entstehen:

Wir waren uns nicht sicher, wie weit es noch war und suchten bereits länger nach der Straße Richtung Soroa.

— „Also hier links ist jetzt Wasser.“
— „Nein!“
— „Wie, nein? Doch! Guck, da!“
— „Nein, laut Karte ist hier kein Wasser!“
Einige Minuten später…
„Wieso steht auf dem Schild da, dass in einem Kilometer Cabañas kommt? Das kann gar nicht sein, dann wären wir ja zwanzig Kilometer zu weit gefahren…“ – Pause – „Das würde dann allerdings das Wasser erklären.“

Um einmal dem Eindruck vorzubeugen, wir wären zu doof, einfach rechts auf die einzige Straße weit und breit abzuziehen: Wir haben beide aufmerksam alles rechts von uns verfolgt und nach einer Kreuzung gesucht. Es. Gab. Sie. Einfach. Nicht. Sie war nicht da. Definitiv!

Navigator

Navigator

Nun ja, wir konnten dann in Cabañas auch nach rechts Richtung Süden abbiegen und auf einer Parallelstraße den Weg zurück fahren. Dabei haben wir etwas ganz wichtiges gelernt: Google Maps auf dem Handy funktioniert auch ohne Internetverbindung, zumindest soweit man das Kartenmaterial abgespeichert hat. Man kann nicht sehr weit hinein zoomen, dann wird es verschwommen. Aber via GPS wird der aktuelle Standort angezeigt, was hierzulande das größte Problem beim Fahren mit der Landkarte ist.

Es sind immer wieder Orte auf der Karte eingetragen, die in Wirklichkeit nicht als solche erkennbar sind. Meist sind es nur wenige Häuser auf einem Haufen, ohne Ortseingangs- oder -ausgangsschild. Deshalb und weil die Karte aufgrund ihrer Größe auch nicht allzu detailliert sein kann, kann man nur ganz selten während der Fahrt genau bestimmen, wo man sich gerade befindet. Und wenn man das nicht weiß, ist es schwierig zu wissen, wann man wie abbiegen muss.

Wir fuhren dann genauso wie geplant und mithilfe des GPS Richtung Soroa. Die Straßenbeschaffenheit war dabei sehr unterschiedlich. Es gab Abschnitte, da war man definitiv zu Fuß schneller und es gab Abschnitte, die sehr angenehm und schlaglochfrei waren. Auf den guten Teilstücken waren wir auch immer allein und sahen allerhöchstens ein paar Bauern oder Waldarbeiter, die zu Fuß unterwegs waren.

Terrasse vor unserem Zimmer

Terrasse vor unserem Zimmer

Kurz vor Las Terrazas fuhren wir in einen Nationalpark und waren nun mittendrin in der schönsten Landschaft und im saftigsten Tropenwald. Palmen so weit das Auge reichte, vermischt mit anderen Bäumen, Sträuchern, Blumen und viel Grünzeug, ein Traum.

Über die guten Straßen des Nationalparks kamen wir auch relativ schnell nach Soroa, wo wir ebenso schnell unser Casa fanden. Es handelt sich um ein kleines Haus mit drei zu vermietenden Räumen mit einem traumhaften Garten, der aus allen Pflanzen der Gegend zu bestehen scheint. Kaum angekommen, wurden wir auch schon von der Hausherrin in Lockenwicklern begrüßt. Diese trug sie den ganzen Abend lang, auch als sie uns Essen brachte.

Als wir nach dem Essen auf der Veranda vor unserem Zimmer in unseren Schaukelstühlen saßen, bekamen wir auch mit, dass das Elfmeterschießen beim Spiel Costa Rica gegen Griechenland für erstere ausgegangen sein musste. Zumindest wenn unsere Gastgeber – wie die große Mehrheit der Kubaner – allen Mittel- und Südamerikanischen Mannschaften die Daumen drücken.

Da fällt mir ein, dass wir heute Mittag einen Liveticker auf kubanische Art erlebt haben. Als wir von unserer Tour im Valle de Viñales kamen, sagte unserem Guide jemand im Vorbeifahren, dass Mexiko gegen die Niederlande führte. Pedro übersetzte das gleich für uns und sagte es wirklich jedem weiter, dem wir auf dem Weg noch begegnet sind. Scheiß auf Internet und Videotext, die Spielstände erfährt man am besten auf der Straße.

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