Tag 5: Hauptsache, es bleibt trocken!

31. Oktober 2012. 21:04 Uhr. Zimmer 219, Ibis Budget Hotel. Marseille, Frankreich.

Heute stand die Fahrt nach Marseille entlang der Côte d’Azur auf dem Programm. Der Tag begann sehr regnerisch und wurde auch leider nicht besser. Sehr schade, aber nützt ja nix. Wir waren nun mal hier und wollten auch was von der Gegend sehen. Und das haben wir auch.

Strand in Cannes

Strand in Cannes

Da es nass und kalt draußen war, hielten wir in den ersten geplanten Unterwegshalten nicht an, sondern schauten sie aus dem Auto heraus an. Darunter war auch Cannes, wo wir eine gefühlte halbe Stunde an einer Ampel standen. Hier fuhren wir auch direkt ans Wasser, wo wir zum ersten Mal eine Ahnung davon bekamen, wie stürmisch es heute war. Einige Wellen waren so hoch, dass sie auf die Straße spritzten und schon allerhand Sand angespült hatten.

Dann ging es weiter Richtung Westen. Der Weg, den wir wählten, führte uns direkt am Wasser entlang durch die Berge. Die Straßen waren ziemlich leer, sodass wir größtenteils allein unterwegs waren und die Ruhe dort oben genießen konnten. Genießen konnten wir außerdem einen tollen Ausblick auf das Mittelmeer, das nach wie vor ziemlich wild und ungemütlich Wellen schlug. Der Wind war oben in den Bergen auch nicht gerade milder und geregnet hat es sowieso fast die ganze Zeit.

Blick vom Parkplatz auf das Meer

Blick vom Parkplatz auf das Meer

In regelmäßigen Abständen gab es Parkplätze, die alle in Richtung des Wassers abgingen. Diese waren meist mit Absperrband gesperrt, sodass dort kein Parken möglich war. Nur einen Parkplatz fanden wir, der geöffnet war. Wir hielten dort und wollten uns nur kurz umsehen, wurden aber direkt von einem Polizisten weg geschickt. Aufgrund des Sturmes wäre es wohl zu gefährlich gewesen, dort stehen zu bleiben. Die Wellen waren so hoch, dass sie auf den Parkplatz hätten schwappen und uns mitreißen können.

Das liest sich jetzt wohl wie die Beschreibung eines ziemlich bescheidenen Urlaubstags. Das war es aber ganz und gar nicht, denn geschützt in unserer Knutschkugel konnten uns weder Sturm noch Regen etwas anhanben. Außerdem macht so ein Herbststurm auch mal Spaß, weil dann alles in Bewegung ist. Bei unseren kurzen Halten unterwegs sind wir meist nass geworden, hatten dafür aber einen tollen Ausblick und ein bisschen Wind im Haar.

Anwesen am Wasser

Anwesen am Wasser

Wir fuhren durch viele kleinere Orten mit ziemlich engen Straßen. Nebenbei sahen wir immer wieder ein paar riesige Anwesen weit weg von den eigentlichen Orten. Diese waren meist irgendwo auf einen Felsvorsprung direkt am Wasser gebaut und nur über private Straßen erreichbar. Im Sommer, bei schönem Wetter, lässt es sich dort wahrscheinlich gar nicht so schlecht leben.

Da wir ja Zeit hatten und ein bisschen von der Gegend sehen wollten, fuhren wir einen großen Bogen Richtung Marseille und mieden die Autobahnen. So kam es, dass wir erst gegen 15:00 Uhr in St. Tropez ankamen, das auf direktem Wege nur 100 Kilometer von Nizza entfernt liegt. Es regnete immer noch und es war immer noch sehr stürmisch. Wir stiegen aber trotzdem mal längerfristig aus, um uns die Stadt anzuschauen.

Hafen von St. Tropez

Hafen von St. Tropez

Wir parkten auf einem großen Parkplatz direkt am Hafen, der schon zum Teil überschwemmt war. Einige der Autos, die dort wohl schon länger standen, standen bis zur Hälfte der Reifen im Wasser. Dennoch liefen wir in den Hafen und wie zu erwarten war, lagen in dem kleinen Hafenbecken sehr viele viel zu große Boote herum.

Der Hafen von St. Tropez ist eigentlich durch eine hohe Mauer geschützt. Der Sturm war trotzdem bis in den Hafen vorgedrungen, hatte für Überschwemmungen gesorgt und das kleinste Boot im Becken zum Kentern gebracht. Wir stiegen auf die Mauer zwischen Meer und Hafen und schauten uns das Wellenschauspiel mal etwas näher an. Man schmeckte am Salzgehalt des Wassers mittlerweile auch, dass es nicht nur Regen war, der einem ins Gesicht spritzte.

Anschließend gingen wir auch noch ein Stück in die Innenstadt, kehrten aber schnell wieder um, weil außerhalb der Saison mittwochs bei Sturm Ruhetag zu sein scheint. Die meisten Läden, Cafés und Restaurants waren nämlich geschlossen und die Straßen vollkommen ausgestorben.

Steine auf der Straße

Steine auf der Straße

Also weiter. Jetzt fuhren wir fast nur noch direkt am Meer und wurden einmal von einer Welle in der Höhe eines LKW ein paar Meter vor uns überrascht. Hier lagen auch schon faustgroße Steine auf der Straße, die wohl die eine oder andere Windschutzscheibe hätten demolieren können.

Wir hatten aber Glück und brachten unsere Knutschkugel unversehrt durch die Wellen. Der weitere Weg führte wieder hoch in die Berge und weg vom Wasser. Wir fuhren durch einen Ort, den wir eigentlich nur willkürlich ins Navi eingegeben hatten. Dieser war so klein, dass wir froh waren, dass unser Fiat 500 nicht allzu breit war, weil die einspurige Straße durch den Ort schon sehr eng war. Wie der Ort genau hieß, wissen wir leider nicht mehr, aber er ist definitiv der Inbegriff eines französischen Bergdorfes gewesen. Sehr eng, viele alte, aber sehr gut erhaltene Häuser, eine tolle Aussicht auf das Tal und viele Felder drumherum.

Da es jetzt langsam dunkel wurde und wir sowieso nicht mehr viel sehen konnten, entschieden wir uns, jetzt etwas direkter nach Marseillle zu fahren. Das war anfangs nicht ganz so leicht, weil eine Straße gesperrt war und Tante Hildegard in unserem Navi damit nicht klar kam. So irrten wir eine halbe Stunde durch irgendeinen sehr kurvigen, steilen Ort, kamen zum Schluss wieder am Ausgangspunkt an und fuhren ab dort in eine komplett andere Richtung als zuvor. Nach gefühlten vier Stunden auf unbeleuchteten und kurvigen Bergstraßen ohne Leitplanken kamen wir an unserem Hotel etwas außerhalb von Marseille an. Beim Abendbrot im Bett haben wir schon mal die Rückfahrt nach Nizza durch die Provence geplant, die morgen ansteht.

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